Der Stellenplan weist aus, wieviel Personal die Stadtverwaltung für welche Aufgaben einstellen darf – und ist damit eines der kostspieligsten Dokumente bei der Aufstellung des städtischen Haushaltes. Für die kommenden zwei Jahre schlägt Bergisch Gladbachs Verwaltung unter dem Strich 33 weitere Stellen vor. Das kostet zwar jedes Jahre mehrere Millionen Euro zusätzlich, sei aber das absolut erforderliche Minimum.

Der Doppelhaushalt 2024/2025 wird in der Ratssitzung am 12. Dezember eingebracht, erst dann werden Kämmerer Thore Eggert und Bürgermeister Frank Stein Grundlinien und Eckdaten öffentlich machen. In den Unterlagen zur Ratssitzung findet sich aber jetzt bereits der Vorschlag der Verwaltung für den neuen Stellenplan. Der hat es in sich – und ist erklärungsbedürftig.

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Der Beschlussvorschlag selbst ist kurz und knapp: „Der Einrichtung von 53,0 neuen Stellen (2024: 52,0 und 2025: 1,0) und der Streichung von 5,0 Stellen für den Stellenplan 2024/2025 wird zugestimmt.“

Damit ist aber noch längst nicht alles gesagt: alleine die Vorlage für den Stellenplan ist 42 Seiten lang. Und dann gibt es eine 75-seitige Anlage mit einer Erläuterung des Verwaltungsvorstandes und einer detaillierter Darstellung der (oft schwierigen) Personalsituation aller 10 Fachbereiche (siehe Dokumentation unten).

Status Quo: Derzeit verfügt die Stadt Bergisch Gladbach im aktuellen Stellenplan über 1.432 Vollzeitstellen, 22 mehr als ein Jahr zuvor. Davon sind 984 Stellen für Tarifliche Beschäftigte und 448 Stellen für Beamte vorgesehen. Ein Teil dieser Stellen ist aufgrund des Fachkräfte- und Raummangels nicht besetzt. Dieser Anteil wird in der Vorlage nicht beziffert.

Zwischen Wunsch und Finanzierbarkeit

Gewünscht hätten sich die Fachbereiche, das geht aus dem „Vorwort“ des Verwaltungsvorstandes hervor, insgesamt sogar 80 neue Stellen. Die seien aufgrund der stetig steigenden Aufgabenlast zwar alle gut begründet gewesen, hätten aber zu Mehrkosten von 5,8 Millionen Euro pro Jahr geführt und seien vor dem Hintergrund der aktuelle Haushaltsnot nicht darstellbar.

In einem ersten Schritt seien daher 13 Stellen von der Wunschliste gestrichen worden (vor allem im Bereich Gebäudemanagement/Hochbau). Damit liegt man bei 67 neuen Stellen.

Schritt für Schritt auf 33 runter gerechnet

Weitere 20 Stellen, so der Verwaltungsvorstand, seien eigentlich gar keine neuen Stellen. Sie würden lediglich aufgrund der Auflösung der städtischen Tochter EBGL (Entsorgungsdienst) in den Stellenplan des Abfallwirtschaftsbetriebs (AWB) verschoben. Diese Aufgaben, Stellen und Personen sind also bereits in städtischen Diensten, werden jetzt erstmals im Stellenplan mitgezählt, kosten aber nichts zusätzlich. Damit reduziert sich die reale Stellenanmeldung weiter auf 47.

Weitere 9,5 Stellen könnten abgezogen werden, weil die Befristung für schon vorhandene Posten nicht (wie eigentlich vorgesehen) aufgehoben wird. Im Klartext: sie bleiben befristet, gelten also nicht als zusätzliche Stellen. Das berücksichtigt stehen wir bei noch 37,5 neuen Stellen.

Und auf noch einmal 4,5 Stellen könne die Stadt zur Not auch bis 2026 warten. Damit kommt man auf 33 neue Stellen – die zusammen mit den 20 dem ABW zugeordneten Stellen auch die Basis für den Beschlussvorschlag mit 53 neuen Stellen ergeben.

„Weitere Kürzung nicht vertretbar“

Wenn man dann noch berücksichtige, dass 5,5 Stellen zu 85 Prozent von Land oder Bund refinanziert werden, könne man auch die weitgehend herausrechnen – und kommt laut Verwaltungvorstand unter dem Strich auf einen tatsächlichen Mehraufwand von zwei Millionen Euro in 2024 und 3,6 Millionen Euro in 2025 (weil erst dann die meisten der bewilligten Stellen auch tatsächlich besetzt sein können).

Hintergrund: Im Haushalt 2023 sind Ausgaben von 407 Millionen Euro geplant, davon entfallen rund 94 Millionen Euro auf das Personal. Das ist nach den Sozialleistungen (188 Mill. Euro) der zweitgrößte Betrag. Weitere 3,6 Millionen für das Personal entspricht demnach einem Anstieg der Kosten um knapp vier Prozent. Der gesamte Personaletat wächst stärker, weil die Beschäftigten nach den hohen Tarifabschlüssen mehr Geld bekommen.

Aufzeichnung der Bürgerakademie

Was Sie über Bergisch Gladbachs Haushalt wissen sollten

In der dritten Runde der BürgerAkademie geht es um den kommunalen Haushalt: ein ebenso kompliziertes wie bedeutendes Thema, und im kommenden Jahr ganz besonders. Wie der Etat erarbeitet wird, was er festlegt und warum er so wichtig ist, das erläutert uns Kämmerer Thore Eggert (FDP).

Damit sei dann das absolute Minimum erreicht: „Eine weitere Kürzung der Stellenzusetzungen kann seitens der Verwaltung nicht vertreten werden“, heißt es in der Vorlage. Wobei es der Politik natürlich freistehe, davon abweichende „Einzelfallentscheidungen“ zu treffen. Also weitere Stellen zu streichen – oder zu schaffen.

Die 33 tatsächlich neuen Stellen verteilen sich relativ gleichmäßig auf alle Fachbereiche und Organisationseinheiten. So gibt es

  • 2,5 Stellen für den Bereich Klimaschutzmanagment / Wärmeplanung / Fördermittelmanagement,
  • 4 für die IT in der Verwaltungssteuerung,
  • 4,5 beim Stadtordnungsdienst,
  • 1,5 im Fachbereich Schulen, Kultur und Sport,
  • 5,5 im Fachbereich Jugend und Soziales,
  • 6,5 im Bereich Gebäudewirtschaft / Hochbau / StadtGrün
  • und weitere kleine Posten.

Die Details finden Sie in der Dokumentation:

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Es ist sicher müßig, an dieser Stelle auf den Verwaltungswahnsinn hinzuweisen. Allen dürfte doch bekannt sein, dass jede neue Stelle mehr Bürokratie bedeutet. Die soll aber doch abgebaut werden.
    Die Personalkostenquote im Haushalt 2023 liegt bei gut 23Prozent. Wie ist diese für 2024/25 geplant.
    Wie soll Bürokratie abgebaut werden? Es sind sicher neue Stellen notwendig. Aber viel notwendiger ist es, diese durch die Reduzierung nicht notwendiger Aufgaben zu kompensieren. Es nützt wenig auf den Bund zu verweisen. Der kann es doch auch nicht.
    Wer bezahlt eigentlich diese Zeche?

    1. An welche “nicht notwendigen Aufgaben” denken Sie dabei? Freiwillige Aufgaben sind z.B. der gesamte Kulturbereich einschließlich der VHS, der Stadtbücherei und der Musikschule, ferner die Förderung von Seniorenclubs und Migrantenkindern (z.B. MiKibU), die Schuldigitalisierung, der Klimaschutz, die Beleuchtung von Straßen und öffentlichen Plätzen (wenigstens teilweise), das öffentliche Grün. Welche davon sollen gestrichen werden? Bereits an dieser – freilich nicht abschließenden – Aufzählung wird deutlich, dass die freiwilligen Aufgaben nur einen sehr geringen Teil der städtischen Ausgaben ausmachen.

      1. Es geht ja nicht um Ausgaben, sondern um Stellen, die dann die Personalkosten hochtreiben.
        Und da kann man sicherlich mit Digitalisierung, Optimierung der Abläufe etc. 10% der Belegschaft einsparen, ohne große Auswirkungen auf die Abläufe zu haben.

      2. „… kann man sicherlich“, na klar. Man kann auch sicherlich solch eine Formulierung hier abladen, ohne sie auch nur mit der geringsten Menge Substanz zu unterfüttern.

  2. Gelangweilte Beamte im Bund setzen neue Aufgaben und Themen für die Länder, diese wieder bauen Stellen auf, um die Themen zu bearbeiten und geben gleichzeitig Aufgaben an Kommunen weiter, die ebenfalls Stellen aufbauen.

    Ein Perpetuum mobile der Arbeitsbeschaffung im öffentlichen Bereich.

    Wir verwalten uns kaputt.

    Beste Bespiel sind immer die Fördermittelmanager, weil keiner mehr einen Durchblick hat, wer wo wieviel Geld aus Fördertöpfen kassieren kann.
    Absoluter Wahnsinn.

  3. Einfach nur ohne Worte, warum schreiben wir nicht direkt 200 neue Stelle aus, irgendwer wird schon für die Rechnung aufkommen und wenn das ganze am Ende schief geht, dann geben wir einfach jemanden anderen die Schuld, Land, Kreis, Bund, Autofahrer, Fahrradfahrer.