Klimaschützer beim Festival der lokalen Demokratie. Foto: Philipp J. Bösel

Im Vorfeld der Kommunalwahl am 14. September appellieren die Klimafreunde Rhein-Berg an die Parteien, den Klima- und Umweltschutz stärker in den Fokus zu nehmen. Von den Bürgermeisterkandidaten fordern sie Antworten auf drei konkrete Fragen ein.

Wir veröffentlichen einen Beitrag der Klimafreunde Rhein-Berg e.V.

Nach eingehender Prüfung der Wahlprogramme und Informationsmaterialien der zur Kommunalwahl 2025 antretenden Parteien stellen wir mit großer Sorge fest: Der Klima- und Umweltschutz spielt in den meisten Programmen nur eine untergeordnete Rolle. Insbesondere fehlen in Agenden und an die Haushalte verteilten Flyern Vorschläge für konkrete Maßnahmen oder Zielsetzungen zur Erreichung der Klimaneutralität.

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Die kommunale Wärmeplanung als strategisches Instrument Bergisch Gladbachs kommt z.B. zu dem eindeutigen Befund, dass der Einsatz von Wasserstoff zur Nahwärmeversorgung aufgrund technischer und wirtschaftlicher Restriktionen nicht vorgesehen ist. Wird hiervon abgerückt, Wasserstoff gar als zentrales Element gesehen, obwohl diese Option in den offiziellen Planungen ausdrücklich ausgeschlossen wurde, offenbart dies einen Konflikt zwischen politischer Darstellung und fachlich fundierter Planung.

Wir zitieren hierzu die Ökonomin und Klimaexpertin Claudia Kempfert: „Heizen mit Wasserstoff ist wie Duschen mit Champagner.“ Hier bedarf es dringend einer Klärung, damit eventuelle Divergenzen ausgeräumt werden. 

Wir erwarten Transparenz und Verlässlichkeit, gerade im Hinblick auf Investitionen in konkrete Klimaschutzmaßnahmen. Schlagwörter wie „Schwammstadt“,  „Fassadenbegrünung“ oder „Klimaanpassung“ reichen nicht aus. Sie gehören nicht zum ureigenen Klimaschutz, sondern beschreiben Anpassungen an die Folgen der Klimakrise.

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Klimaschutz ist keine Kostenlast, sondern eine Investition in unsere Zukunft. Unterlassene Maßnahmen heute bedeuten eine vielfach höhere Belastung durch Klimafolgeschäden für kommende Generationen.

Deshalb fordern wir von den Bürgermeisterkandidaten aller Parteien eine verbindliche Stellungnahme zu folgenden Fragen:

  1. Wie soll die kommunale Wärmeversorgung in Bergisch Gladbach unter realistischen Rahmenbedingungen gestaltet werden?
  2. Welche Rolle soll Wasserstoff dabei tatsächlich spielen – und wie lässt sich das mit den Ergebnissen der offiziellen Wärmeplanung vereinbaren?
  3. Welche konkreten Maßnahmen zur Umsetzung der Klimaneutralität in der kommenden Wahlperiode sind vorgesehen, und mit welchem Zeithorizont?

Wir erwarten, dass diese Stellungnahmen noch vor der Wahl klar und nachvollziehbar  öffentlich gemacht werden. Nur so erhalten Bürgerinnen und Bürger sowie die Akteure der Energiewende eine fundierte Entscheidungsgrundlage.

Wir wünschen uns, dass alle demokratischen Parteien – über die Parteigrenzen hinweg- den Klimaschutz als sehr wichtiges Thema nicht weiter in der Versenkung verschwinden lassen.

Als Klimafreunde in der Region Rhein-Berg werden wir auch nach der Wahl die Umsetzung von Klima- und Umweltschutzmaßnahmen kritisch begleiten und uns konstruktiv für eine lebenswerte, enkeltaugliche Zukunft in unserer Stadt und Region einsetzen.


Hinweis der Redaktion: Sie können unseren Chatbot einsetzen, um die Positionen der Parteien zum Klimaschutz zu analysieren und auszuwerten. Tragen Sie die Fragen der Klimafreunde hier ein – oder stellen Sie Ihre eigenen Fragen.

Unser Chatbot zur Wahl in GL: Wir haben eine Künstliche Intelligenz mit den vollständigen Programmen der Parteien in Bergisch Gladbach gefüttert. Nun können Sie in einem Chat Ihre Fragen stellen. Probieren Sie es aus, fragen Sie nach Übereinstimmungen mit eigenen Präferenzen, lassen Sie die Aussagen der Parteien zu bestimmten Themen vergleichen, …

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Die „Klimafreunde Rhein-Berg“, 2019 als Bürgerinitiative ins Leben gerufen, sind seit 2021 ein gemeinnütziger Verein. Gemäß dem Grundsatz „Global denken – lokal handeln“ wollen die Mitglieder vor Ort möglichst viele Menschen für das drängende Thema Klimaschutz sensibilisieren und fürs...

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  1. Danke, liebe Klimafreunde, für diese Initiative!
    Ich begrüße ganz besonders Eure klarstellende Unterscheidung zwischen Klima-Anpassung und Klimaschutz. Die Anpassung an das sich dramatisch verändernde kliam, ja, sie ist bitter notwendig. Sie ist aber auch das Eingeständnis des Scheiterns! Vor allem ist sie aber maximal ungerecht. Reiche Industrieländer wie Deutschland können sie sich leisten. Die noch viel mehr betroffenen Länder des globalen Südens (Bangladesch, Sudan und leider v. a. m) aber nicht.
    Daher bleibt Klimaschutz oberstes Gebot.
    EXIT GAS – ENTER FUTURE ist deshalb das Motto des Klimastreiks am 20. September, um 16 Uhr auch auf dem Marktplatz in Bergisch Gladbach!

  2. …und was vielen Wählern in unserem Lande wahrscheinlich noch gar nicht aufgefallen ist, dass die Bundesministerin Reiche (CDU) einen Rückwärtssalto in Sachen Klimapolitik vollzogen hat, indem sie die Einspeisevergütung bei privaten Solarinvestoren als staatliche Subvention deklariert, die Solareinspeisungen als Gefahr für das öffentliche Netz (Überlastungen!) suggeriert und Gaskraftwerke als Zukunftslösung propagiert. Geht’s noch, liebe CDU?
    Investitionen der Bürger in Solarstrom bedeutet demokratisches Engagement auf höchstem Niveau. Strom, welcher für die Allgemeinheit bereit gestellt wird, ist ein Qualitätsprodukt, welches nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen vergütet werden sollte. Auch wenn es für mich ein Minusgeschäft ist, bin ich stolz darauf, eine 6,5-Soaranlage auf dem Dach zu haben und sogar mein Warmwasser per Heizpatrone selbst zu erzeugen und mich hierin vom Erdgas weitestgehend abgekoppelt zu haben. Ich kann meinen Enkeln jedenfalls guten Gewissens in die Augen sehen. Dieter Richter (75) Bergisch Gladbach

    1. Mir klingeln gerade die Gegenargumente zu meinen heutigen Statement ins Ohr ;O) Was ist wenn die Sonne nicht scheint??? Diese Frage z.B. darf nicht nur politisch, sondern sollte aus der Alltagspraxis heraus beantwortet werden. Hier also mein nicht ganz objektiver, jedoch datenbasierter Faktencheck.
      Die Kernfrage: “Was ist, wenn die Sonne nicht scheint?”
      Antwort 1: “Nachts laufen bei mir keine energieintensiven Verbrauchsgerät, wie Waschmaschine oder Geschirrspüler”.
      Antwort 2: “Für Fernseher, Internet und Licht kaufe ich den tagsüber von mir ins öffentliche Netz eingespeisten Strom für den ca fünffachen Preis zurück.”
      Antwort 3: “Zeitstempel heute, 10:35,
      Wetterlage: schwere Wolkendecke über dem gesamten Himmel, leichter Regen, null Sonnenstrahlen
      Energiebilanz mit Solaranlage, 6,5 KW Ost-West-Ausrichtung:
      Stromverbrauch 184 W
      Solarstrombezug 198 W
      Netzbezug 0 W
      Netzeinspeisung 0 W
      Überschuss für Warmwasseraufbereitung 14 W

      Nach dem morgendlichen Duschen wird der Warmwasserspeicher bei sonnenklarem Himmel innerhalb von 30 Minuten von ca 40 auf 60 Grad mit der im Haushalt nicht genutzten Restenergie aufgeheizt. Die danach entstehenden Überschüsse werden für 0,07 €/Kwh Einspeisevergütung ins öffentliche Stromnetz eingespeist.

      Wegen derzeit mangelnder Effizienz habe ich auf einen Batteriespeicher verzichtet – überlege jedoch die Anschaffung im Zusammenhang mit einem E-Auto.
      Die Gesamtanlage hatte mich 2021 ca. 18.000 € gekostet. Auf öffentliche Förderung habe ich von vornherein verzichtet… – zuviel Hürden, zu kompliziert, zu zeitaufwändig. Das mag Heute dank vielgescholtenem H. Habeck sicherlich einfacher sein.

      Ich hoffe, mit meinen Praxiserfahrungen auf einfache Weise eventuell vorhandenen Irrtümer und Mythen entgegen wirken zu können.

      MfG Dieter Richter, Bergisch Gladbach

      1. Dem kann ich mich anschließen: 10 kWp auf dem Dach, 9 kWh Speicher, Wallbox gleich mit installieren lassen. Schätzungsweise von Mai bis September sind wir autark, inkl. der Warmwasserbereitung durch die Wärmepumpe und einer fest installierten Klimaanlage. In Frühjahr und Herbst muss ein Teil des Stroms vom Versorger bezogen werden, im Dezember und Januar nahezu komplett (wäre bei einem steileren Dach dann wohl besser).

        Auf die Einspeisevergütung könnte ich ebenso gut verzichten – was wirklich lohnt, ist der Eigenverbrauch. Trotzdem können wir natürlich von den paar Euro, die die Rheinische Netzgesellschaft monatlich überweist, immer mal wieder ein Eis essen gehen.