Zum Ende seiner fünfjährigen Amtszeit blickt Bürgermeister Frank Stein im Video-Interview auf seine Arbeit in Zeiten von Krisen, auf prägende Erlebnisse und emotionale Begegnungen zurück. Der 62-Jährige spricht über Erfolge und Misserfolge. Und auch darüber, warum manche Dinge langsamer voran kommen als gewünscht.
Frank Stein kommt zu Fuß zum Abschluss-Interview mit dem Bürgerportal auf dem Zanders-Gelände. Er ist gut gelaunt und gleich in Plauderstimmung. Sonst eher für einen legeren Kleidungsstil bekannt, trägt der 62-Jährige an diesem Tag einen dunkelblauen Anzug mit strahlend weißem Hemd.
Genau diesen Anzug habe er auch zur Zeit seines Amtsantritts vor fünf Jahren schon gehabt. Er passe immer noch. „Das ist ein gutes Zeichen“, findet Stein.
Der scheidende Bürgermeister bemüht sich um Lockerheit, doch eine gewisse Anspannung ist ihm anzumerken. „Nach der Wahl kann ich unbefangener reden“, gesteht er. Noch müsse er aufpassen, dass er die Wahl nicht – ungewollt – beeinflusse oder jemanden gegen sich aufbringe.
Stein weiß: Es geht um sein politisches Vermächtnis. Nach 25 Jahren in städtischen Spitzenpositionen und fünf Jahren als Bürgermeister tritt er bei der Kommunalwahl nicht noch einmal an. Zeit also, um Bilanz zu ziehen, auf seine Arbeit und seine Amtszeit, seine Erfolge und Misserfolge zurückzublicken.



Fotos: Thomas Merkenich
Die Zentralwerkstatt auf Zanders dient bewusst als Ort für das Interview: Das neue Quartier, das hier entstehen soll, wird die Stadtentwicklung und die Zukunft von Bergisch Gladbach maßgeblich prägen. 2028, sagt Stein mit Bezug auf eine Prognose des Chefs der Zanders-Entwicklungsgesellschaft, werden hier die ersten Menschen wohnen. „In den nächsten fünf Jahren wird hier viel passieren.“
Stein kam vor acht Jahren als Kämmerer nach Bergisch Gladbach und wurde vor fünf Jahren mit 52 Prozent zum Bürgermeister gewählt. Er führte zunächst eine Koalition aus Grünen, SPD und FDP an, die Ende 2022 in die Brüche ging. Im Frühjahr 2024 kündigte Stein an, aus familiären Gründen nicht erneut zu kandidieren. Seine Amtszeit endet offiziell am 31. Oktober, am 1. November tritt der neu gewählte Bürgermeister seine Nachfolge an.
Auf meine Verwaltung bin ich durchaus stolz. Auch wenn wir sicher nicht immer alles richtig gemacht haben.Frank stein
Die Amtszeit von Frank Stein war von Krisen geprägt: Den ersten Tag im Amt verbrachte er mit Corona in Quarantäne, noch in der Pandemie folgten die Stilllegung der Papierfabrik Zanders, das Jahrhundert-Hochwasser, der Ukraine-Krieg, die Ankunft vieler weiterer Flüchtlinge und die Energiekrise, das Ampel-Aus.
Doch trotz allen Krisenmanagements sei die die Stadt in zentralen Bereichen wie Infrastruktur, Klimaschutz und Mobilität in den vergangenen fünf Jahren weit voran gekommen, findet Stein. „Auf meine Verwaltung bin ich durchaus stolz. Auch wenn wir sicher nicht immer alles richtig gemacht haben.“
Und auch wenn man manches anders machen würde mit dem Wissen von heute, manches erst im zweiten oder dritten Anlauf gelungen sei, manche Beschlüsse emotional, lange und intensiv diskutiert worden seien: „Unterm Strich bin ich mit mir im Reinen, auch wenn mir von mancher Seite vorgeworfen wird, zu zaghaft gewesen zu sein.“




Fotos: Thomas Merkenich
„Augen zu und durch“ entsprichtnicht dem Führungsstil Steins, um Dinge durchzusetzen. Weder in Sachen Laurentiusstraße noch beim Thema Flüchtlingsunterkunft auf dem Ascheplatz. Bei gewichtigen Themen setze er lieber auf einen breiten Konsens.
Das Gefühl der Bürger:innen, vieles komme zu langsam voran, begründet der Bürgermeister damit, dass es mitunter „ewig dauert“, um politische Beschlüsse herzustellen, besonders bei Verkehrsthemen, wo es häufig zwei Lager gebe. Auch die Verwaltung warte darauf manches Mal „mit Ungeduld“. Politische und demokratische Prozesse dauerten ihre Zeit.
In mancher Grundschule habe ich mich geschämt.Frank Stein
Immer wieder betont Stein die Bedeutung der Demokratie, auch im Hinblick auf den Ausgang der Kommunalwahl. Spekulieren möchte er nicht. Einen Wunsch äußert er aber, angesichts wechselnder und unberechenbarer Mehrheiten, durch die es schwieriger werde, Beschlüsse zu fassen: Es gelte, „nicht das Trennende zu finden, sondern das Verbindende zu suchen“ und Kompromisse einzugehen. „Der Kompromiss ist die Seele der Demokratie.“






Fotos: Thomas Merkenich
Im Hinblick auf die marode Infrastruktur insbesondere im Schulbau räumt Stein ein: „Die wirkliche Dimension ist mir erst als Bürgermeister bewusst geworden.“ In mancher Grundschule „habe ich mich geschämt“. Er hätte sich vorher nicht vorstellen können, dass die Infrastruktur so „notleidend“ ist.
Doch nachtreten ist nicht Steins Ding. Er wolle den Schwarzen Peter nicht seinen Vorgängern in die Schuhe schieben. Stattdessen beruft er sich auf das, was aus seiner Sicht gelungen ist. Die Gründung der Schulbaugesellschaft etwa oder dass Plan und Strukturen für eine langfristige Strategie zur Sanierung der Schulen geschaffen worden sei.
Heute könne man sein Kind „guten Gewissens auf jede Schule in Bergisch Gladbach schicken“. Um bei der Sanierung schneller zu werden, brauche es deutlich mehr Personal. Darüber müsse der nächste Rat entscheiden.
Im Interview spricht Frank Stein über weitere Themen wie Klimaschutz und die Kommunikationsstrategie der Stadt, über besonders prägende Erlebnisse und emotionale Begegnungen, über die Aufbruchstimmung zu Beginn seines eigenen Wahlkampfes und wie er diesen aktuell erlebt sowie über bürgerschaftliches Engagement, seine Pläne und sein künftiges Verhältnis zu Bergisch Gladbach.
Spoiler: „Man wird mich hier weiter erleben“, politisch einmischen werde er sich als Bürgermeister a.D. aber nicht. „Ich schließe ein politisches Mandat aus.“

Interviews und Gespräche aus dem Archiv
Im Laufe der Zeit hat Frank Stein dem Bürgerportal und seinen Leser:innen immer wieder Rede und Antwort gestanden.
Menschen in GL: Der scheinbar Unscheinbare
Frank Stein ist der neue Kämmerer der Stadt. Wer jetzt im Kopf eine Schublade aufmacht, dem sei gesagt: Stein passt da nicht rein. Seine Leidenschaft gilt der Sozialpolitik, sein Herz hängt am Rheinland. Und er scheint ungern im Vordergrund zu stehen. Ein Porträt.
Aufschlussreich ist zum Beispiel die Aufzeichnung unserer BürgerAkademie in 2024 zum Thema „Was darf, was kann, was soll ein Bürgermeister machen?“
Die Halbzeitbilanz aus dem Jahr 2023:
Das Antrittsinterview 2021:
Das erste Interview nach der Wahl 2020:
Der Wahlkampfauftritt mit Christian Buchen in der WahlArena 2020
Frank Stein stellt seine Kandidatur im BürgerClub 2020 vor:
Frank Stein kündigte eine Kandidatur an:


Einspruch, Herr Stein!
Konsensdemokratie – längst schon nur noch ein Club von Jasagern mit erheblichem Macht- und Risikopotential. Da reicht aktuell allein ein Blick nach Berlin, ohne in die Geschichte ausgreifen zu müssen. Dissens ist die große Ausnahme und wird stante pede abgestraft oder fürweltfremd erklärt.
Beispiele bleibe ich hier schuldig. Die “Verantwortungsträger” mögen sich selbst befragen. Trotzdem diese kleine Hilfestellung: Mit welchen Themen und Slogans, die eine andere Partei setzt, gehen die Kompromissdemokratinnen und Kompromissdemokraten auch auf kommunaler Ebene zur Zeit am liebsten beim Wähler auf Stimmenfang – unbekümmert um Inhalt und Folgen?
binnen der ersten 22 Sekunden:
“wohnen in drei Jahren”
hier möglich auf Zanders,
sagt Hr. Stein, Anfang Sept. 2025
A H A
nun – dann reiche ich hiermit meine Bewerbung ein, für eine bezahlbare!, kleine, ruhige Wohnung!
bei Führungen übers Gelände, auf Zanders, lautet die Antwort zur Nachfrage ab wann hier wohnen möglich sein könnte:
frühestens! in 10 Jahren plus x,
eher doppelt so lange, bis überhaupt an wohnen zu denken sei, (aus den unterschiedlichsten Gründen, Umbau, Genehmigung, Zuordnung wie viel Menschen der Stadt überhaupt wohnen dürfen – wieviel Wirtschaft vertreten sein wird) –
allenorts wird, das Zanders Gelände als die! Lösung für Alles benannt, egal wer Raum benötigt
Am Ende: das empathisch vertrauensvolle Miteinander, unter Menschen, im Verständnis, für diese Stadt. Herz erwärmend
mag ich fast glauben, klingt so schön und habe ich doch so anders erlebt im direkten Kontakt mit Herrn Stein
vertrauensvolle Grüße
ach übrigens:
WO wird das Q1 ab Herbst, vllt ab Jan. 26 beheimatet sein, und die Pfadfinder,
dazu kann ich nirgends etwas lesen.
– Kommunikationsstrategie –
stehen den Menschen dieser Stadt noch Antworten zu?
Bei der Angabe „in drei Jahren“ bezieht sich Stein auf die Aussagen von Oliver Brügge, noch Chef der Zanders Entwicklungsgesellschaft: https://in-gl.de/2025/06/26/kommunal-kurz-knapp-ein-fahrplan-fuer-zanders/
Man könnte die Leidenschaft, Kompromiss zu schließen, auch als Feigheit vor Konflikten interpretieren.
Ist Herr Stein vor fünf Jahren zu jedem Pressetermin mit dem Fahrrad erschienen und hat eine Fahrradfreundliche Stadt und eine Verkehrswende in jedem Interview und an jedem Wahlkampfstand versprochen.
Was ist daraus geworden? Ich würde dieses Scheitern als „krachend“ bezeichnen.
Geblieben sind viele Enttäuschte, die sich Hoffnung auf eine Form von Zukunftfähigkeit in der Mobilität gemacht hatten. Sie alle wurden bitterlich enttäuscht. Kein, auch nur ansatzweise, zukunftsweisendes Projekt wurde in dieser Hinsicht umgesetzt oder angestoßen. Ganz im Gegenteil, neue Strassenabschnitte wurden mit lächerlichen ausgeführten Schutzstreifen gebaut die eher als Sicherheitsrisiko zu bezeichnen sind. Als ein Beispiel von vielen sei die Paffrather Straße genannt. Überall in dieser Stadt gibt es erheblich Mängel in der Radinfrastruktur. Verbessert hat sich nichts. Keine der Veränderungen lässt die Menschen von Auto auf das Rad umsteigen. Keine! Von kinderfreundlichen und sicheren Schulwegen kann man in GL nur träumen.
Herr Stein muss sich also den Vorwurf gefallen lassen, dass man sich in Sachen Mobilitätswende, eher als Verhinderer an ihn erinnert, denn als Mann der Zukunft.
Wir leben in einer Demokratie. Kompromisse sind abhängig von den Mehrheitsverhältnissen schlicht und ergreifend notwendig. Sie können sich sicher sein, dass bei entsprechenden Mehrheitsverhältnissen mehr passiert wäre… die sind aber nicht vorhanden.
Was genau werfen sie Herrn Stein also vor? Sie können ihre Mitbürger fragen, ob sie nicht bitte entsprechend wählen können… ist ja bekannt, welche Parteien sich gg. die Mobilitätswende stemmen.
„Überall in dieser Stadt gibt es erheblich Mängel in der Radinfrastruktur.“ ist ihre pauschale Feststellung.
Nach meinen Feststellungen ist die Mehrzahl der über 14jährigen Fahradnutzenden dem Typ „Rowdy“ zuzuordnen: Es wird auf der falschen Straßenseite gefahren, nicht hinter Zufussgehenfen gebremst sondern geklingelt und geschimpft, Radwege werden nicht genutzt (sind nicht popoglatte Fahrbahnen), von Autofahrenden wird zwar ein Überholabstand von mindestens 1,50 m verlangt- selbst weicht man auf den Bürgersteig aus, anstatt sich bei rot zeigender Lichtzeichenanlage (Ampel) anzustellen. Das rüpelhafte Verhalten Radfahrender „Erwachsener“ liesse sich um einige Beispiele fortsetzen.
Die Radinfrastruktur mag verbesserungswürdig sein – das Benehmen vieler Radfahrenden ist es auf jeden Fall
Ich nehme als Radfahrer immer Rücksicht auf Autofahrer, weiche sogar auf den Gehsteig aus um sie überholen zu lassen usw.
Ich radele langsam, bin wohl eine Ausnahme (?)
„Nach meinen Feststellungen ist die Mehrzahl der über 14jährigen Fahradnutzenden dem Typ „Rowdy“ zuzuordnen“ – Ihre „Feststellungen“ klingen merkwürdigerweise exakt so wie die gängigen Stammtischparolen der üblichen Gasfüßler, die sich schon bei entfernter Sichtung eines Radfahrers in ihrem Vorwärtsdrang gestört fühlen. Wie wär’s mal mit Fakten?