Die Nussbaumer Wiese mit dem Kölner Fenster soll zum Teil zugebaut werden. Foto: D. Berntges

Die hohen Temperaturen sind kein einmaliges Phänomen, sondern ein Zeichen für den Klimawandel – und machen deutlich, wie wichtig Wald und Grünflächen für das Klima sind. Auch in GL. Und vor allem mit Blick auf den Flächennutzungsplan. 

Die Signale waren überdeutlich. Die Hitzewelle der letzten Wochen hat uns geschafft, jedenfalls die meisten, die ihren Urlaub nicht am Meer oder in kaum noch vorhandenen kühleren Gefilden verbracht haben.

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Dass dieser Hitze-Sommer kein einmaliges Phänomen darstellt, lässt sich anhand der in Köln aufgezeichneten Wetterdaten der letzten Jahrzehnte ablesen: Die Zahl der Tage mit Temperaturen von über 30° hat stark zugenommen und wird in Kölner Innenstadtbereichen laut einer Stadtklimauntersuchung und -simulation des Deutschen Wetterdienstes (DWD) bis zum Jahr 2050 fast 30 erreichen. Damit einhergehen die zunehmenden tropischen Nächte mit einer Temperatur von mehr als 20°.

Hinweis der Redaktion: Der Autor Rainer Röhr ist einer der Sprecher des Bündnisses der Bürgerinitiativen  (BBI); er vertritt hier aber seine eigene Meinung.

Nicht nur in Köln fragt man sich, was man gegen das für die meisten Menschen unerträgliche, ja gesundheitsgefährdende Hitzeklima tun kann. Da sich nachweislich positiv auf eine Temperaturbegrenzung auswirkende Wald- und Grünflächen nicht einfach aus dem Hut zaubern lassen, sind die Möglichkeiten begrenzt.

Der Rat aus Köln: Freiflächen frei halten

Interessant sind gerade deshalb Empfehlungen, die die Stadt Köln zur Lösung der regionalen klimatischen Probleme gibt: Das Freihalten von Freiflächen und Ventilationsbahnen, eine Intensivierung der Durchgrünung sowie eine Verminderung der Bodenversiegelung.

Genau diese Maßnahmen sind es, die auch das Bündnis der Bürgerinitiativen zum Flächennutzungsplan (BBI-GL) und der Bergische Naturschutzverein e.V. (RBN), einer der so genannten Träger Öffentlicher Belange (TÖB), von der Stadt Bergisch Gladbach erwarten. Mark vom Hofe, Vorsitzender des RBN, hat dies in den letzten Wochen öffentlich noch einmal sehr deutlich gemacht.

Es gibt in Bergisch Gladbach tatsächlich noch eine Chance, negative Entwicklungen, wie sie in Zukunft vermehrt in Großstädten auftreten werden, zu verhindern, mindestens aber deutlich abzubremsen, wenn auch hier der Klimaschutz bei der Aufstellung des Flächennutzungsplanes (FNP) stärker berücksichtigt würde.

Haben die Interessen der Bauwirtschaft Vorrang?

Zwar betont die Stadtverwaltung, dass alle Belange des Naturschutzes in den FNP einfließen, davon ist in den Steckbriefen zu den einzelnen, für eine Bebauung vorgesehenen Flächen auch durchaus die Rede, leider bleibt dies aber in den anschließenden Entscheidungsempfehlungen ohne Konsequenzen.

Vielmehr entsteht der Eindruck, dass die Interessen der Bau- und Immobilienwirtschaft weit vor den Belangen des Klimaschutzes agieren.

Sollte der bislang von der Verwaltung vorgelegte Flächennutzungsplan vom Rat beschlossen werden, ist die zwangsläufige Folge, dass Kaltluftentstehungsgebiete zugebaut, Frischluftschneisen verriegelt und Flächen versiegelt werden, wie beim Forumpark bereits geschehen.

Es ist klar, dass darunter nicht nur wir, sondern eben auch die Bewohner Kölns leiden werden, deren rechtrheinische Frischluftversorgung weitgehend durch das Bergische Land sichergestellt wird.

Mehr als nur eine Absichtserklärung

Wenn die Stadt behauptet, der FNP sei doch nur eine Absichtserklärung und müsse nicht in allen Teilen umgesetzt werden, geht das an der Realität vorbei, denn der Bebauungsplan wird üblicherweise aus dem Flächennutzungsplan entwickelt.

Betroffenen Bürgern bleibt nach der Abgabe der Stellungnahmen innerhalb der Offenlegung letztlich nur noch der gerichtliche Klageweg, wenn sie Abhilfe schaffen wollen: Ein zermürbendes und teures Verfahren.

Außerdem erscheint es widersinnig, die Lösung evidenter, bereits jetzt auftretender Probleme, so die Frage der Bewältigung des Verkehrs, auf die Bebauungspläne zu verschieben. Das heißt doch, dass die Stadt keinerlei Gesamtkonzept für ihre Zukunft hat.

Der Baurat zeichnet ein schiefes Bild

Der Flächennutzungsplan in derzeitiger Fassung wird unsere Stadt negativ verändern. Wenn Baurat Harald Flügge verharmlost, 98 Prozent des heutigen Freiraums in Bergisch Gladbach blieben bei der Umsetzung der Verwaltungsvorlage erhalten, gibt das ein schiefes Bild.

Gemessen an der Gesamtfläche Bergisch Gladbachs mit seinen großen landwirtschaftlichen Flächen im Osten mag das zutreffen, bezogen auf die Fläche innerhalb und in näherer Umgebung der betroffenen Stadtteile eben nicht. Die gerade dort dringend benötigten Kaltluftgebiete und Frischluftzonen werden maßgeblich verkleinert, verriegelt oder ganz beseitigt.

Reden Sie mit: Am 12.9. beschäftigt sich der politische Stammtisch des Bürgerportals im Wirtshaus am Bock mit dem Finale zum Flächennutzungsplan. Neben Stadtbaurat Flügge sind Vertreter der Bürgerinititiativen, des Bergischen Naturschutzbundes und der CDU geladen – und alle, die sich für die Zukunft von Bergisch Gladbach interessieren. Facebook

Am 9. Oktober diesen Jahres entscheidet der Rat der Stadt Bergisch Gladbach über den Flächennutzungsplan. Es besteht große Gefahr, dass große Flächen schönster bergischer Natur zur weiteren Bebauung geopfert werden.

Eine Auszeit als letzte Chance für den Klimaschutz

Noch haben die Mandatsträger, aber auch die Verwaltung dieser Stadt Gelegenheit, ihre Pläne zu revidieren, den Klimaschutz wirklich ernst zu nehmen und auf die in vielen tausend Einsprüchen festgemachten Sorgen der Bürgerinnen und Bürger einzugehen.

Es wäre angesichts der warnenden Worte seitens der Meteorologen, der Umweltbehörden und maßgebender Träger Öffentlicher Belange durchaus noch möglich, eine Auszeit zu nehmen, in der der Flächennutzungsplan überdacht und überarbeitet wird.

In jedem Fall trägt der Rat der Stadt eine hohe Mitverantwortung für die mit dem Flächennutzungsplan verbundenen klimatischen Auswirkungen. Es könnte sein, dass man sich bei der Kommunalwahl 2020 daran erinnern wird.

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Rainer Röhr

ist Bürger aus Schildgen und aktiv bei der Bürgerinitiative Sträßchen Siefen.

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