Diese Variante bleibt Favorit der Planer, es gibt aber nun eine Alternative, die eine Verlängerung der Treppe links bis zum Baum vor der Mauer vorsieht.

Im Streit um die Gestaltung der Betonwand an der Schlossstraße gibt es eine überraschende Kehrtwende: Der Architekt hat nun doch noch zwei neue Varianten vorgelegt; die SPD hat sich bereits für eine Lösung mit Sitzstufen entschieden. 

Noch am Donnerstag hatten Planungschef Wolfgang Honecker und Architekt Frank Flor im Gespräch mit dem Bürgerportal für eine senkrechte Mauer plädiert; Varianten wie von Bensberger Bürgern geforderte Stufenlösungen seien aufgrund der Vorplanung und des hohen Zeitdrucks nicht geprüft worden. CDU und FDP hatten der bis zu drei Meter hohen Betonwand bereits zugestimmt.

Nach dem Interview ließ der Protest allerdings nicht nach, im Gegenteil. Und im Hintergrund hatte Architekt Flor bereits Alternativen entwickelt, die die Kritik in den Fraktionen und der Bevölkerung aufnehmen. Die waren aber am Donnerstag noch nicht reif für die Veröffentlichung.

Bei der Fraktionssitzung der SPD am Montagabend zauberten die Stadtplaner dann sogar zwei Varianten aus der Tasche. Wie Fraktionschef Klaus Waldschmidt dem Bürgerportal erläutert, stellte die Verwaltung nun drei Modelle vor:

  • Die Variante „Pur“ als bislang bekannte, durchgehende, senkrechte Mauer.
  • Bei der Variante „Barcode“ werde die Mauer im oberen Teil durch viele kleine Sichtfenster durchbrochen, die einen Blick auf den grünen Hang geben (ähnlich einem Barcode).
  • Die Variante „Sitzstufen“ beginnt mit einem Bereich von großen Sitzstufen, an die sich die Stützmauer anschließt.
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Auch im Forumpark gibt es Kombinationen von Treppe und Sitzstufen

Das Bürgerportal konnte die noch sehr vorläufigen Pläne einsehen. Demnach würden die etwa sechs knapp 40 Zentimeter hohen Sitzstufen direkt am Aufgang links zur Kadettenstufen beginnen (siehe Visualisierung ganz oben). Sie ziehen sich über etwa 15 Meter bis zum Baum, der vor der Mauer eingeplant worden war. Danach beginnt dann erst die – an dieser Stelle noch drei Meter hohe – Stützmauer, die den Hang absichert.

Was die Mauer eigentlich soll (bitte klicken)
Die geplante Freitreppe von der Schlosstraße entlang der neuen Schlossgalerie hinauf zum neuen Markt überwindet einen Höhenunterschied von acht Metern, dabei muss der Hang links hinauf zum Schloss abgestützt werden.

Aus statischen Gründen erfordert das eine Mauer, die an der höchsten Stelle ganz unten zwei Meter hoch ist. Die Stadtplaner haben jedoch drei Meter geplant, damit der obere Teil der Mauer einen Schutz für den Pflegeweg bildet, der hinter dem Bauwerk entlang läuft. Das sei ästhetischer als ein Geländer.

Eine Begrünung der Mauer hatten die Planer abgelehnt; damit tatsächlich ein Klimaeffekt erreicht werden, müsste ein Aufwand betrieben werden, den die Stadt sich nicht leisten kann.

Die Mauer wird aus Betonfertigteilen zusammen gesetzt, ihre Oberfläche kann gestaltet werden, ist jedoch anfällig für Graffiti.

Stadtplaner Honecker bestätigt die Angaben im Grundsatz. Allerdings gebe es bislang nur eine vorläufige Prüfung des Stufenmodells durch den Statiker, zudem sei die Kostenfrage noch völlig offen.

Der Club L 94 hat auch in anderen Projekten Kombinationen von Treppen und Sitzstufen realisiert; hier das Projekte Klarissenkloster in Köln Kalk. Foto: Screenshot Website Club L 94

CDU will der SPD folgen

Dagegen hat sich die SPD-Fraktion laut Waldschmidt einhellig  festgelegt – auf die Variante „Sitzstufen”: „Damit haben die Planer einen Entwurf vorgelegt, mit dem die Mauer auf ein moderates Maß verkleinert wird. Die Anlage von Sitzstufen erhöht die Aufenthaltsqualität des zentralen Platzes in Bensberg, auf dem künftig Open Air-Veranstaltungen oder Public Viewing stattfinden können“, sagte Waldschmidt. Damit gebe es jetzt „das Potential für einen neuen Lieblingsplatz für Bensberg”.

Die CDU-Fraktion wird sich dieser Haltung aller Wahrscheinlichkeit nach anschließen, sagte Vizefraktionschef Lennart Höring dem Bürgerportal. Seine Fraktion hatte gestern nicht getagt, wird sich erst in der Arbeitskreissitzung mit der SPD am Donnerstag im Detail informieren lassen und dann entscheiden. Die Sitzstufen-Variante habe jedoch „einen gewissen Charme und ist wahrscheinlich die beste Lösung”, sagt Höring.

So könnte die Treppe zur Kadettenstraße mit den Sitzstufen kombiniert werden. Allerdings sollen die Sitzstufen nur doppelt so hoch wie die Treppenstufen werden. Foto: Symbolbild

Kompromiss jenseits fachlicher Argumente

Aus den Reihen der Anwohner, Händler und Immobilienbesitzer der Schlossstraße hatte es bis zuletzt massive Kritik an der Planung der Stadtverwaltung gegeben. Sie hatten gefordert, die Mauer entweder zu begrünen, niedriger zu gestalten oder aber in einer Stufenform anzulegen.

Diese Kritik, erläutert Höring, habe am Ende bei der Verwaltung doch noch dazu geführt, die Debatte nicht alleine mit fachlichen und ästhetischen Argumenten zu führen, sondern einen Kompromiss zu suchen. Die CDU habe der „puren Mauer” zwar zugestimmt. Sie habe zu dem Zeitpunkt aber nicht gewusst, dass statt der Höhe von drei Metern auch zwei Meter den statischen Anforderungen genügen würden.

Die endgültige Entscheidung soll in einer gemeinsamen Sitzung der beiden zuständigen Ausschüsse am 26. Februar fallen. Dafür liegt eine Beschlussvorlage vor, in der die Verwaltung die „Mauer pur” vorschlägt. Die Alternativen können in Form von Tischvorlagen eingebracht werden, die Ausschüsse sind in ihrer Entscheidung völlig frei.

Wie würden Sie entscheiden?

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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15 Kommentare

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  1. Sieht gut aus, nur sollte man das Material für die Treppen nach der Empfindlichkeit aussuchen nicht wie in Deutz am Rheinufer so Material nehmen, das teuer und empfindlich in der Reinigung ist.Das ist unter Berücksichtigung der Kosten mehr als wichtig, man bedenke die finanzielle Lage von Bergisch Gladbach.

    Schön ist nur schön, wenn es auf Dauer auch bezahlbar ist.

  2. Bei einer Abstimmung wäre es schön wenn man wüßte wie sich die verschiedenen Varianten denn auf die Kosten auswirken würden!

  3. Ich bin für die Sitzstufen, allerdings sollten sie gut versiegelt werden damit die Reinigung problemlos verläuft. Die Mehrkosten der Versiegelung amortisieren sich schon in einigen Jahren.

  4. Ob Stufen oder Mauer, er wird auf jeden Fall eine große Fläche versiegelt werden, die gerade bei fortschreitender Klimaerwärmung weitere Aufheizung zur Folge haben wird.
    Eine Begrünung der Mauer komme aus Kostengründen nicht infrage, konnte man der Tagespresse entnehmen. Die Reinigungskosten, die für die zukünftige Beseitigung der geradezu prädestinierten Graffitiflächen erforderlich sind, werden aber bei der Kostenrechnung nicht einkalkuliert.
    Der Kölner Rheinboulevard musste bereits kurz nach Fertigstellung mit hohen Kosten gesäubert werden.
    Wohltuend für das Stadtklima, als auch eine optische Wohltat – ohne Grafitti – wäre eine in Stufen angelegte Begrünung.
    Architektenpläne bilden den Idealzustand einer Lösung an. Die Realität ist später eine andere.

  5. Zum Thema Rampe: Die kleine Unterführung unter der Steinstraße am Kino ist wesentlich steiler. Dort gibt es zwei Betonrampen mit Stufen dazwischen, die von Radfahrenden und Menschen mit Kinderwagen genutzt werden. Es ist also durchaus möglich.

    Der barrierefreie Weg durch den Arkadengang ist relativ schmal, und außerdem ein ziemlicher Umweg. Es wäre daher gut, beide Optionen zu haben.

    Stufen zum Sitzen sind eine schöne Idee – aber nur, wenn daneben schattenspendende Bäume stehen. Eine Betonfläche, die im Sommer der prallen Mittagshitze ausgesetzt ist, lädt nicht gerade zu Sitzen ein. Überhaupt: Mehr Grün bitte!

  6. Eine vorschnelle Abstimmung ohne das jemand die neue Variante zu Gesicht bekommen hat find ich sehr fragwürdig.

    Ein Bild sagt bekanntlich mehr als 1000 Worte. Und wie man sieht gab es schon viele Missverständnisse im Rahmen der Planung.

  7. Das momentane Abstimmungsergebnis von 91% Zustimmung für die Stufenlösung spricht für sich.
    An und für sich ist die Berücksichtigung der Vorschläge der überwältigenden Mehrheit der Bürgerschaft durch alle verantwortlichen Politikerinnen und Politiker (vulgo: staatsDIENER/INNEN) das Selbstverständlichste der Welt. Jedenfalls in der Staatsform Demokratie (lt. wikipedia: von altgriechisch δημοκρατία ‚Herrschaft des Staatsvolkes‘!!!).
    Dass sich so viele meiner VorschreiberInnen berufen fühlen, Ihrem Dank dennoch Ausdruck zu verleihen, ist ein Anzeichen für das Ausmaß der mangelnden Verbundenheit mit dem “richtigen Leben” vieler volksVERTRETER. Jedenfalls in der subjektiven Wahrnehmung vieler Bürgerinnen und Bürger.
    Ich stimme ein in die Dankeshymnen. Aus Gründen.

  8. Vielen Dank an die Beteiligten in der SPD, die sich -offensichtlich erfolgreich- dafür eingesetzt haben, dass die Diskussion über eine attraktivere „Bensberger Mauer“ doch noch möglich wurde. Es schien ja alles ziemlich festgefahren zu sein.

    Jetzt gilt es, die verbliebene, immer noch beachtliche Masse an Mauer einzufügen und ebenfalls attraktiv zu gestalten.

  9. Treppe sieht schick aus, ich frage mich aber:
    Wie kommen Rollstuhlfahrer da hoch. Ich denke heutzutage wird barrierefrei geplant.
    Eine schmale Rampe könnte auch Radfahrern helfen, Ihr Fahrrad die Treppen hochzuschieben. Die Verkehrsplanung will doch, dass mehr Bürger mit dem Rad in die Stadt fahren.

  10. Da soll noch mal einer sagen, unsere Kommunalpolitiker wären nicht lernfähig. Ein bisschen Verwunderung bleibt jedoch, weil die jetzigen Vorschläge nun nicht eine neue Erfindung des Rades darstellen. Sie wirken wesentlich annehmbarer, hätten das aber auch getan, wenn sie vor 2 Monaten entstanden wären.

  11. Wir haben lediglich einen vorläufigen Entwurf gesehen. Demnach bleibt die Mauer im Anschluss an die Sitzstufen (etwa auf Höhe des Baums) bis zum folgenden Treppenabsatz auf der ursprünglichen Höhe, wie in der Visualisierung ganz oben zu sehen. Erst mit dem Anstieg der Treppe reduziert sich die Höhe der Mauer nach und nach. Aber wie gesagt, das ist eine erste Skizze.

  12. Lieber Herr Müller-Frank, vielen Dank für Ihre Präzisierung. Ihren berechtigten Hinweis auf das MÄUERCHEN sehe ich natürlich genau so!

  13. Wunderbar! So wird es bestimmt gut!
    Dennoch ein kleiner Wermutstropfen: Sie schreiben: …..(die Stufen) „ziehen sich über etwa 15 Meter bis zum Baum, der vor der Mauer eingeplant worden war. Danach beginnt dann erst die – an dieser Stelle noch drei Meter hohe – Stützmauer, die den Hang absichert.“

    Ich gehe mal davon aus, dass das so nicht gemeint ist! An der Stelle sollte sicherlich keine drei Meter hohe Stützmauer beginnen, sondern nur ein den Hang ab hier bündig abstützendes Mäuerchen, oder?

  14. Die Vernunft scheint sich in Bensberg durchzusetzen. Schön, dass die CDU der SPD Empfehlung nun zu folgen scheint und sich ebenfalls für die Sitzstufenlösung a la Rheinboulevard offen zeigt. Sogar Herr Höring schließt sich dieser Meinung nun öffentlich an. Großes Lob für diese Lernfähigkeit. Wäre schön, wenn dieses Beispiel in Zukunft Schule macht und sinnhafte Alternativvorschläge der Bürger nicht nur aufgenommen sondern auch in der Umsetzung Berücksichtigung finden.