Das Zanders-Gelände im Zentrum von Bergisch Gladbach. Die markierten Flächen werden verkauft. Quelle: Geoservice Stadt Bergisch Gladbach, Geobasisdaten: Rheinisch-Bergischer Kreis

Das Zanders-Gelände im Zentrum von Bergisch Gladbach. Die markierten Flächen gingen 2017 an die Stadt; jetzt will sie auch den Rest kaufen.

Die Stadtverwaltung schlägt vor, der insolventen Papierfabrik Zanders das gesamte restliche Grundstück abzukaufen und künftig als Vermieter zu agieren. Damit soll verhindert werden, dass dem Unternehmen endgültig das Geld ausgeht, der Betrieb zum Erliegen kommt und die Hoffnungen auf einen Verkauf gegen Null sinken, erklärt Bürgermeister Lutz Urbach. Die Aufsichtsbehörden und auch die CDU haben bereits signalisiert, diesen Weg mit zu gehen. 

Am Donnerstagabend hatte die Stadtverwaltung den Stadtrat in einer nicht öffentlichen Veranstaltung über die Pläne informiert. Auch die Kölner Regierungspräsidentin Gisela Walsken und Landrat Stephan Santelmann, die den Haushalt der Stadt Bergisch Gladbach und damit auch dieses Geschäft genehmigen müssen, nahmen an der Sitzung teil.

Auf Anfrage des Bürgerportals erläutert Bürgermeister Urbach, die Stadt sehe in diesem Schritt die einzige Möglichkeit, die Chancen auf eine Rettung des Unternehmens und die eigenen Interessen zu wahren: „Bislang gab es immer einen Widerspruch zwischen der Standortsicherung des Unternehmens und der Stadtentwicklung, den lösen wir gerade auf.”

Das sagte Lutz Urbach Anfang 2017 dem Bürgerportal mit Blick auf die erste Teilfläche.

Absolute Priorität habe nach wie vor die Sicherung der noch immer rund 500 Arbeitsplätze, betont Urbach. Daher soll der Immobilienbetrieb der Stadt auch die restlichen 23 Hektar des Betriebsgrundstücks in der Innenstadt kaufen. Finanziert wird der Kauf über einen Kredit, der wiederum durch die Pachtzahlungen durch Zanders bedient wird.

13 Hektar nicht genutzten Geländes hatte die Stadt schon im vergangenen Jahr gekauft, indem sie ihr Vorkaufsrecht genutzt und einen privaten Käufer aus dem Feld geschlagen hatte. (siehe Video).

Über den Grundstückspreis macht Urbach erneut keine Angaben; sowohl der Stadtrat als auch der Gläubigerausschuss müssen dem Geschäft noch zustimmen. Allerdings ist klar, dass sich Zanders in einer schlechten Verhandlungsposition befindet und keinen überhöhten Preis verlangen kann. Für die erste Tranche 2017 hatte die Stadt nach unbestätigten Berichten für die 13 Hektar (mit Bürogebäude in gutem Zustand) 13 Millionen Euro bezahlt.

Für Kaufinteressenten wäre der jetzt ins Auge gefasste Grundstücksverkauf positiv; sie sind wahrscheinlich nur an den Produktionsanlagen interessiert, nicht aber an dem überdimensionierten Grundstück.

Sollte sich kein Käufer für das insolvente Unternehmen finden und die Papierproduktion irgendwann tatsächlich eingestellt werden müssen, tritt das Szenario „Stadtentwicklung” in Kraft, sagt Urbach. Dann könnte die Stadt für das gesamte Gelände ein neues Konzept entwickeln.

Ein Prozess, der im Rahmen der Regionale 2025 für die Teilgrundstücke bereits begonnen wurde, mit der gesamten Fläche von 36 Hektar aber eine völlig neue Dimension bekommen würde.

Was ist mit den Altlasten?

Ein großes Thema spielen dabei die Altlasten auf dem historischen Industriegelände. Mit einem Grundstückskauf übernimmt die Stadt alle potenziellen Probleme, auch die Verantwortung für das Grundwasser oder die große Kläranlage. Allerdings sei die Stadt als öffentliche Institution auch in einer ganz anderen Lage als ein privates Unternehmen, mit Hilfe öffentlicher Fördergelder diese Altlasten zu beseitigen, führt Urbach an.

Auch CDU-Fraktionschef Michael Metten nennt in einer ersten Stellungnahme die Altlasten als Risiko. Diese Risiken seien aber „im Kaufpreis eingepreist”, daher sei eine Kaufentscheidung „trotz erheblicher Unsicherheiten vertretbar”.

Zanders hofft auf einen Käufer – auch aus China

Zanders hatte im Juni Insolvenz angemeldet und wird von einem externen Insolvenzverwalter geführt; der Eigentümer Mutares hat sich aus der Geschäftsführung zurück gezogen. Zur Sicherung der Liquidität waren bereits 60 Mitarbeiter entlassen worden, die übrigen hatten sich auf Gehaltskürzungen eingelassen. Auf dieser Basis hofft der Insolvenzverwalter, wenigstens bis Jahresende den Betrieb der Papierfabrik aufrecht zu erhalten.

Er führt nach eigenen Angaben ernsthafte Verhandlungen mit Kaufinteressenten, darunter auch mit Investoren aus China. Bis zu einem Abschluss sei es aber noch ein weiter Weg, war er zuletzt zitiert worden. Parallel dazu wird an der Umstrukturierung des Unternehmens gearbeitet.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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4 Kommentare

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  1. Wenn auch der Anlass eher traurig stimmt, so ist die Möglichkeit der Übernahme des gesamten Industrie-Areals in der Innenstadt von Bergisch Gladbach durch die Stadt, allerdings als frohe Botschaft zu werten, erst recht dann, wenn man sich darüber politisch offensichtlich einig ist.
    Nicht nur für die Innenstadtentwicklung ist es eine gute Botschaft, die Stadt im drivers-seat der Neugestaltung, nein auch für den bislang mehr als unglücklichen Entwurf des FNP bietet diese Nachricht völlig neue Möglichkeiten.
    Mit der Neugestaltung und besseren Nutzung dieses innerstädtischen Geländes besteht von dort aus auch initial die gute Möglichkeit einhergehend mit zweitem Gleis der S 11 vielleicht auch die Verbindung mit Strassenbahn zu intensivieren in dieser bipolaren Stadt, vor allem aber von dort aus die Anbindung von und nach Köln infrastrukturell zu verbessern auch wenn es per Tunnel ist.

  2. Zanders hat – nach dem mehrfachen Inhaberwechsel der letzten Jahre – offensichtlich keine Zukunft. Die Stadt wird also allenfalls noch wenige Jahre Pachteinnahmen erzielen können. Eine spätere Entwicklung des Geländes kann keine Anbindung an die Innenstadt beinhalten: Zu groß ist die trennende Wirkung der vielbefahrenen „An der Gohrsmühle“. Was also verspricht sich die Stadt von dem Kauf? Gibt es Pläne für eine künftige Nutzung? Andernfalls birgt der Kauf meines Erachtens ein großes Risiko und ist jeglicher Kaufpreis (wenngleich manche von einem Schnäppchen sprechen) zum Fenster hinausgeworfen.

  3. Gewiss eine historische Chance, den Startschuss für eine markante Veränderung des Stadtbildes zu vollziehen. Denn ich bin mir sicher: Die derzeitige Papierfabrik hat keine langfristige Zukunft mehr, sie wird vermutlich keine 5 Jahre mehr dort sein.
    Dann muss das ganze Areal neu gestaltet werden.
    Wenn aber eine solche Entwicklung bereits absehbar ist, muss man dies bereits bei der Konzeption des neuen FNP berücksichtigen.

  4. Das ist m.E. ein kluger Schritt, weil 1. Geld in die Kassen Zanders kommt, womit Beschäftigte weiterbezahlt werden können und 2. bei einem endgültigen Aus für Zanders mit dann 36 ha Gelände unglaubliche Möglichkeiten einer Stadtentwicklung entstehen. Dann muss man aber wieder aufpassen, dass, nicht wie im FNP-E., mit allen möglichen Angeboten an Gewerbe, Immobilienverwerter und Investoren um sich geworfen wird sondern auch und vor allem an bezahlbares Wohnen in der Nähe des Arbeitsplatzes (Verkehrsminimierung), Kitas, Schulen und nicht wieder gegen sondern mit der Bevölkerung geplant wird.