Nur Gerüchte: Für den angeblich doch von der Stadt geplanten Renommierbau des neuen Stadthauses hätte man später angeblich den Namen Centre Trüüs Altewassäär vorgesehen.

Auch in Bergisch Gladbachs virtueller Partnerstadt Herrlisch Raubach ist ein Plan für ein neues Stadthaus aufgetaucht. Nur knapp schrammt die Stadt an einem bereits ausgehobenem Millionengrab vorbei. Dabei erlebt sie die dramatische Endphase der ausgehenden Legislatur und erlebt einen ersten Vorgeschmack des nahenden Wahlkampfes.

Im buchstäblich letzten Moment wurden offenbar im Gange befindliche und bereits fortschreitend entgleisende Planungen für ein neues Stadthaus in Herrlisch Raubach entdeckt.

Doch dank der entschieden wiedervereinten Reaktion der nun eigentlichen Wahl-Großkonkurrenten Schwarz und RotGelbGrün unter ausklingender Führung Trutz Altwassers konnte die Versenkung von Kapital und Projekt halbwegs verschleiert und für’s Erste verschoben werden.

Hinweis der Redaktion: Herrlisch Raubach ist eine der vielen Partnerstädte Bergisch Gladbachs. Nach einiger Zeit werfen wir mal wieder einen Blick dorthin, denn auch dort tut sich Erstaunliches. Alle Beiträge über Herrlisch Raubach finden Sie hier.

Auf der eigens einberufenen und coronagerecht maskierten sowie mit gebührlich abständigen Tischen (fast vollzählig …) ausstaffierten Sitzung des Ober- und Überhaupt-Ausschusses bebte die gerade erst geschiedene Große Kooperation von Schwarz und Hellrot noch einmal nach.

Zum Schutze vor einer unkontrollierten Verbreitung von kaum verwunderlicher Irritation hatte man von einer öffentlichen Sitzung des gesamten Rates zuvor noch weiteren Abstand genommen.

Nebenher: Keine unkontrollierte Verbreitung viraler Irritation

Die hier vorliegende Beschreibung verdankt Herrlisch Raubachs Öffentlichkeit wie so oft der investigativen Unbedingtheit der Netzpforte in-HR bzw. ihres Chefredakteurs Gregor Platzdawek, der sich auch hier wieder unter einen der Tische gefaltet hatte. 

Immerhin sollte es in diesem A darum gehen, den massiv grassierenden Gerüchten über ein angeblich in Planung befindlich neues Stadthaus auf den Grund zu gehen bzw. fundamental entgegenzutreten. 

Nachdem sich also entsprechende Hinweise nun vermehrt und verdichtet hätten, sprach Trutz Altwasser, alsbald scheidender Bürgermeister und Verwaltungschef Herrlisch Raubachs, es dann aber unumwunden aus:

Jemand hatte anscheinend die Absicht, ein neues Stadthaus zu bauen

„Ja, es wurden offenbar Planungen zum Bau eines neuen Stadthauses zu Herrlisch Raubach in Gang gesetzt und anscheinend bis jetzt auch in Gang gehalten. Wir werden das rückhaltlos aufklären und eventuell dabei entstandene Probleme in langfristig nachhaltiger Perspektive gemeinsam einer umfassend konstruktiven Lösung zuführen!“

Dazu erfolgte ein kantig entschlossenes Nicken sowohl des Bürgermeisters wie der beiden Hauptaspiranten auf seine Nachfolge, des Schwarzen Kandidaten Korbinian Eichen zu seiner Rechten und des Ampel-Kandidaten Fips Klein zu seiner Linken.

Zudem: Mit gemeinsam kräftigem Summgebrumm gegen das Virus

Der Einwurf Jonas Scheins, des Dunkelroten Chefs der Fraktionsgemeinschaft Dunkelrot und Dunkelblau(letzteres: Einwohnerverein HR und zusammen, neben der VR China, eine der erstaunlichen Synergien von leidlich bravem Sozialismus und sehr dynamischem Kapitalismus): „Aber Sie selber, Herr Bürgermeister, haben doch …“,

… dieser Einwurf ging auf spontanes Handzeichen eben des Bürgermeisters in einem plötzlich intonierten Summ- und Brummgeräusch fast aller Sitzungsteilnehmer unter.

Hierbei handelte es sich um eine vor Sitzungsbeginn angekündigte Übung zur verschärften Abwehr des Corona-Virus in geschlossenen Räumen. Laut Empfehlung von Paula Putzer, Sauberkeits- und Hygienebeauftragte der Schwarzen Partei,  könne nämlich ein gemeinsam kräftiges Summen und Brummen das Virus erschrecken und verwirren.

„Danke Herr Schein, wir kommen später darauf zurück.“ 

Keine Planung eines neuen Stadthauses ohne Plan

Korbinian Eichen, zugleich Vorsitzender des mit dem angeblich städtischen Stadthaus-Projekt maßgeblich mit befasst gewesenen bzw. maßgeblich mit befasst hätte sein gemussten Ausschusses und Fips Klein, oberster Finanzmanager der Stadt und zweiter Mann der Administration Altwasser, zeigten sich dann nochmals sowie über alle wahlkämpfende Konkurrenz hinweg einig:

„Wir werden es nicht zulassen, dass in unserem Herrlisch Raubach einfach ein neues Stadthaus geplant wird, ohne dass jemand einen Plan hat!“

„Und es hat niemand einen Plan – einen besseren Beweis dafür, dass wir ein neues … dass wir KEIN neues Stadthaus geplant haben, kann es doch gar nicht geben!“

Trotz Scheidung: Fünf großartige Jahre Große Kooperation

Auch Waldemar Wetten, Schwarzer Fraktionschef und sein Hellroter Kollege Klaas Forstschnitt, bis vor einem Dreivierteljahr einander noch großkooperativ verbunden, stimmten hier ein:

„Niemandem wird es gelingen, die fünf großartigen Jahre unserer Großen Kooperation im Nachhinein mit einem angeblich von uns leichtfertig geplanten Stadthaus in Verruf zu bringen! Mögen wir nun, nach der Scheidung, auch im politischen Wettbewerb um noch mehr beste Ideen für unser Herrlisch Raubach stehen!“

Hier blitzte kurz dann doch der Wahlkampf zwischen den Geschiedenen auf:

„So wird es nur mit uns“, schob Klaas Forstschnitt nach, „glückliche Bienen und Kinder auf der grünen Wiese geben …“, was Waldemar Wetten zum Konter veranlasste: „Bei uns werden weder Bienen noch Kinder einen Korb bekommen, und jede Wiese ist uns das Grün wert, das erst in unserem Lichte blüht!“

Bei den letzten Worten fasste er die Vertreter der Grünen Partei diskret werbend in den Blick. 

Im letzten Moment: Gemeinsam gegen eine Gelbe Gefahr

Dreimal schien es, als wollte Pit Schnell, Fraktionschef der nun eingeampelten Gelben Partei, sich mit sichtlicher skeptischer Miene zum Thema „Stadthaus” einlassen es kam jedoch immer etwas dazwischen

– „Herr Schnell, Sie haben in ihrem Wagen wohl das Licht brennen lassen …“, machte ihn das erste Mal Stadtbaurat Answald Büggel, der von Planungen eines neuen Stadthauses zwar mittlerweile ebenfalls gehört, aber sonst auch darüber keine weitere Kenntnis hatte, gerade noch rechtzeitig aufmerksam bzw.

– „Herr Schnell, Ihre Maske hat ein Loch, Sie sollten sich rasch eine neue holen …“, warnte ihn beim zweiten Anlauf Fips Klein mit dringlich bis drohend mahnendem Blick,

bis auch Pit Schnells dritter Versuch einer Wortmeldung auf erneutes Handzeichen des Bürgermeisters im wiederholten Summgebrumm fast aller Sitzungsteilnehmer, vor allem der Schwarzen und Hellroten, aber auch Teilen der Grünen Partei verklang.

„Reichen Sie es dann doch schriftlich nach, Herr Schnell …“ 

Unter Grünen oder Gregor – Nicht länger allein unter’m Tisch

Bei den Vertretern der ebenso eingeampelten Grünen Partei fiel ansonsten auf, dass sie meist gar nicht zu sehen waren, weil sie sich regelmäßig unter ihre Tische bückten, fielen ihnen doch entweder Stift, Schreibblock oder etwas anderes in stetigem Wechsel zu Boden und brauchten sie jedesmal länger, um wieder oberhalb der Tischkante in Erscheinung zu treten.

Da sich Gregor Platzdawek unter den „Grünen Tisch“ von Genoveva Labambus gefaltet hatte, blieb es nicht aus, dass sich ihre Blicke begegneten. Spontan legten beim ersten Mal beide ihre Finger an die Lippen, verbunden mit einem verschwörerischen Wechselblick.

Ein erneuter Redebeitragsversuch Jonas Scheins (Dunkelrot mit Dunkelblau): „Aber wir haben doch schon …“, ging durch die unglückliche, aber notwendige Kollision mit einer weiteren Anti-Corona-Übung per Handzeichen des Bürgermeisters im kräftigen Summgebrumm vor allem der Schwarzen und Hellroten Sitzungsteilnehmer wiederum unter.

„Danke Herr Schein, wir nehmen das später vielleicht doch schriftlich zu Protokoll …“

Niemand ist dafür zuständig, demzufolge auch keiner verantwortlich

Trutz Altwasser konnte das Ergebnis der außerordentlichen Sitzung des Ober- und Überhaupt-Ausschusses schließlich konstruktiv zusammenfassen:

„Wir haben weitmehrheitlich festgestellt, dass niemand für die Planung eines neuen Stadthauses zuständig, demzufolge auch keiner dafür verantwortlich ist …“

An der Stelle klopften Korbinan Eichen und Fips Klein animierend kräftig auf die Tischoberfläche. Von den Grünen Sitzungsteilnehmern, die sich gerade wieder unter ihre Tische begeben hatten, ließen einige ein wenn auch verzagteres Klopfen auf deren Unterseite vernehmen.  

„Gleichwohl werden … wir … uns … dieses offenbar doch und wie auch immer in Planung geratenen Projektes nun mit gemeinsam getragener Verantwortung annehmen …“

Hier sah der sehr bald vom Amte scheidende Bürgermeister sichtlich befreiten Ausdrucks, gar beinahe vergnügt, jedenfalls sehr motivierend auf seine beiden wahrscheinlichsten Nachfolger, die je ihrerseits für einen kurzen Moment allerdings keinen allzu befreiten, gar vergnügten Eindruck machten.

Zusammenarbeit mit Architekturbüro Moet&Chandon kritisch prüfen

Auf gemeinsamen Antrag Waldemar Wettens und Klaas Forstschnitts hatte der OÜA zuvor beschlossen, die weitere Zusammenarbeit mit dem wodurch auch immer für die Planung eines neuen Stadthauses in Tätigkeit versetzten Architekturbüro Moet&Chandon einer kritischen Prüfung zu unterziehen.

„Da es in unserer Verwaltung niemanden gibt, der ein solches Projekt steuern könnte, es gleichwohl aber das Projekt selbst und bereits seit einer Weile zu geben scheint, müssen jetzt wir selber sozusagen einspringen, um rechtzeitig möglichen Schaden von der Stadt zu wenden“, hatte Waldemar Wetten in üblich schnittiger Schärfe argumentiert.

Ob Corona-Ausbruch oder Stadthaus-Einbruch: Politik handelt entschlossen

Politik heiße gerade angesichts unerwarteter, wie aus dem Nichts in Erscheinung tretender Herausforderungen entschlossen zu handeln: Sei es in coronae oder eben angesichts eines genauso plötzlich hereinbrechenden bzw. (vorerst theoretisch) einbrechenden Stadthauses.

Von Friedrich Schwebert, zugleich Vorsitzender der Hellroten Partei, war zudem noch der Vorschlag eingebracht worden, das bereits ob seiner Leistungen im Rahmen der konzeptionsneutral planfrei schweifenden Festschreibung künftig kräftigen Flächenverbrauchs ungemein bewährte Planungsbüro Rost&Selters als externen Dienstleister für die künftige Projektsteuerung anzufragen.

„Denn wir weichen auch vor einem woher auch immer kommend neuen Stadthaus nicht in unserer Verantwortung für Herrlisch Raubach zurück!“

Rühriger Tanz der Reste vor dem Ratssaal

Schien man sich drinnen minder oder weniger überzeugt und überzeugend einig, ging es draußen vor der Tür vielfältiger und auch temperamentvoller zu.

Während manche Schwarzen und Hellroten Sitzungsteilnehmer in heiterer Gelassen- und beinahe reminiszent großkooperativer Verbundenheit noch ein kurzes Schwätzchen hielten,

wobei ihre Grünen und Gelben Kollegen ebenso schnell wie unauffällig und umflort von einer beinahe sichtbaren Wolke der Erleichterung entschwanden und man etwas später hören konnte, wie Pit Schnell seine politisch wieder einmal gebremste Energie quietschender Reifen auf die Straße brachte, währenddessen reckte  

Juan Fernando Magellan, fraktionsloser Singlefighter der Dunkelroten Partei, im Innenhofe des Rathauses ein Schild rhythmisch kämpferisch in die Höhe. Dieses trug die Aufschrift: „Kill of Rights – No participation without tablesation!“ 

Zugleich hatte er nach dem erbittert geführten Tischkrieg beim vergangenen OÜA dieses Mal seine eigene Teilnahme an der Sitzung radikal boykottiert, was in der Verwaltung angeblich zu einschlägigen Abklatsch-Gesten geführt hätte.

Von Tischkriegen, Fraktionsfinanzierung und anderen Parrrolen

Dabei hielt der politisch gern leidenschaftlich agierende Magellan allerdings sorgsam Abstand zu John Baghira, dem Gründer und Vorsitzenden der Einwohnervereinigung HR (derzeit noch in Fraktionsgemeinschaft mit der Dunkelroten Fraktion), der, von einigen Getreuen begleitet, seinerseits ein Transparent präsentierte:

„Explodierende Stadthaus-Kosten gefährden exponentielle Fraktionsfinanzierung!“ Seine gerade auch praktische Kompetenz auf diesem Gebiet gilt im Übrigen als fast durchgehend unbestritten.

Eine ursprünglich geplante Demonstration der Dunkelroten Partei an Seite der Dunkelblauen war aus Termingründen kurzfristig abgesagt worden. Auch Gesamt-Fraktionschef Jonas Schein hatte aus Termingründen leider keine Zeit, den (Noch-)Fraktionspartner bei seinem Auftritt zu unterstützen. 

Es hatte sich aber eine Abordnung der Hellblauen Partei vor dem Ratssaal eingefunden. Nach Konversion ihrer vormaligen Mitglieder in ein politisches Nirwana ab durch die rechte Mitte zwar aktuell ohne Fraktion im Herrlisch Raubacher Rat, hatte sie kürzlich den zweiten bisherigen Einzelkämpfer im Rate, Justinian Mütz, motiviert, im jüngst präsentiert hellblauen Aufgebot bei den kommenden Kommunalwahlen zu kandidieren.

Mütz, schon im vergangenen Jahrtausend Mitglied des Rates, damit eines dessen dienstältesten Mitglieder, korrigierte in Kenntnis nicht nur der lang vertraut Herrlisch Raubacher Soziographie dann geschwind die Parole:

„Stadthaus-Skandal: Altfarrrben-Karrrtell bedrrroht Volksverrrmögen!“ in „… gefährdet des Volkes Vermögende!“

Vom Winde verweht

Perfekt vorbereitet war ihrerseits die zu den hiesigen Kommunalwahlen neu antretende Gemeinschaft befreiter Stimmer (GBS) auf dem Plan erschienen. Doch nicht nur sichtlich enttäuscht darüber, angesichts der Herrlisch Raubacher Stadthausiaden weit und breit keine kritischen Bürger vorzufinden, wehte auch noch eine plötzlich wie aus dem Nichts aufgekommene Windböe die sorgfältig zusammengestellten Informationsmappen vom kleinen Klapptisch und dann heillos durcheinander über das Pflaster.

Enno Pudding und Heiner Stöhr, die beiden umtriebigen Köpfe der GBS blieben noch lange damit beschäftigt, die in alle Richtungen zerstreuten Papiere auf dem unterdessen wieder still und verlassen daliegenden Innenhof des Rathauses einzusammeln, wobei ihnen Gregor Platzdaweg behilflich war. Es sah ja niemand, und von unbotmäßiger Parteinahme konnte dadurch ohnehin keine Rede sein.

Vor Sonnenuntergang

Später befiel ihn eine leichte Melancholie. Im weichen Sommerabendlicht eines jener längsten Tage des Jahres schließlich allein auf einem niedrigen Mauerstück sitzend, dachte der Netzpforte in-HR Chefredakteur zurück an die letzte Kommunalwahl vor sechs Jahren.

Was hatte sich nicht alles verändert. Mochten die langgedehnten, unendlich sanft fallenden Schatten, vom milden Schein der als ob gar nicht versinken wollenden Sonne getragen, auch eine gewisse Sentimentalität nähren,

kam es ihm ganz unabhängig davon so vor, als hätte Herrlisch Raubach seither viel von seiner zeitresistenten oder ortsrustikalen, beschaulichen oder behäbigen und meist in seiner eigenen Trägheit kreisenden … Ja, er dachte wirklich dieses Wort: Unschuld verloren.

Die kommenden Kommunalwahlen würden wohl von ganz anderem Klang und vielleicht auch Ausgang sein. Selbst hier im sonst gerne weltfernen und zukunftsfremden Herrlisch Raubach.

H-G. Ullmann

ist gebührend ratloser Bürger, gelegentlicher Zaungast am Spielfeldrand, findet interessante Gespräche ohne Scheuklappen inspirierend und bewahrt sich den Reiz (manchmal auch fassungslosen) Staunens als Mittel geistiger Ausgeglichenheit.

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