An der Dechant-Müller-Straße wächst ein weiteres Wohnquartier heran. Foto: Thomas Merkenich

Nach Ansicht der Freien Wähler Gemeinschaft zeigt die städtische Klima-Analyse, wie wichtig die Beachtung der Belüftungsachsen bei der Planung von Bauprojekten ist – und fordert daher eine konsequente Umsetzung der Vorgaben.

In der erstmals im Infrastruktur- und Umweltausschuss (AIUSO) vorgestellten städtischen Klimaanalyse wird die hohe Bedeutung von Kaltluftentstehungsgebieten und Belüftungsachsen für das städtische Klima eindrucksvoll herausgestellt. Nimmt man die Analyse ernst, hätte der Flächennutzungsplan in der jetzt vorgesehenen Form eigentlich nicht verabschiedet werden dürfen. Durch ihn sind nämlich Siedlungsbereiche dort vorgesehen, wo sie nach der Studie nicht hingehören.

Aber nicht nur die Klimaanalyse, auch der in der Diskussion befindliche neue Regionalplan sieht eine Gefährdung einiger Stadtteile durch Überhitzung, genau da, wo der FNP die letzten Frei- und Naturflächen reduzieren will.

Die Klimafunktionskarte zeigt u.a., wo Kaltluft (hellblau) entsteht oder sich Wärmeinseln (rot) bilden können. Quelle: Ratsinformationssystem GL

FWG-Vorsitzender Benno Nuding mahnt: „Führende akademische Institutionen und UN-Organisationen (Lancet-Countdown 2020) haben in den letzten zehn Jahren einen Anstieg der Mortalitätsrate aufgrund von Hitze von über 50 Prozent registriert.“

Wenn es uns schon jetzt nicht gelingt, den Temperaturanstieg durch Verminderung des CO2-Ausstosses wie ursprünglich geplant zu begrenzen, müssen wir doch zumindest Maßnahmen ergreifen, die die Menschen vor den Gesundheitgefahren schützen, ist die FWG überzeugt: Das ist eigentlich leicht und muss nicht einmal etwas kosten.

Nuding: „Wir müssen uns in Bergisch Gladbach endlich dazu bekennen, verbliebene Freiräume unbebaut zu belassen.“ Die FWG hat deshalb sowohl im Stadtplanungs- als auch Mobilitäts- und Verkehrsausschuss beantragt, eine konsequente und strenge Umsetzung der Analyseergebnisse zu beschließen.

„Möglichst nicht bebauen“ ist zu wenig

Der von der Stadtverwaltung empfohlene Beschlussvorschlag zur Umsetzung sieht lediglich vor, die zu schützenden Kaltluftentstehungsgebiete und- korridore möglichst nicht zu bebauen. Nuding: „Das ist uns zu wenig. Wir haben in den letzten Jahren leider zu oft die Erfahrung machen müssen, dass Ausnahmetatbestände zur Regel wurden.“

Das Baurecht begünstigt dies und bedarf nach Meinung der FWG in dieser Hinsicht einer Überarbeitung. Wozu werden mit großem Aufwand Studien angefertigt, Landschaftpläne aufgestellt, Landschaftsschutzgebiete festgelegt oder Wasserrahmenrichtlinien erlassen, wenn sie in der Bauleitplanung der Kommunen zu wenig Berücksichtigung finden?

Die FWG will deshalb, dass die Klimaanalyse bei der Bauleitplanung konsequent beachtet wird und dazu keine Ausnahmen gemacht werden. Gegenüber dem ergänzenden Vorschlag der Verwaltung, in ausgewiesenen Klimaschutzzonen nur „unschädliche“ Bauten zuzulassen, zeigt sich die FWG aufgrund zahlreicher gegensätzlicher Baugenehmigungen in der Vergangenheit skeptisch.

Sensible Bebauung der Brachflächen

Dabei nimmt die FWG Gegenargumente der Bau- und Wohnungswirtschaft durchaus berücksichtigend zur Kenntnis. In Ballungsräumen führt der gestiegene Bedarf zu hohen Bau- und Mietkosten, die auch aus sozialen Gründen einzugrenzen sind. Das ist aber durch die Art von Bebauung auf den in Bergisch Gladbach vorhandenen industriellen Brachflächen gut zu lösen.

Dabei darf man aber nicht den Fehler machen, hoch zu verdichten, sondern muss ausreichende Grünzüge und Belüftungsachsen vorsehen, erhalten oder ausbauen. Das gilt sowohl für das Zanders- als auch das Wachendorff-Gelände und auch hinsichtlich der begonnenen oder bereits verwirklichten Verdichtung im Bereich des Gleisdreiecks/Dechant-Müller-Straße bleiben Zweifel.

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2 Kommentare

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  1. Wie man weiß, besteht die FWG aus gut situierten Bürgerinnen und Bürgern, die sich den Schutz unserer Stadt und Ihrer Bewohner auf die Fahne geschrieben haben. Dabei sollte aber nicht vergessen werden, dass seit mehr als 20 JAhren überall in unserem Land der Bau von auch für weniger Verdienende bezahlbare Wohnungen und Sozialwohnungen vernachlässigt wird. Das Eine kann man nicht gegen das Andere austauschen oder aufwiegen. Trotzdem muss ein Kompromiss gefunden werden, saubere Luft und lebenswürdiges Klima sowie Wohnungen für Geringverdiener und deren Familien zu verwirklichen.

  2. Wie gut, dass (wenigstens ?) die FREIEN WÄHLER für uns ungefragte Bürger dauerhaft darauf achten, dass die Klimakarten nicht nur teures, bunt bedrucktes Papier bleiben. Die Hitze in der Stadt wird sich durch die gigantischen Bauprojekte natürlich erhöhen und nicht verringern. Ein paar Alibibäumchen werden rausspringen. Wenigstens Solardächer vorgeben