Celal und Duygan Demircan in ihrem Bosporus Restaurant. Fotos: Holger Crump

Zuwachs für den Bosporus Grill der Familie Demircan: Mit dem Bosporus Restaurant gibt es nun eine weitere gute Adresse für türkische Küche in ruhigem Ambiente. Statt Döner und türkischer Pizza werden Gerichte vom Grill und aus der Pfanne serviert. Highlight ist die Terasse im ersten Stock des Eckhauses am Bahnhof. Genau dort hatte Inhaber Celal Demircan seinen ersten Job gefunden, als er vor knapp 50 Jahren nach Bergisch Gladbach kam.

Celal Demircan, der Gründer des Bosporus Grill in der Fußgängerzone, hat den Döner nach Bergisch Gladbach gebracht. Seit 1987 gibt es das Familiengeschäft bereits. Aber angefangen hat alles viel früher.

„Ich bin am 25. August 1972 im Alter von 14 Jahren mit dem Flugzeug in Düsseldorf gelandet. In dunkler Nacht. Ohne Eltern,“ erzählt er seine Geschichte. Ein blauer Ford Transit habe ihn nach Bergisch Gladbach gebracht. Ein Onkel arbeitete damals bei Zanders, auch die älteste Schwester wohnte bereits hier.

Ohne Zucker

„Drei Tage später habe ich bei der Firma Löhe Landhandel angefangen, dort wo jetzt der S-Bahnhof liegt.“ Demircan sitzt auf der Terasse seines Resturants an der Stationsstraße und deutet mit dem Daumen über die Schulter. Sechs Jahre arbeitete er dort, bevor er anschließend in einer Betonkolonne schuftete.

Zwischendurch nippt er am türkischen Tee, den die aufmerksamen Kellner am Tisch servieren. „Ich trinke ihn ohne Zucker, sonst merkt man doch nicht dass man Tee im Glas hat.“ In der Tat, der türkische Tee hat eine angenehme Note. Er werde frisch im türkischen Teekocher zubereitet.

Zwischenzeitlich nimmt auch Sohn Duygar am Tisch Platz. Gemeinsam mit einem Schwager leiten die beiden das Restaurant.

Gastronom seit 1987

Schon 1984 wollte Demircan senior seinen Grill eröffnen, erhielt aber zunächst keine Gewerbeerlaubnis. „Das ging wohl für uns Türken noch nicht.“ Erst 1987 durfte er sich selbstständig machen. „Der Imbiss in der Innenstadt wurde am 25. September eröffnet, an meinem Geburtstag“, schmunzelt er. In der Stadt war gerade Straßenfest.

Ein Koch und ein Kellner aus Frankreich halfen zehn Tage aus, dann musste er selbst ran an den Drehspieß. Parallel zog er mit seiner Frau zwei Kinder auf. Sohn Duygar war damals gerade sieben Jahre alt.

„Der Grill ist eng, man hat wenig Platz, er ist für das schnelle Essen gedacht, ein Döner oder eine Pizza“, schildert Celal Demircan. Schon früh reifte daher der Gedanke, ein Restaurant zu eröffnen.

„Viele Menschen aus der Stadt sprachen uns immer wieder an.“ Es sollte ein Ort werden, wo man Speisen vom Grill und aus der Pfanne genießt, in Ruhe, mit guten Gesprächen und gediegener Atmosphäre.

Dann ergab sich endlich die Möglichkeit im Eckhaus an der Johann-Wilhelm-Lindlar-Straße 9, am Eingang der Fußgängerzone gegenüber des S-Bahnhofs.

Vor Ort gebacken

Wir sind mittlerweile bei der Vorspeise angekommen: Pide mit dreierlei Dips. Das Bosporus serviert eine scharfe Sauce sowie Yoghurt-Varianten mit Knoblauch und Kräutern. Einfach, und daher einfach lecker.

„Das Brot backen wir hier im Restaurant“, erklärt Demircan junior. Der Teig würde mit den Fingern eingedrückt, was für die luftige Konsistenz mit Biss sorge. Auch das Lavas, das Fladenbrot für das klassische Dürüm, backe man frisch hier vor Ort.

Während unten der Verkehr hörbar, aber nicht störend vorbeizieht, erzählen die beiden von der Bauphase des neuen Restaurants. „Wegen Corona hat es zwei Jahre gedauert. Die Einrichtung ist ganz nach den Vorstellungen meine Vaters geworden, ohne Innenarchitekt“, zeigt sich Sohn Duygan sichtlich stolz.

Hauptgang mit selbstgebackenem Brot (Pide und Lavas)

Drei Etagen, 65 Plätze

Vorher sei ein Fotogeschäft im Erdgeschoss gewesen. „Da habe ich meine Hochzeitsfotos machen lassen“, grinst der Senior vergnügt. Das Bosporus Restaurant zieht sich über drei Etagen. Im Untergeschoss die Küche, Grill und Tische im Erdgeschoss, weitere Tische, Bar und Terasse im ersten Stock.

Aus der Küche erreicht uns nun der Hautpgang, ein Grillteller. Reis, Bulgur, gebratenes Gemüse sowie Lammkoteletts, Lammhack, Hähnchenspieß und Hähnchenfilet werden zusammen mit Lavas gereicht, dem Wrap-ähnlichen Fladenbrot der türkischen Küche.

Bosporus Restaurant
Johann-Wilhelm-Lindlar-Straße 9
www.bosporus-restaurant.net
02202 24 22 069
Täglich von 8 bis 23 Uhr
Frische Suppen und Salate, Pfannen- und Grillgerichte, Fisch, große Dessertauswahl

Dürüm selbst gewickelt

„Das Lavas kann man sich hier im Restaurant gerne mit der Hand zu einem kleinen Dürüm wickeln“, bietet Sohn Duygan an. Etwas scharfe Sauce darauf, eine kleingeschnittene Chili vom Grill, etwas frische Petersilie, und ein Stück Lammhack. Es ist länglich geformt und lässt sich leicht einwickeln.

So mache er es gerne, erklärt der Senior-Chef. Er strahlt, man spürt seine Freude am Genuss. Und an der Rolle als Gastgeber in „seinen“ Betrieben: Dem alten Grill in der Hauptstraße und dem neuen Restaurant.

Die Eltern würden auch gerne noch weiterarbeiten, er freue sich über die Erfahrung, welche Mutter und Vater mit einbrächten, sagt Sohn Duygan. Die Mutter ist im Grill als gute Seele omnipräsent.

Generationen an Gästen und Gastgebern

Der offene Grill befindet sich im Edgeschoss des Restaurants

Mittlerweile wachse die nächste Generation heran, vier Einkelkinder sind es schon. Celal Demircan zeigt stolz die Fotos. „Auch die Gäste der ersten Generation bringen mittlerweile ihre Kinder und Enkelkinder mit zum Essen“, betonen die beiden. Der enge, gute Kontakt zu den Kunden scheint ihnen wichtig zu sein. Und natürlich die Qualität der Speisen.

„Wir werden dreimal die Woche mit frischem Fleisch beliefert“, macht Demircan Senior klar. Das schmeckt man: Das Lammkotelett ist gut gegart und dennoch zart. Gut gewürzt auch das Lammhack. Eine feine Marinade veredelt das Geflügelfilet und die Spieße. Neben dem Reis und dem Bulgur rundet ein frischer Salat das Gericht ab. Das Fleisch kommt vom Grill im Erdgeschoss. Es ist geprägt von feinen Raucharomen.

Das sind einfache, traditionelle Speisen, die man von türkischen Restaurants kennt. Im Bosporus Restaurant werden sie exzellent zubereitet, mit frischen Zutaten, ohne Schnickschnack.

Geheimtipp Künefe

Zum Abschluss serviert das Haus einen türkischen Mokka, in der Tasse gebrüht. Einfach, stark, aromatisch. So gut kann Kaffee abseits des aberwitzigen und teuren Espresso-Kults schmecken.

Hinzu kommt eine Überraschung beim Dessert: „Ich bestelle nur eine Portion, das ist ziemlich üppig“, schmunzelt Duygan geheimnisvoll und gibt seine Anweisungen an den Service. Der arbeitet routiniert im Hintergrund, ist immer zur Stelle wenn man ihn braucht.

Dessert mit Mokka und Künefe

Und damit landet Künefe auf dem Tisch: Eine beliebte Nachspeise in der türkischen Küche, die aus Käse, Teigstreifen, Honig und Zuckersirup im Ofen gebacken wird. Darüber kommen Sahne und Pistazien. Es sieht aus wie ein kleiner Kuchen und wird in kuchenförmige Viertel geschnitten.

Eine Offenbarung: Kross angebraten, und dennoch mit süßem Schmelz, zergeht der Teig mit angenehmen Mundgefühl. Zusammen mit dem Mokka eine Kombination, ohne die man nicht aus dem Bosporus ziehen sollte.

Holger Crump

ist Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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5 Kommentare

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  1. Danke für den Tipp.
    Klingt lecker und einladend
    Hätte ich vermutlich nicht entdeckt, da ich mich dort in der Umgebung recht wenig aufhalte. Sieht von den Bildern auch sehr einladend aus.
    Werden wir mal ausprobieren

  2. Und hier ist kein Geld geflossen, so dass hier nicht als bezahlter Artikel gekennzeichnet werden muss? So viel kostenlose Schleichwerbung macht schon stutzig.
    Ich wette mal, das mein Kommentar in kürzester Zeit wieder gelöscht wird.

    1. Nur Verrisse sind authentisch? Oder wie soll man das verstehen, Herr Knechtmann?

      Wenn es dem Restaurantkritiker in einem Lokal rundum gefallen hat, wird er das wohl auch schreiben dürfen.

      1. Genau, Drucker. Mich hat’s gefreut. Bin gestern mit meiner Frau dran vorbeigegangen und hab ihr gesagt: „Schau mal, da ist das ….“ :-)