Viel Pflaster, wenig Bäume und einen Trinkwasserbrunnen nur am Bahnhof bietet die Gladbacher Innenstadt. Foto: Thomas Merkenich

Seit fünf Jahren gibt es eine bundesweite Handlungsempfehlung, wie Kommunen mit einem Hitzeaktionsplan auf steigende Temperaturen reagieren und ihre Bürger:innen schützen können. Einige wenige Städte wie zum Beispiel Köln kümmern sich seit Jahren um das Thema, in Bergisch Gladbach wird es nun im Rahmen des Klimaschutzkonzeptes bearbeitet.

Einen Hitzeknigge mit allgemeinen Informationen verteilt die Stadt Bergisch Gladbach, und sie veröffentlicht Hitzewarnungen auf der eigenen Website und Facebook-Seite. Das ist bislang alles, was die Stadtverwaltung an kurzfristigen Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung vor den Folgen extrem hoher Temperaturen auf unsere Anfrage hin vorweist.

Natürlich haben die beiden neuen Klimaschutzmanagerinnen Heike Behrendt und Jana Latschan das Thema in den Blick genommen – aber alles, was sie im Rahmen des geplanten Klimaschutzkonzeptes anschieben können, benötigt Zeit.

Die Stadt Köln hatte vor drei Jahren das Projekt „Hitzeaktionsplan für Menschen im Alter“ gestartet und in diesem Juni abgeschlossen, allerdings ebenfalls mit nur wenigen konkreten kurzfristigen Maßnahmen. Auch hier liegt der Fokus auf der Information – zum Beispiel durch die Kölsch-Band Klabes, die mit dem Song „Drinke“ auf Tour durch Seniorenwohn- und Pflegeeinrichtungen gezogen ist.

Die Kölner Version des Hitzeknigges verweist auf zwölf Trinkwasserbrunnen im Stadtgebiet sowie auf zahlreiche Refill-Stationen und rät, kühlere Räume wir den Kölner Dom oder klimatisierte Einkaufszentren aufzusuchen. Nach einem erfolgreichen Testlauf sollen an besonders heißen Orten perforierte Wasserschläuche einen kühlen Sprühnebel erzeugen. Alles weiteren in Köln geplanten Schritte sind sehr langfristiger Natur.

Hier können Sie in Köln und Bergisch Gladbach Wasserflaschen auffüllen:

Und genau das ist auch in Bergisch Gladbach der Fall. Zwar nennt die Verwaltung auf Anfrage eine ganze Reihe von geplanten Anti-Hitze-Maßnahmen – sie sind aber mit wichtigen Punkten des Klimaschutzkonzeptes identisch, an dem die Klimaschutzmanagerinnen Heike Behrendt und Jana Latschan jetzt arbeiten. Das Thema Hitze gehöre zum Bereich „Klimaanpassung“; dazu sollen nun Maßnahmen entwickelt, priorisiert und umgesetzt werden, erläutert die Stadt.

Bäche freilegen, Dächer begrünen

Einige wichtige Punkte sind bereits grundsätzlich beschlossen, können aber nur nach und nach Realität werden. So sollen alle Gewässer, wo möglich, offengelegt und renaturiert werden, listet die Stadtverwaltung auf.

In neuen Bebauungsplänen sollen Gründächer, Photovoltaik-Anlagen, Fassaden-Begrünungen und/oder helle Materialien vorgeschrieben werden.

Auch der gerade gestartete Vorgarten-Wettbewerb „Bunt statt Grau“ soll zu einer Verbesserung des Mikroklimas beitragen.

Die Klimafunktionskarte zeigt u.a., wo Kaltluft (hellblau) entsteht oder sich Wärmeinseln (rot) bilden können. Heiß wird es demnach vor allem in der Hauptstraße in Gladbach und in der Schlossstraße in Bensberg. Quelle: Ratsinformationssystem GL

Weitere positive Effekte erwartet die Stadt vom Ausbau des ÖPNV (durch das zweite S-Bahn-Gleis und den Grünen Mobilhof). Die bereits 2017 erfolgte Umstellung der Straßenbeleuchtung habe nicht zur dazu geführt, dass Strom gespart wird, sondern auch weniger Wärme ausgestrahlt werde.

Zudem soll Bergisch Gladbach zu einer „Schwammstadt“ werden: Möglichst viel Regenwasser soll aufgefangen werden, etwa durch die Entsiegelung von Flächen, durch Wasserrückhaltung und Kühlung durch Verdunstung ab.

Bei größeren Bauvorhaben sollen auch künftig „Eisspeicher“ zur Diskussion stehen – zur Energiegewinnung/-speicherung und Kühlung, berichtet die Stadt.

Zudem habe ein Erfahrungsaustausch mit anderen Städten begonnen. Gute Beispiele zur Hitzevorsorge sollen daraufhin geprüft werden, ob sie auch in Bergisch Gladbach eingesetzt werden können.

Konkret werden die Arbeiten am Klimaschutzkonzept bereits in den kommenden Wochen. Die Klimaschutzmanagerinnen bieten für interessierte Bürger:innen im August und September fünf Workshops an, am 29. August soll es um Klimaanpassung gehen.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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7 Kommentare

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  1. Klimawandel macht krank: Ältere haben ein höheres Risiko, wegen steigender Hitzebelastung ins Krankenhaus zu müssen
    Analyse zu hitzebedingten Hospitalisierungen der über 65-Jährigen sowie WIdO-Befragung zum Informationsstand und Schutzverhalten zeigen deutlichen Handlungsbedarf

    Berlin. Der aktuelle Versorgungs-Report „Klima und Gesundheit“ im Auftrag der AOK zeigt auf, wie stark der Klimawandel die Gesundheit der Menschen beeinträchtigt. Am Beispiel der zunehmenden Hitzeperioden hat das Klimaforschungsinstitut Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) untersucht, wie viele Krankenhauseinweisungen in den Jahren 2008 bis 2018 auf die Hitze zurückzuführen waren. Jeder vierte AOK-Versicherte über 65 Jahre ist demnach überdurchschnittlich gefährdet, an heißen Tagen gesundheitliche Probleme zu bekommen und deshalb ins Krankenhaus zu müssen. An Hitzetagen mit über 30 Grad Celsius kam es hitzebedingt zu drei Prozent mehr Krankenhauseinweisungen in dieser Altersgruppe. Wenn die Erderwärmung ungebremst voranschreitet, dann könnte sich bis zum Jahr 2100 die Zahl der hitzebedingten Klinikeinweisungen versechsfachen.

  2. Können die, die sich hier beschweren, bitte weit raus in schlecht besiedelte Gebiete ziehen? Der Osten erlebt doch Fluchtbewegungen. Da ist viel Platz.
    Dann wird hier auch nicht so viel gebaut.

    Irgendwo müssen die Leute hin, die hier hin kommen und bleiben dürfen.

    1. Ach Herr Schreiner,
      ich glaube kaum, das diejenigen, die sie da meinen als Leute, die jetzt kommen, sich z.B eine Wohnung an den Kalköfen oder Steinbüchelgelände leisten können.
      Und warum soll man sich nicht beschweren dürfen?
      Schließlich sind Sie ja einer der fleißigsten kritischen Schreiber.

      1. Hätte vielleicht ein „;)“ hinter den ersten Satz bauen sollen. Kritik hält frisch.

        Den legalen Zuzug aus EU und Kriegsgebieten sehe ich nicht kritisch, daher der Hinweis auf das erlaubte Verbleiben. Aber auch diese Menschen drängen auf einen umkämpften Wohnungsmarkt. Und jede teure Wohnung, die vermietet wird, macht meist eine andere Wohnung frei, daher haben auch die von Ihnen genannten Bauten einen Effekt.

        Bergisch Gladbach muss sich aber dennoch einmal die Frage stellen, wohin die Reise gehen soll.
        – Grün und teuer oder
        – Wachsendes Anhängsel Kölns, das immer dichter besiedelt ist und Masse statt Klasse besitzt.

  3. Leute, was soll die Panik. Die paar Sommertage genieße ich.
    Und immer daran denken: Wenn unsere Stadtverwaltung endlich mit der Planung fertig ist, ist es Winter. 2024.

  4. Liebe Stadt,
    immer alles schön zubauen….dann wird das schon was….siehe Flächennutzungsplan
    …Ironie-Modus: aus

    1. ja, so ist es leider leider seit Jahrzehnten: alles wird in Bergisch Gladbach zugebaut (siehe zig zT gigantische Wohnprojekte) und versiegelt, auch fast alle Frischluftschneisen. Dafür (noch) mehr Autoverkehr