Innerhalb von zehn Jahren hat Roman Salyutov das Sinfonieorchester auf- und ausgebaut. Vom bescheidenen Kammerorchester zum renommierten Klangkörper, der mit anspruchsvollen Stücken auch große Säle füllt. Dabei arbeiten begabte Schüler:innen und Studierende, Amateure und Profis eng zusammen. Nun wird das Repertoire weiter ausgebaut und ein Ballett geprobt – wofür weitere Musikerinnen und Musiker benötigt werden.

Seit mehr als zehn Jahren lang steht der Pianist und Dirigent Dr. Roman Salyutov an der Spitze des Sinfonieorchesters Bergisch Gladbach, das er 2013 als  Kammerorchester übernahm. Unter eher bescheidenen organisatorischen, spieltechnischen und finanziellen Umständen angefangen, gelang es ihm, in nur zwei Jahren daraus ein Sinfonieorchester aufzubauen, das bereits 2015 mit solch großen Werken wie Brahms‘ Erste Sinfonie und Beethovens Neunte Sinfonie eine neue Qualität beweisen konnte.

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„Der Traum von der Neunten“ und „Quantensprung geschafft“ – so hießen damals die ersten Berichterstattungen über die Tätigkeit des neuen Dirigenten.

Salyutov, auch damals schon ein konzertierender Musiker, versuchte, die Strukturen des Orchesters so umzubauen, dass sowohl immer bessere Resultate möglich würden als auch der Anreiz für versierte und ambitionierte Musiker, Teil des Klangkörpers zu werden, immer größer wäre.

Konzerte im Bergischen Löwen und in der Tonhalle Düsseldorf. Fotos: Thomas Merkenich

Die Musik schweißt zusammen     

Die anfangs bei 25 Personen liegende Besetzung hat sich inzwischen mehr als verdoppelt – und dazu wesentlich verjüngt. So spielen im Sinfonieorchester heute auch begabte Musikschüler, denen die musikalischen Aktivitäten ihres bisherigen Alltags nicht ausreichend sind und die nach mehr Herausforderung und echten künstlerischen Erlebnissen suchen. Aber auch Musikstudenten finden hier ihren Platz.

Dabei stellt das Orchester ein Team aus motivierten und versierten Musikern der Nichtberufsnische vom Schul- bis zum Rentneralter  und Profis dar, die sich vom Niveau des Orchesters und auch dessen menschlichem Klima motiviert fühlen, sich der Gruppe anzuschließen. Die Mitwirkung der studierten Musiker in jeder Gruppe des Orchesters ist selbstverständlich ein enormer Vorteil für die spieltechnische Steigerung aller anderen Mitglieder.

Zur Stärkung eines harmonischen sozialen Miteinanders tragen auch regelmäßige gemeinsame Proben-Tage, meist am Wochenende, bei, die das Orchester häufig als Ausflüge organisiert, mit einer flexiblen Freizeitgestaltung, Wanderungen, Führungen und gutem Essen – natürlich nach mehrstündigen engagierten Proben.  

In der Corona-Zeit hat das Orchester für den KulturKurier gespielt, auch Open Air.

Ein neuer künstlerischer Alltag

Heutzutage spielt das Sinfonieorchester Bergisch Gladbach Konzerte in verschiedenen Bundesländern – die Geographie hat sich enorm erweitert. Neben NRW sind es auch Rheinland-Pfalz, Hessen, Bayern oder Schleswig-Holstein, wobei  in kammerorchestraler Besetzung die Musiker bereits sogar ins Ausland geschafft haben – nach Polen, Frankreich, Litauen und Israel.

Roman Salyutov, der über ein großes Netzwerk im In- und Ausland verfügt, versucht es auch fürs Orchester zu nutzen, um immer neue spannende Konzertreisen zu erwirken, und sieht darin auch eine wichtige Steigerung der Qualität des Orchesterlebens sowie der Selbstwahrnehmung der Mitglieder – durch solche Projekte haben sie die Möglichkeit, verschiedene Seiten eines echten Konzertalltags zu erleben und sehen sich durch ihre Leistung und Beteiligung daran in den eigenen Augen immer mehr aufgewertet.  

Bei diesen ganzen Unternehmungen steht dem Sinfonieorchester ein von Salyutov dafür speziell initiierter Förderverein zur Seite, der unter anderem für den Kostenausgleich bei besonders auswendigen Projekten sowie  Reiskostenzuschüsse sorgt.

Auch in der Tonhalle Düsseldorf hat das Sinfonieorchester bereits gespielt. Foto: Thomas Merkenich

Neue sinfonische Werke – und ein Ballett

In den letzten Jahren konnte das Orchester sein Repertoire durch viele Werke der romantischen Sinfonik erweitern – solche Größen des späten 19. Und 20. Jahrhunderts wie beispielsweise Tschaikowski, Franck, Dvorak, Brahms, Wagner, Strauss und Rachmaninov sind ein fester Bestandteil seiner Programme geworden. Auch einige Opernproduktionen setzte die Sinfoniker mit großem Erfolg um.

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Dabei will Salyutov auf keinen Fall stehenbleiben, sondern Programme durch neue Werke der Weltsinfonie weiter bereichern – mit Anton Bruckner, Gustav Mahler, Sergei Prokofiev und Dmitri Schostakowitsch und anderen.

Diese Höhen, die eigentlich eher nur für Berufsorchester aufführbar sind, will der Dirigent trotzdem auch mit seinen Musikern erreichen. In einigen Programmen, die momentan bis Mitte 2026 festgelegt sind, sind beispielsweise solche Größen wie Schostakowitschs Sinfonie Nr. 5 und auch ein absolutes Neuland – das Ballett „Romeo und Julia“ von Prokofiev – vertreten, das Salyutov als in Zusammenarbeit mit jungen talentierten Tänzerinnen und Tänzern umsetzen wird, um den künstlerischen Nachwuchs zu fördern.

Mehr Mitglieder gesucht

Auf diesem Wege – für solch dicht besetzte Partituren – kann es nicht genug Mitglieder geben, besonders neue gute Streicher, die den Kern jedes Sinfonieorchesters bilden. So werden alle Interessenten herzlich eingeladen, Teil dieses Teams zu werden – und gemeinsam immer neue Höhepunkte einen Künstlerlebens zu erreichen.

Ein Probespiel ist im Sinfonieorchester Bergisch Gladbach nicht erforderlich – stattdessen gibt es eine ca. vierwöchige Probezeit, nach deren Abschluss entschieden wird, ob man musikalisch und menschlich gut zusammenpasst.

Roman Salytov. Foto: Thomas Merkenich

Im Leben eines Nichtberufsorchesters gibt es natürlicherweise immer erhebliche Mitgliederfluktuation – die einen verlassen die Mannschaft, die anderen schließen sich dagegen an. Die Richtung nach diesen über zehn Jahren scheint trotz der vom Dirigenten gesetzten und nicht immer von allen mitgetragenen hohen Ansprüche doch zu stimmen: „Wenn zwei gehen und drei kommen, so bin ich mit einer solchen Bilanz zufrieden“, resümiert der Orchesterleiter, „es muss sich immer vorwärts entwickeln und besser werden, denn jede Stagnierung ist ein Schritt zurück“.

Alle Information zur Tätigkeit des Sinfonieorchesters Bergisch Gladbach ist über die Homepage zu finden: www.sinfonieorchester-bg.de


Alle Videos mit dem Sinfonieorchester Bergisch Gladbach für den KulturKurier des Bürgerportals gibt es auf Youtube.

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