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Das Bürgerportal macht eine kurze Winterpause

Das Team des Bürgerportals geht in eine kurze Winterpause. Der Newsletter „Der Tag in GL” erscheint im neuen Jahr am 5. Januar zum ersten Mal wieder. Sollte es etwas wirklich Wichtiges geben, melden wir uns über WhatsApp. Wir wünschen den Förderern, Freunden und Nutzern des Bürgerportals eine gesegnete Weihnacht, eine tolle Silversternacht und ein gutes neues Jahr!  Ihr Bürgerportal-Team

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Nachrichten in einfacher Sprache 8.12.2017

Einmal in der Woche fassen wir die wichtigsten Nachrichten zusammen, die für Menschen in Bergisch Gladbach wichtig sind. In einfacher Sprache. In dieser Woche geht es um Krüger. Und um die Schlossstraße in Behnsberg. Um preiswerte Wohnungen. Um den neuen Wertstoffhof. Und noch einmal um Alexa.

Krüger ist das größte Unternehmen in Bergisch Gladbach und beschäftigt sehr viele Menschen. Das Unternehmen wächst. Darum will es ein neues Gebäude bauen. Für Büros, für einen Kindergarten, aber auch für Parkplätze. Krüger sagt, dafür habe es keinen Platz mehr. Darum hat Krüger einen Antrag gestellt, im Wald neben der Fabrik im Stadtteil Lückerath bauen zu dürfen. Dieser Wald hat den Namen Neuborner Busch. Die Menschen rund um den Wald sind gegen diese Pläne. Sie sagen, der Wald sei sehr wichtig für die Menschen, für die Natur und für die gute Luft in der ganzen Region. Die Menschen haben einen Verein gegründet, der für den Wald kämpfen will. Jetzt müssen die Politiker diskutieren, ob Krüger im Wald bauen darf. Mehr Informationen dazu gibt es auf in-gl.de unter dem Stichwort Neuborner Busch.

Zum nächsten Thema: Im Stadtteil Behnsberg soll die Einkaufsstraße schöner gemacht werden. Sie heißt Schlossstraße. Dort gibt es viele Geschäfte, viele Parkplätze und viel Verkehr. Aber die Menschen wollen mehr Platz für Fußgänger. Darum hat die Stadt einen Wettbewerb mit Architekten gemacht. Der Gewinner hat jetzt einen Entwurf gemacht, wie die Schlossstraße später einmal aussehen kann. Dann soll es viel weniger Parkplätze geben. Auf der einen Straßenseite soll der Bürgersteig viel breiter werden. Es soll nur noch einen Bodenbelag geben. Wie ein Teppich aus Stein, vom Anfang bis zum Ende der Schlossstraße. Dieser Teppich soll keine Bordsteinkanten mehr haben. Straße und Bürgersteig sind nur durch Kerben getrennt, damit sich Blinde orientieren können. Dieser Plan hat viel Lob bekommen. Es gibt auch Menschen, die den Plan gar nicht gut finden. Die Partei CDU und die Menschen, die in Behnsberg Geschäfte haben, schimpfen. Sie wollen, dass die vielen Parkplätze bleiben. Jetzt wird der Stadtrat über das Thema diskutieren. Bis der Umbau beginnt dauert es noch einige Zeit. Mehr Informationen gibt es auf in-gl.de beim Stichwort Schlossstraße

Zum nächsten Thema: In Bergisch Gladbach gibt es zu wenig billige Wohnungen. Alle Parteien sagen, dass ist ein großes Problem. Der Bürgermeister Lutz Urbach hatte eine Idee. Die Stadt sollte eine eigenes Unternehmen gründen. Dieses Unternehmen sollte Häuser mit Sozialwohnungen bauen und an Menschen mit wenig Geld vermieten. Aber dieses Aufgabe ist sehr schwierig. Außerdem hat die Stadt gar keine Grundstücke, um Häuser zu bauen. Daher hat der Bürgermeister entschieden, doch keine Wohnungsbaugesellschaft zu gründen. Jetzt will die Stadt andere Unternehmen finden, die in Bergisch Gladbach billige Wohnungen bauen. Mehr Informationen finden Sie auf der Internetseite unter dem Stichwort Wohnungsnot. 

Zum nächsten Thema: Die Stadt hat einen neuen Wertstoffhof gebaut, der jetzt eröffnet wird. Ein Wertstoffhof ist eine Sammelstelle. Dort können die Menschen alte Möbel, Elektrogeräte, giftige Sachen abgeben. Also fast alle Dinge, die man nicht in den Müll werfen darf. Früher musste man dafür an den Stadtrand fahren. Jetzt liegt der Wertstoffhof im Stadtzentrum, im Stadtteil Gronau. Die Einfahrt befindet sich gegenüber dem Finanzamt am Refrather Weg. Auf der Internetseite ist genau beschrieben, welchen Müll man dort abgeben darf und wann der Wertstoffhof geöffnet ist. 

Zum Schluss: Vor einer Woche hatten wir Alexa vorgestellt. Wir haben im Büro des Bürgerportals ausprobiert, was Alexa wirklich kann. Daraus ist ein lustiger Film entstanden. Sie können den Film auf unserer Internetseite anschauen. 

In dieser Woche ist in Bergisch Gladbach noch viel mehr passiert. Alle Nachrichten findet man im Bürgerportal. Man kann sich die Nachrichten aber auch als Newsletter per E-Mail zuschicken lassen. Man kann das Bürgerportal auch auf Whatsapp oder Facebook bekommen. 

Wenn Sie Hinweise oder Wünsche an das Bürgerportal haben, können Sie uns eine Mail schreiben. Bitte schicken Sie diese Mail an die Adresse info@in-gl.de

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Nachrichten in einfacher Sprache 1.12.2017

Es gibt einige Neuigkeiten, die für die Menschen wichtig sind, die in Gladbach, Behnsberg und den anderen Teilen der Stadt wohnen. Einmal die Woche fassen wir zusammen, was wichtig ist, in einfacher Sprache. Es geht um die Schlossstraße, um die Baustellen in der Innenstadt, um Spielhallen, um die Sicherheit in der Stadt und um Blinde.

Wenn Sie diesen Beitrag überspringen wollen, sagen Sie bitte, „Alexa, weiter”. 

Die Nachrichten der Woche:

Im Stadtteil Behnsberg soll die Einkaufsstraße, die Schlossstraße, neu gestaltet werden. Die Straße ist jetzt nicht schön. Sie ist oft mit Autos verstopft und sieht aus wie ein Flickenteppich. In den nächsten Jahren soll die ganze Schlossstraße ein neues, überall gleiches Straßenpflaster erhalten. Sie soll eine Einbahnstraße werden, viele Parkplätze verschwinden. Dafür bekommen die Fußgänger, die Geschäfte und die Cafés mehr Platz. Das Land Nordrhein-Westfalen bezahlt den größten Teil der Ausgaben. Aber es gibt auch Kritik. Einige Leute, die in der Schlossstraße Geschäfte haben, wollen mehr Parkplätze. 

Zum nächsten Thema:

Die Baustellen in der Innenstadtsind fast fertig. Im Buchmühlenpark, im Forumpark, in den Straßen Gorsmühle und Schnabelsmühle sind große Rohre verlegt worden. Sie sollen die Innenstadt vor Hochwasser schützen. Außerdem ist ein Kreisverkehr vor der Villa Zanders  neu gebaut worden. Er heißt Turbokreisel, weil er besonders viele Autos aufnehmen kann. Dafür hat es große Baustellen gegeben. Das hatte zu vielen Staus geführt. Diese Baustellen sind jetzt fast fertig. Nur an der Kreuzung der Hauptstraße und der Buchmühlenstraße wird noch bis April weiter gebaut. 

Zum nächsten Thema:

In der Innenstadt und in Gronau gibt es viele Spielhallen. Ein neues Gesetz verbietet aber, dass Spielhallen nahe beieinander liegen. Oder in der Nähe von Schulen sind. Die Hälfte der Spielhallen muss jetzt geschlossen werden.

Zum nächsten Thema:

Bei der Feuerwehr Bergisch Gladbach arbeiten viele Feuerwehrleute schon seit 25 Jahren. Einige Männer sind sogar schon seit 35 oder 50 Jahren dabei. Diese Feuerwehrleute sind jetzt besonders gelobt worden.

Zum nächsten Thema:

In der Innenstadt ist es in diesem Jahr zu schweren Verbrechen gekommen. Dabei ist auch ein Mann getötet worden. Die Partei CDU will deshalb mehr Sicherheitsleute einstellen. Das will die Partei SPD auch. Sie will aber gleichzeitig, dass mehr Sozialarbeiter beschäftigt werden. Die Sozialarbeiter sollen verhindern, dass Menschen gewalttätig werden.

Zum nächsten Thema:

Das Nicolaus Cusanus Gymnasium hat seine Direktorin verloren. Frau Inge Mertens-Billmann hat gekündigt und will ab März für die Bezirksregierung in Köln arbeiten. Die Schule muss jetzt warten, bis sie einen neuen Schulleiter bekommt.

Zum nächsten Thema: 

Die Sportvereine in Bergisch Gladbach sollen mehr Geld von der Stadt bekommen. Die Vereine arbeiten viel mit Jugendlichen und auch mit Flüchtlingen zusammen. Dafür sollen sie etwas Geld bekommen.

Zum nächsten Thema:

Blinde Menschen können sich mit ihrem Stock gut in der Stadt zurecht finden. Aber die anderen Menschen müssen auf sie Rücksicht nehmen. Das gilt vor allem für Radfahrer. Daniela Ali ist selbst blind. In einem Artikel im Bürgerportal erklärt sie, was die Radfahrer machen sollen. Zum Beispiel sollen sie ihre Klingel benutzen, damit ein Blinder bemerkt, wenn sich ein Fahrrad nähert. 

Zum nächsten Thema:

Die Weihnachtsmärkte sind in Gladbach, in Refrath und in Bensberg eröffnet worden. In der Innenstadt gibt es einen Sozialstand. An diesem Stand zeigen viele Vereine, was sie machen. 

Zum Schluss:

Das Bürgerportal verbreitet seine Nachrichten jetzt auch auf „Alexa”. Das ist ein Gerät von Amazon, das mit Sprache gesteuert wird. Man kann dem Gerät sagen, dass es die Nachrichten vorlesen soll. Dafür hat das Bürgerprogramm ein eigenes Programm gemacht.

Alle Nachrichten über Bergisch Gladbach findet man im Bürgerportal. Das ist eine Webseite mit der Adresse in-gl.de. Man kann sich die Nachrichten aber auch als Newsletter jeden Tag als E-Mail zuschicken lassen. Man kann das Bürgerportal auch auf Whatsapp oder Facebook lesen. 

Wenn Sie Hinweise oder Wünsche an das Bürgerportal haben, können Sie uns eine Mail schreiben. Bitte schicken Sie diese Mail an info@in-gl.de

Weitere Beiträge zum Thema Inklusion finden Sie im Bürgerportal:

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Anders sehen (2)

Blinde haben eine eigene Art, von A nach B zu kommen. Sie brauchen Verständnis und Signale, damit es nicht zu Kollisionen kommt. Welche Rolle dabei der Stock spielet, erklärt unsere Autorin. Daniela Ali ist blind. In dieser Serie schreibt sie über das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung im Alltag.

Menschen begegnen sich überall im öffentlichen Raum. Im Supermarkt, auf Konzerten, im Fitness-Studio oder auf der Straße. Ich selbst bin gern zu Fuß unterwegs. Egal, ob eine schöne Wanderung durch den Wald oder einfach mal per pedes mobile durch die Stadt.

Dabei sind die Begegnungen mit anderen Verkehrsteilnehmern nicht immer einfach, bisweilen sogar gefährlich. Ich bin auch schon einige Male so stark angefahren worden, dass mein Blindentaststock dabei zerbrach.

Und immer noch begegnen mir Menschen, die den Blindenstock nicht kennen.

Verkehrsschulungen gibt es zwar nach wie vor. Aber dabei werden leider keine Kenntnisse vermittelt, wie man uns „Menschen mit Sehverlust” erkennt und wie man sich gegenüber solchen Verkehrsteilnehmern verhalten sollte.

Seit einigen Jahren, seitdem das Nordic Walking populär geworden ist, wird mein Taststock oft als Wanderstock angesehen. Bisweilen höre ich auch: „Ich gehe aber immer mit zwei Stöcken wandern“. Jetzt, wo ich im Cafehaus sitze und diesen Text schreibe, muss auch ich über diese Verwechslung schmunzeln.

Aber auf meinen Wegen, wenn ich dank einer solchen Verwechslung mal wieder in eine brenzlige Situation gerate, finde ich das alles andere als zum Lachen. Und das geht nicht nur mir so. 

Ich glaube nicht, dass dies so sein muss. So wie wir gelernt haben, auf bestimmte Verkehrsschilder mit einem bestimmten Verhalten zu reagieren, so kann man das auch bei einem Blindenstock lernen.

Übrigens: Der weiße Blindenstock ist keine Erfindung der Blinden. Und er ist auch keine reine Tasthilfe. Vielmehr ist er das offizielle Kennzeichen für blinde Menschen und taucht als solches auch in den Verkehrsgesetzen an.

Aber fangen wir am besten weit vorne an. Da, wo die längst überholte Annahme herrührt, dass die drei schwarzen Punkte auf gelben Grund „blind“ heißen.

Die Entstehungsgeschichte der drei schwarzen Punkte auf gelbem Grund ist inzwischen verschollen. Aber man weiß noch, dass dieses Kennzeichen, meist als Armbinde an beiden Armen, bis etwa in die 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts von blinden und auch von tauben Menschen getragen wurde. Zwei Punkte oben, einer darunter in der Mitte hieß „blind”, ein Punkt oben und zwei unten hieß „taub”. 

Vor allem die Taubstummen haben sich durch dieses Symbol stark stigmatisiert gefühlt. Mit dem Kennzeichen habe man auch „echt behindert“ ausgesehen, heißt es in einem Buch von Lothar Scharf.

In den 70er Jahre kamen die ersten Blindenlangstöcke bei uns in Deutschland zum Einsatz. Erst damit wurde es möglich, den Boden vor uns abzutasten. Dank der Länge des Stockes bleibt genügend Reaktionszeit, um sich nicht gleich an der nächsten Hauswand den Kopf einzuschlagen.

Das passiert zwar manchmal immer noch, aber in der Regel nur da, wo es Überhänge gibt: der Stock läuft unter ein Hindernis, weil dieses nicht bis auf dem Boden herunter geht und damit nicht zu ertasten ist. Aktuell, und das auch schon seit vielen Jahre, gilt Paragaf 2 der Fahrerlaubnis-Verordnung. Da heißt es unter der Überschrift „Eingeschränkte Zulassung”:

1. Wer sich infolge körperlicher oder geistiger Beeinträchtigungen nicht sicher im Verkehr bewegen kann, darf am Verkehr nur teilnehmen, wenn Vorsorge getroffen ist, dass er andere nicht gefährdet. Die Pflicht zur Vorsorge, namentlich durch das Anbringen geeigneter Einrichtungen an Fahrzeugen, durch den Ersatz fehlender Gliedmaßen mittels künstlicher Glieder, durch Begleitung oder durch das Tragen von Abzeichen oder Kennzeichen, obliegt dem Verkehrsteilnehmer selbst oder einem für ihn Verantwortlichen.

2. Körperlich Behinderte können ihre Behinderung durch gelbe Armbinden an beiden Armen oder andere geeignete, deutlich sichtbare, gelbe Abzeichen mit drei schwarzen Punkten kenntlich machen. Die Abzeichen dürfen nicht an Fahrzeugen angebracht werden. Wesentlich sehbehinderte Fußgänger können ihre Behinderung durch einen weißen Blindenstock, die Begleitung durch einen Blindenhund im weißen Führgeschirr und gelbe Abzeichen nach Satz 1 kenntlich machen.

3. Andere Verkehrsteilnehmer dürfen die in Absatz 2 genannten Kennzeichen im Straßenverkehr nicht verwenden.

Wesentlich sehbehinderte Verkehrsteilnehmer haben also mehrere Möglichkeiten, sich zu kennzeichnen: Den weißen Blindenstock, der mit weißem Führgeschirr versehene Blindenführhund oder eben die gelben Armbinden mit schwarzen Punkten an beiden Armen.

Die beiden zuerst genannten Kennzeichnungen bedeuten dem Gegenüber: „Hier hast du einen Menschen mit großem Sehverlust vor dir.”

Bei den drei schwarzen Punkten wird laut Gesetz nur angezeigt, dass der Träger der Armbinden im Straßenverkehr nicht allein auf sich achten kann, sein Gegenüber also besondere Vorsicht walten lassen muss. (Das gilt aber eigentlich bei jeder Blindenkennzeichnung!) Die Armbinden geben aber keinerlei Mitteilung darüber, welche Art der Behinderung den Träger einschränkt.

Ich für meinen Teil habe und möchte keinen Hund. Die Armbinden sind nur lästig und bringen mich nicht weiter. Mit den Armbinden kann ich mich nicht orientieren.

Mit meinem Blindentaststock dagegen kann ich mich recht gut alleine auf den Weg machen. Er ist also ein sehr nützliches Hilfsmittel mit Kennzeichen in einem.

Man sagt, das etwa 80 Prozent unserer gesamten Wahrnehmung durch visuelle Eindrücke entsteht.

Ein blinder, aber auch ein stark sehbehinderter Mensch, bekommt diese visuellen Eindrücke nicht und kann sie auch nur zu einem Teil mit Hilfe der übrigen Sinne kompensieren. Denn es ist ein Ammenmärchen, dass man besser hört, wenn man blind ist.

Sicher ist, dass wir alle unsere Sinne nicht ganz ausschöpfen. Wir alle können durch intensives Training unsere Sinne schulen und damit die Wahrnehmung erweitern. Nehmen wir einen Parfümeur. Das sind Menschen mit einem exzellenten Riechorgan. Vielleicht haben diese Menschen schon eine Veranlagung dazu. Vor allem aber tun sie etwas dafür. Selbst im Urlaub müssen sie jeden Tag mindestens eine halbe Stunde ihre Nase trainieren, um auch weiterhin ihren Job gut machen zu können.

Blinde Menschen trainieren zwar auch jeden Tag mehr oder weniger intensiv ihr Riechen, Schmecken, Tasten und Hören. Schon allein deshalb, weil ihr Hauptsinnesorgan ausgefallen ist. Aber da auch Menschen mit Seheinschränkung zur Gattung Homo sapiens sapiens gehören leiden auch diese an Hörverlust, Tinitus und allem anderen, was die übrigen Menschen heimsuchen kann. 

Es gibt viele Menschen, die so schlecht sehen, das sie nicht mehr alles visuell wahrnehmen können. Hier ist die Bandbreite von dem, was noch gesehen werden kann unendlich vielfältig.

Manche haben nur noch einen kleine Fleck ihres Sichtfensters, mit dem sie vielleicht sogar noch 100 Prozent sehen können. Erkennen können sie aber trotzdem nicht viel. Nehmen sie sich mal eine alte Zeitung und schneiden ein kleines Loch hinein. Jetzt halten sie dieses ganz dicht vor ihr Auge. Das Blickfeld (Gesichtsfeld genannt) ist schon etwas eingeengt. Und jetzt kommt das gemeine: Halten sie die Zeitung mit ausgestreckten Armen weit von sich und schauen noch einmal, nur mit einem Auge, durch das Löchlein. Nicht mehr viel was sie da sehen.

Aber so bewältigen einige Menschen unter uns ihren Alltag. Die Ampelfarbe auf der anderen Straßenseite können sie oft noch sehen, aber den Wassereimer vor den Füßen erkennen sie nicht.

Andere sehen total unscharf. Ähnlich wie durch eine sehr verdreckte und verkratzte Fensterscheibe die auch noch komplett beschlagen ist. Mit diesem Sehrest geht auch nicht mehr viel.

Egal ob beim Auto fahren, beim Laufen oder Radfahren, grundsätzlich orientieren wir uns bei der Fortbewegung sehr stark an unseren visuellen Informationen. Bei sehbehinderte Menschen fällt das weg.

Darum gehen wir oft so „eckig”, wie ein Freund das mal genannt hat. Das hört sich abgedreht ab, aber da ist etwas dran: Ich laufe einen Weg entlang und muss irgendwann links abbiegen. Da ich die Stelle, wo ich abbiegen muss, nicht visuell erkenne, brauche ich einen anderen Hinweis. Wenn ich den Weg öfters gehe, habe ich meist besondere „Bodenmarkierungen“, die mir anzeigen, dass ich jetzt einen Richtungswechsel vornehmen muss – und mache das an genau dieser Stelle. Ich biege also um eine „Ecke”, auch wenn es die dort gar nicht gibt.

Geradeaus laufen ist für einen blinden Menschen fast unmöglich. Ohne Leitsystem laufen wir daher schon mal in Schlangenlinien oder es kommt zu einem plötzlichen, unvorhersehbaren Ausfallschritt. So kommt es immer mal wieder vor, dass ein blinder Mensch einen Richtungswechsel vornimmt, der für einen Sehenden erst einmal total unlogisch erscheint.

Und jetzt kommt‘s: mit dem Blindenstock taste ich vor mir den Boden ab. Sind da Löcher, Äste und ich lausche konzentriert auf die Geräusche meiner Stockspitze. Schon jetzt höre meist weder Fußgänger, geschweige den Radfahrer.

Wenn jetzt noch der Wind pfeift, womöglich noch Bäume um mich herum sind, deren Äste und Blätter im Wind rauschen, Regen ist oft auch ganz schön laut, Industriegeräusch,  …, dann wird es noch schwieriger. Da stoßen auch die an ihre Grenzen, deren Gehör top ist.

Und genau deshalb führen wir Menschen mit Sehbehinderung eine weißen Blindenstock nach §2 FeV. Die Farbe des Taststocks ist für uns selbst vollkommen egal, das sollte jedem wohl klar sein. Wir brauchen eine gut rutschende, möglichst rollende Spitze und der Stock muss eine bestimmte Länge haben. Nur so taugt er als Hilfsmittel.

Dass der Stock weiß ist, ist dennoch sehr wichtig – für die andere Verkehrsteilnehmer. Damit sie erkennen: hier geht ein Sehbehinderter, darauf muss ich mich einstellen. Damit ist der weiße Stock für uns lebenswichtig.

Sehbehinderte und blinde Menschen freuen sich genau wie andere Menschen auch, wenn sie mal vorbei gelassen werden. Aber wir erwarten nicht, dass jemand wegen uns in die Büsche springt, um uns vorbei zu lassen. Es muss sich auch niemand an die Hauswand quetschen, auf Zehenspitzen stehen und die Luft anhalten, damit der Bürgersteig für uns möglichst frei ist. All das ist nicht nötig und auch nicht immer hilfreich.

Laufe ich über den Fußweg und höre, wie sich Menschen vor mir unterhalten, weiß ich das da jemand ist. Am liebsten ist es mir, wenn ich auf Augenhöhe mit meinen Mitmenschen kläre, am besten durch Kommunikation, wie wir aneinander vorbeikommen.

In der Praxis erlebe ich aber immer wieder, dass die Menschen vor mir verstummen. Für mich heißt das: Sie sind nicht mehr da. Vielleicht sind sie in ein Haus gegangen oder sind abgebogen. Und dann macht es auch schon Peng. Ich bin aufgelaufen.

Freunde, die mich schon mal gerne beobachten, wie ich durch die Welt laufe und wie meine Mitmenschen reagieren, berichten oft, dass die Menschen mich ganz offen und ungeniert anstarren. Macht ja nichts, denken sie wohl, die kann das doch nicht sehen.

Sagen tun sie aber nichts mehr. So nach dem Motto „kommt sie wohl an dem Hindernis vorbei?“ Wenn ich dann aufgelaufen bin kommt der Aufschrei „Vorsicht“.

Danke! Es war nur leider etwas zu spät.

Fazit: wir sehen nur, was wir hören.

Auch beim Spaziergang ist es ganz angenehm, wenn Spaziergänger grüßen. Ich erschrecke nicht, weil etwas an mir vorbei huscht. Aber so weiß ich, da ist noch jemand oder mehrere. Ich bleibe auch gern mal stehen und lasse andere vorbei.

Vielleicht ist es auch gerade ganz schön, dass wir uns begegnen, weil ich nach dem Weg fragen möchte. Und das kann ich nur, wenn ich weiß, dass sie da sind.

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Anders sehen und verstehen (3)

Viele Blinde bewegen sich mit ihrem Langstock relativ sicher in der Öffentlichkeit. Aber dabei sind sie auf die Rücksicht ihrer Mitmenschen angewiesen. Eine besondere Rolle spielen die Radfahrer. Das berichtet unsere Autorin Daniela Ali. Sie ist selbst blind und schreibt eine Serie zum Thema „Inklusion im Alltag”. Daniela Ali berichtet:

Beim letzten Mal hatte ich erklärt, wie wir uns mit dem Blindenlangstock auf dem Bürgersteig orientieren. Und dass wir manchmal gezwungen sind, abrupt die Richtung zu wechseln. Schon bei Begegnungen mit Fußgängern führt das zu Missverständnissen. Bei Radfahrern aber kann es für uns schnell gefährlich werden.

Denn viele Radfahrer machen einen Fehler. Sie glauben, es reiche aus, wenn sie mit einem Abstand von einem Meter an uns Menschen mit einer Sehbehinderung vorbei rauschen. Doch das führt schnell zu gefährlichen Situationen.

Ich weiß ja nicht, dass ein Radfahrer an mir vorbei fahren wird. Und ohne dass sich dieser als Radfahrer zu erkennen gibt, kann ich das auch nicht wissen.

Jetzt stellen Sie sich mal vor, ich nehme einen meiner „eckigen” Richtungswechsel vor. Der benötigt von jetzt auf gleich mindestens 1,60 Meter: 60 cm Schrittlänge plus 1 m Stocklänge. Und schon rollt ein Rad über meinen Stock oder der Stock steckt zwischen den Speichen.

Bei solchen Vorfällen sind mir schon mehrere Stöcke zerbrochen. Bisher hatte ich Glück und der Lenker hat meine Rippen verschont.

Ein Unfall und Schadenfall. Die Polizei muss kommen und den Fall aufnehmen. Ich muss nach Hause gebracht werden, weil ich das ohne mein Hilfsmittel nicht mehr alleine weiter kann. Über die Krankenkasse muss ein neuer Blindenstock beantragt und bestellt werden. Der Unfallbericht muss an die Krankenkasse weitergeleitet werden, da der Unfallverursacher für die entstandenen Kosten aufkommen muss.

Das alles ist nicht nur ein enormer Zeitverlust. Termine werden verpasst. Es ist ein enormer Stress. Und vor allem ist das so unnötig und so einfach vermeidbar.

Aber wie funktioniert das Hören bei den Radfahrern. Wie gesagt, ich kann sie meistens nicht hören, zudem nähern sie sich viel schneller als ein Radfahrer. Damit ich nicht immer bis ins Mark erschrecken, wenn sie an mir vorbei rauschen oder sogar wieder ein Blindenstock dran glauben muss, gibt es eine ganz einfache Lösung: Klingeln.

Manche Radfahrer meinen es gut und rufen Vorsicht, wenn sie sich nähern. Daraus kann ein sehbehinderter Mensch aber nicht auf einen Radfahrer schließen. Erst einmal ist da ein Mensch. Und warum Vorsicht? Tut sich vor mir der Boden auf oder liegt da ein umgestürzter Baum. Ich weiß das nicht.

Ein „Hallo” oder „Vorsicht” sagt mir zunächst, da kommt ein Fußgänger. Dann habe ich Zeit genug, an den Wegrand zu gehen. Das kann das auch mal bedeuten, dass ich quer über den ganzen Weg laufe. Bei einem Radfahrer reicht die Zeit aber nicht, um den Weg frei zu machen. Und nicht immer sind Radfahrer so schnell in ihrer Reaktion, um rechtzeitig zum Halten zu kommen.

Autofahrer haben für Gefahrensituationen die Hupe. Beim Radfahrer ist das die Klingel. Warum sie also nicht benutzen?

Wenn ich eine Klingel höre weiß ich sofort, was los ist. Einen „eckigen” Richtungswechsel werde ich jetzt bestimmt nicht machen. Sondern bleibe gern an Ort und Stelle stehen, damit es nicht zu Kollision kommt.

Ich kann mich noch an meine eigene Radfahrzeit erinnern. Schon damals war es nicht einfach, eine gute Klingel zu finden. Viele FahrradKlingeln geben nur noch ein einfaches „Pling“ von sich. Man hört, fast im Unterbewusstsein, ein Geräusch. Man merkt auf, aber dann ist da nichts mehr zu hören.

Ähnlich geht mit das häufig. Ich laufe mit dem Stock, bin auf vielerlei Geräusche konzentriert – und dann dringt ein Ton ins Bewusstsein vor. „War da was?“ Wenn dann nichts mehr kommt, kann es schnell zu fatalen Folgen kommen.

Die alten Fahrradklingeln, mit dem mehrfach hörbaren „ring-ring-ring“ halte ich persönlich für viel sicherer.

Fahrradfahrern haben mir schon häufiger gesagt, dass sie gar nicht mehr klingeln, weil sich die Fußgänger so sehr erschrecken würden. Interessant finde ich, dass ich das Aussage immer nur von Radfahrern hörte.

Von Fußgängern wird genau das Gegenteil berichtet. Und nicht nur von Menschen mit Sehbehinderung. Viele Gesunde mit Adleraugen, Menschen die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, egal ob mit Rollator oder Stützstock, Menschen mit psychischen Erkrankungen und andere wünschen sich ebenfalls das Radfahrer klingeln.

An dieser Stelle möchte ich aber auch berichten, dass es schon jetzt viele Mitmenschen gibt, mit denen eine Begegnung ganz fantastisch klappt. Auf meinem, fast täglichen Weg entlang eines gemischten Fuß- und Radfahrweg hat es in den letzten Jahren zwischen mir und Radfahrern viele Gespräche gegeben. Vielen verstanden nach dem Gedankenaustausch, warum es so wichtig ist, als Radfahrer zu klingeln. Seitdem ist unsere Begegnung entspannt.

Ihnen allen einen lieben Gruß. Schön, das ich Ihnen begegnen durfte!

Jeder Radfahrer, der klingelt, zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht. Jeder Radfahrer, der klingelt, läßt mich meinen Weg entspannt fortsetzen, ohne vor Angst und Schreck verkrampfte Muskelfasern.

Und auch für die Radfahrer ist es viel netter: Beim Vorbeifahren begleitet sie ein Lächeln, kein entsetzter Aufschrei.

Wie schön die Welt doch ist! Der Klingel sei Dank.

Sie interessieren sich für das Thema Inklusion? Dann schauen Sie sich mal unsere Facebook-Gruppe „Inklusion in GL” an.

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