Helmut Raßfeld ist 63 Jahre alt, stammt aus Bonn und hat in Köln große städtebauliche Projekte geleitet. Er wohnt knapp hinter der Stadtgrenze in Thielenbruch, tagt mit den Rotariern jeden Monat in der Villa Zanders, seine Frau kauft lieber hier als in Köln ein. Daher weiß er ziemlich genau, worauf er sich mit seiner Aufgabe als Geschäftsführer der Zukunft Stadt Profil Verwaltungs-GmbH einlässt: 

„Beim Butzweiler Hof mit 50 Hektar und beim Mülheimer Süden mit 70 Hektar ging es darum, Randgebiete  in die Stadt zurück zu holen. Genau das ist die Aufgabe beim Zanders-Gelände”, sagte Raßfeld dem Bürgerportal.

Noch hat er seine Stelle nicht angetreten, noch führt er Vorgespräche mit allen Beteiligten, noch gibt es einige rechtlichen Unklarheiten beim Anspruch der Stadt auf die verkauften Zander-Teilgrundstücke. Entsprechend vorsichtig äußert sich Raßfeld: „Die Bestandssicherung von Zanders steht über allem, das ist immerhin der Nukleus der Stadt, das sind 500 Arbeitsplätze.” 

Doch wer ein wenig über Raßfeld nachliest stößt rasch auf seine Lieblingsthemen: Innenstadtverdichtung, Mobilität, Nahverkehr. Alles Themen, die mit den drei Zanders-Grundstücken, die sich die Stadt über ihr Vorkaufsrecht gesichert hatte, in Verbindung stehen. Und mit der Entwicklung der gesamten Innenstadt. 

Der Stadtrat hatte in nichtöffentlicher Beratung mehrheitlich bei einer Gegenstimme und sechs Enthaltungen dafür votiert, dass Raßfeld neben Stadtbaurat Harald Flügge Geschäftsführer der Zukunft Stadt Profil Verwaltungs-GmbH wird. Die Gesellschafterversammlung muss noch zustimmen, das ist Formsache. Flügge, darauf weist die Stadt hin, sei „aufgrund seiner umfangreichen Aufgaben in der Stadtverwaltung als städtischer Vertreter nicht als Hauptakteur vorgesehen”.

Bürgermeister Lutz Urbach lobt Raßfeld als „wahren Profi” und betont, wie wichtig die Führung der Zukunft GmbH durch einen externen Experten sei: „Die Firma Zanders soll mit ihrem Standort unbedingt unterstützt werden. Dies kann nur gelingen, wenn Fachleute als Partner zur Verfügung stehen, die im Sinne der Stadt die Flächenentwicklung angehen.”

Aber auch Urbach richtet den Fokus über das Zanders-Gelände hinaus auf die ganze Stadtmitte: Zwar gehe es jetzt um den sogenannten „Kaufgegenstand 1″, den Bürobereich am Zanders-Haupteingang, den die Stadt bereits übernommen und bezahlt hat. Doch gemeinsam mit Stadtplanung und Stadtentwicklung müsse ein Konzept entstehen, „damit sich die Stadtmitte sinnvoll und effektiv weiter entwickeln kann”, betont Urbach. 

Ob der zweite Kaufgegenstand, die Entwicklungsflächen mit dem Parkplatz an der Bensberger Straße und dem Gelände mit dem Klärwerk, überhaupt in das Eigentum der Stadt übergehen, da ist sich die Verwaltung inzwischen selbst nicht mehr sicher: „Zudem könnte auch die Entwicklung weiterer Flächen erfolgen, sofern auch Kaufgegenstand 2 in Besitz und Eigentum der Stadt Bergisch Gladbach übergeht”, heißt es jetzt in der Presseerklärung.

Das Zanders-Gelände im Zentrum von Bergisch Gladbach. Die markierten Flächen werden verkauft.

Zur Person: Helmut Raßfeld

Der künftige Geschäftsführer hat eine lange Erfahrung als Immobilienentwickler. Er hat BWL und Jura studiert, war Referent der Geschäftsführung des Sparkassen und Giroverbandes Rheinland-Pfalz, später später Hauptreferent im Vorstandsstab des Sparkassen und Giroverbandes Hessen-Thüringen.

1989 leitete Helmut Raßfeld das Ministerbüro im Ministerium für Soziales, Familie und Sport in Rheinland-Pfalz. 1994 ging er in den Osten zu einem Abstecher in die Medienwelt und baute den privaten Sender Landeswelle Thüringen auf.

Später zog er nach Köln, wurde 2002 Geschäftsführer der MMC Magic Media Company mit Sitz am Butzweiler Hof, der msk-colonia Projektentwicklungsgesellschaft mbH und der SKI Standort Köln-Immobilien GmbH & Co KG (später S-Rhein Real Estate) – alles Firmen im Umfeld der Sparkasse Köln.

Für die SKI hat Raßfeld von 2002 bis 2014 die Entwicklung und Revitalisierung von Grundstücksarealen betriebe. Schwerpunkt war die Entwicklung des heute mit Abstand größten zusammenhängenden Wirtschaftsareals in Köln „Am Butzweilerhof” rund um den historischen Flug- und Luftschiffhafen im Rahmen der Regionale 2010. Im Rahmen der Unternehmerinitiative „Forum Am Butzweilerhof” hatte er auch den ersten privat mitfinanzierten Straßenbahnanschlusses (Linie 5) organisiert. 

Zuletzt war Raßfeld Geschäftsführer der Motorworld Köln-Rheinland, die in den alten Gebäuden des Butzweilerhofs eine „Auto-Erlebniswelt” mit Ausstellungen, Hotel, Gastronomie und Werkstätten errichtete. 

Seit 2012 unterhält Raßfeld die Beratungsgesellschaft HR Consult. Als Berater ist Raßfeld derzeit für die privaten Investoren des Planungsgebietes „Mülheimer Süden” in Köln tätig, die dort ein privatwirtschaftlich organisiertes Mobilitätskonzept umsetzen wollen. 

Das Projekt „Mülheimer Süden” betreut Raßfeld weiter, seine Aufgabe in Bergisch Gladbach versteht er dennoch als Vollzeitjob: „Das kann man nicht nebenbei erledigen. Ich werde schon bald mein Büro auf dem Zanders-Gelände beziehen”, sagt der Manager. 

Mehr Lesestoff: Seine Überlegungen für den Mülheimer Süden in Sachen Entwicklung, Verkehr und Vernetzung stellt Helmut Raßfeld in einem Interview mit der Website „Mühlheimer Hafen” ausführlich vor. 

Weitere Beiträge zum Zanders-Gelände:

Urbach überweist erste Rate an Zanders

Kleine kommunale Rechtskunde (3): Das Vorkaufsrecht

Stadt gibt Gas beim Kauf der Zanders-Grundstücke

Was die Stadt zum Zanders-Geschäft nicht sagt

„Kein Risiko”: Stadt will Zanders-Flächen kaufen

BürgerportalTV: Darum geht es bei Zanders

PDFDrucken

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.