Die Bürgerinitiative Neuborner Busch wendet sich kurz vor den entscheidenden Sitzungen in den Ausschüssen und dem Rat direkt an die Mitglieder der Ratsfraktionen von CDU und SPD. Sie werden dazu aufgefordert, die Entscheidungsvorlage des Bürgermeisters zu hinterfragen, zu einer eigenen Meinung zu kommen und so die Verantwortung eines gewählten Interessenvertreters wahrzunehmen.

Die Bürgerinitiative fordert nochmals, auf die Zerstörung des Neuborner Busches zu verzichten und gemeinsam mit der Firma Krüger eine Lösung zu finden. Die Ratsmitglieder sind aufgefordert mit eigenen Ideen auf den Plan zu treten und sich nicht hinter dem Bürgermeister, der Firma Krüger und Planungsbüros zu verstecken.

Dokumentation: Der Brief an die Ratsmitglieder

In den nächsten Tagen werden Sie gemeinsam mit Ihren Kollegen und Kolleginnen im Rat der Stadt Bergisch Gladbach über den neuen Flächennutzungsplan entscheiden. 2300 Einwendungen und vielfältige Aktionen und Meinungsäußerungen in den letzten Monaten beweisen, dass dies eine richtungsweisende Entscheidung ist, an der Sie als gewähltes Ratsmitglied beteiligt sind.

Der Bürgermeister hat Ihnen eine Entscheidungsvorlage vorbereitet, die unter anderem die Zerstörung des Neuborner Busches ermöglicht, damit die Firma Krüger dort Bürogebäude und ein Parkhaus im Grünen bauen kann. Nicht eine Einwendung, nicht ein Argument hält er für bedenkenswert und macht so die Bürgerbeteiligung zur Farce. 

Wir möchten Sie deshalb bitten, diese Entscheidungsvorlage kritisch zu hinterfragen und sich eine eigene Meinung aufgrund aller Fakten und aufgrund Ihrer eigenen Wahrnehmung zu bilden. Entwickeln Sie Mut und Ideen die Stadt, in der wir leben für die Zukunft zu gestalten. Dazu gehört die Verbindung von Natur und wirtschaftlichen Interessen. 

Neuborner Busch als Frischluftsschneise

Der Bürgermeister behauptet, dass die Eingriffe in die Schutzgüter vertretbar seien und in der Abwägung einer neuen gewerblichen Baufläche Vorrang eingeräumt wird. Er stützt seine Aussage unter anderem auf Aussagen aus einem Gutachten, das die Firma Krüger zur Unterstützung des eigenen Vorteils hat erstellen lassen.

Die Umweltschutzbehörde des Kreises und des Landesbetriebes Wald sowie der Rheinisch-Bergische Naturschutzbund und der Naturschutzbund Heideterrasse bezweifeln oder widersprechen der fehlenden Schutzfunktion. 

Solche Frischluftschneisen sind für das Wohlbefinden der Bergisch Gladbacher Bürger außerordentlich wichtig; sie werden landesweit befürwortet und als besonders schutzwürdig betrachtet. Im Landesentwicklungsplan (LEP) NRW sind Grünzüge als Vorranggebiete festgelegt! 

Im Freiraumkonzept der Stadt Bergisch Gladbach ist der Neuborner Busch Teil eines Kaltluftentstehungsgebietes sowie einer „Kaltluftschneise mit überregionaler Bedeutung“. Der Bürgermeister fordert Sie jetzt auf, genau das zu ignorieren und dem FNP zuzustimmen.

Der Verweis auf neuerliche Diskussion im Rahmen eines zukünftigen Bebauungsplanes setzt hier falsche Zeichen. Bereits als das bestehende Hochregallager im Jahre 2000 genehmigt wurde, haben die Ratsmitglieder dies anders gesehen und den Bau damals nur unter Kompromissen und dem Versprechen von Herrn Krüger senior genehmigt, dass dies der letzte Eingriff in den Wald und die wichtige Frischluftschneise darstellt.

Sie waren offenbar der Meinung, dass bereits dieser Eingriff die Funktion des Waldes gefährdete und der Eingriff nur so gerade eben noch akzeptierbar sei. Der jetzt geplante Eingriff schreibt die Zerstörungsgeschichte fort – jetzt in Salamitaktik. 

Wie kann es sein, dass der Wald in Zeiten der globalen Erwärmung und nachgewiesener Bedeutung als Entlüftung und Hitzeregulierung plötzlich keinen Schutz verdient? 

Neuborner Busch als einzig verfügbare Fläche für ein Parkhaus und ein Bürogebäude: 

Die Firma Krüger und der Bürgermeister behaupten, man sei auf den Wald angewiesen, da es keine anderen Flächen gebe, die repräsentativen Baumaßnahmen zu realisieren. 

Wer aber hat den Flächenbedarf nachgewiesen? Mark Krüger selbst hat dargestellt, dass es noch keine konkreten Planungen gibt. Vage wird von fünf Jahren gesprochen.

Wir bestreiten den konkreten Flächenbedarf im Neuborner Busch! Wer weiß, was in fünf Jahren ist? Selbst wenn tatsächlich der Bau der Gebäude notwendig wird, stellt sich die Frage nach verfügbaren Ausweichflächen.

Selbst leitende Mitarbeiter und Berater der Firma Krüger berichten, dass das sich das Projekt auch auf dem benachbarten ehemaligen Lübbe-Gelände realisieren lasse. Dies scheitere nur an den höheren Kosten.

Auch hat die Firma Krüger jüngst auf dem Markt befindliche Flächen im Gewerbegebiet Zinkhütte nicht erworben. Letztlich könnte auch das Zanders-Gelände in Betracht kommen. Die vermeintlich fehlende Verfügbarkeit ist ganz offensichtlich vorgeschoben, da der Bürgermeister selber die Flächen auf einer Immobilienmesse aktive anpreist. 

  • Ist es richtig und vertretbar, dass die Stadt Bergisch Gladbach auf Kosten des Gemeinwohls einseitig die finanziellen Interessen eines internationalen Großkonzerns wie Pfeifer & Langen bzw. der Firma Krüger bedient, obwohl deren Gewinne immerhin so hoch sind, dass Krüger in Bergisch Gladbach Gewerbesteuer bezahlt?
  • Warum promoten der Bürgermeister und hochrangige Vertreter der Stadt Bergisch Gladbach das Zanders-Gelände als Gewerbefläche, wenn dieses gar nicht verfügbar sein soll? 

Neuborner Busch als Naherholungsgebiet und Schutzgürtel zu Wohngebieten: 

Der Neuborner Busch wird von Menschen der Stadtteile Lückerath, Heidkamp und Gronau als Naherholungsgebiet benutzt. Der Wald verbindet Naturschutzgebiete, Waldgebiete und Frei- und Spielflächen.

  • Wie ist in Zeiten der Verkehrs- und Wohnverdichtung die Aussage des Bürgermeistes zu werten, Bürger hätten keinen Anspruch auf Naherholungsgebiete?
  • Treten Schutzinteressen der Bürger, die in dem Wald und in ihren Häusern Erholung und Ruhe suchen hinter die Interessen eines Unternehmens wie Krüger zurück, dessen Motivation es ist, ein reines Prestigeprojekt im Grünen zu realisieren?

In zwei Unterschriftenaktionen haben rund 400 Menschen aus Lückerath, Heidkamp und Gronau zum Ausdruck gebracht, dass der Neuborner Busch für sie von Bedeutung ist. Die Unterschriften liegen Ihren Fraktionen in der Form einer Resolution vor. Unendlich viele Bürger haben mit Eingaben auf die Probleme, Sorgen und Folgen der Zerstörung hingewiesen.

Diese Menschen haben stets zum Ausdruck gebracht, dass man nicht gegen das Wachstum der Firma Krüger ist. Es sind aus diesem Kreis sogar erste Ideen entstanden, wie sich die Vorstellungen der Firma ohne Zerstörung des Waldes realisieren lassen. 

Gehen Sie nicht über die Bürger hinweg, die daran glauben, dass Sie als gewählte Interessenvertreter ihre und nicht nur die Interessen eines Konzerns vertreten.

Es gibt bei gutem Willen aller Beteiligten Optionen, die die Natur und den Neuborner Wald schützen und trotzdem die Pläne der Firma Krüger realisierbar machen. 

Seien Sie mutig und entlasten Sie den Bürgermeister von dem unvermeidlichen Interessenkonflikt als Planer, Interessenvertreter der Firma Krüger und Genehmigungsinstanz in einer Person.

Lehnen Sie den Flächennutzungsplan in dieser Form ab und nutzen Sie die Zeit der Firma Krüger Wege zu weisen, mit denen repräsentative Gebäude gebaut werden, ohne die Stadt und die Bürger zu belasten.

Es ist noch nicht zu spät um den Neuborner Wald zu retten – selbst Marc Krüger hat sich öffentlich eingelassen, noch keine konkrete Zeitplanung und Bedarf für den Bau der Gebäude zu haben. 

Wenn Sie die Zerstörung des Neuborner Waldes verhindern, werden Sie die Bürger als mutig, glaubwürdig und als demokratisch verantwortlich handelnd empfinden.

Gehen Sie jedoch wie der Bürgermeister ohne Reflektion über die mehr als 2300 Einwendungen hinweg, von denen viele den Neuborner Busch betreffen und die in diesem Schreiben nur ansatzweise wiederholt werden, wird man diese Mut- und Ideenlosigkeit zwangsläufig auch mit Ihnen in Verbindung bringen. 

Nutzen Sie die Chance und gestalten Sie als gewählter Interessenvertreter der Bürger die Stadt Bergisch Gladbach mit eigenen Ideen. So schaffen und sichern Sie eine prosperierende Gemeinschaft.

Ein zerstörter Wald wie der Neuborner Busch steht jedoch für das Negative, das unsere Gesellschaft für die absehbare Zukunft belasten wird. Klimawandel, Überhitzung, Trockenheit, Überflutungen – kurz: Zerstörung. 

Mit natürlichen Grüßen,
Bürgerinitiative Neuborner Busch

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3 Kommentare

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  1. Die Lösung ist doch relativ einfach: Wenn Herr Krüger unbedingt bauen will, dann soll er bauen – und zwar auf einem der bisherigen Parkplätze. Unten ein oder zwei Stockwerke Autos, oben die Verwaltung der Firma. Der Wald wird erhalten, ein hässlicher Parkplatz “verschwindet”, und die Firma bekommt ein schönes, repräsentatives Gebäude. Win-win-win!

  2. Weil ihn wie viele Politiker nicht kümmert, was er irgendwann einmal gesagt hat. Man hätte damals einen Schwur verlangen sollen, den er aber nicht geleistet hätte, weil kein Politiker sich gerne auf frühere Aussagen festnageln lässt. Außerdem würde er, heuet darauf angesprochen, behaupten, die Verhältnisse hätten sich in 6 Jahren so verändert, dass damalige Äuß0erungen keine Gültigkeit mehr haben könnten.

  3. Weis der Bürgermeister nicht mehr was er sagt. Schon mit Schreiben vom 19.3.12,hat er mir mitgeteilt, dass Krüger über ausreichend eigene Flächen verfügt und meine Sorgen um den Wald unbegründet wären. Wie kann er jetzt etwas anderes behaupten?