In der vierten Folge der Krimiserie von Oliver Buslau  trifft Gero Gladberg auf einen Hehler, der ihm eine haarsträubende Geschichte erzählt und zu einer Tour rund um die Saaler Mühle animiert. Hören Sie es sich an, rätseln Sie mit und gewinnen Sie. 

Text: Oliver Buslau
Illustration: Antje Schlenker-Kortum
Sprecher und Produzent: Klaus Graf

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Glück muss man haben, dachte Gero Gladberg, als Willy Benrath, seines Zeichens Hehler für wertvolles Diebesgut, einen Ring aus einer Schatulle nahm und ihn auf den Tisch legte.

Niemand würde darauf kommen, dass in diesem schäbigen Dellbrücker Hinterhof so etwas verkauft wurde. Man musste es wissen – und Gero Gladberg wusste es. Was dagegen Willy nicht wusste, war, dass er keinen wirklichen Käufer, sondern einen Detektiv aus Bergisch Gladbach vor sich hatte.

Gero Gladberg, der als Privatschnüffler arbeitete und in seiner Freizeit Bergische Krimis schrieb, war für eine Versicherung unterwegs. Sein Auftrag: den von einem Gladbacher Juwelier geraubten Schmuck wiederbeschaffen und den Schuldigen ermitteln. Und nun war er gerade auf den ersten Hinweis gestoßen.

„Ist da, wo das herkommt, noch mehr davon?“, fragte er Benrath.

Der Hehler zögerte. „Kommt drauf an, was dir die Sache wert ist.“ Er räusperte sich. „Ich will mal so sagen – ich könnte noch mehr beschaffen.“

„Das heißt, du hast es noch nicht“, stellte Gladberg klar. „Das ist mir zu kompliziert. Lassen wir es also.“

„Warum so eilig“, rief Benrath, plötzlich ganz aufgeregt. „Ich komme an die Sachen ran. Kein Problem. Sagen wir, in drei Tagen?“

Gladberg blieb kühl. „Das dauert zu lange. Das Zeug ist heiß, wie wir beide wissen.“ Er nahm den Ring und betrachtete ihn genau. „Es gehört zur Beute eines Raubes in Bergisch Gladbach. Wusstest du das eigentlich?“

Benraths Miene blieb unbewegt. „Damit hab ich nichts zu tun“, sagte er.

„Nicht?“, fragte Gladberg. „Und wieso kannst du dann den Rest beschaffen? Wie bist du überhaupt an das hier gekommen?“

„Bist du ein Bulle?“, fragte Benrath. Gladberg erließ sich die Antwort. Hinter Benraths Stirn schien es zu arbeiten.

Daraufhin erzählte er Gladberg eine haarsträubende Geschichte. „Vor vier Tagen kam jemand und verkaufte mir dieses eine Stück. Dazu gab er mir eine handgezeichnete Karte, auf der markiert ist, wo sich das Versteck der übrigen Beute befindet. Die habe ich ihm abgekauft.“

„Spielen wir jetzt Schatzinsel, oder was?“, fragte Gladberg und grinste.

„Mit Insel liegst du gar nicht mal so falsch“, sagte Benrath ernst. „Ich werde dir aber nicht auf die Nase binden, wo sich das Versteck befindet. Komm in drei Tagen wieder. Dann habe ich alles da. Über den Preis reden wir dann.“

Der Detektiv überlegte. Benrath wollte Geld für einen Hinweis auf ein Versteck bezahlt haben? Wie konnte er denn wissen, ob sich die Beute wirklich an dem angegebenen Platz befand? „Ich weiß, das klingt verrückt, aber ich habe den Ort schon ausgekundschaftet“, versicherte Benrath.

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Gladberg ging, behielt den Hinterhof aber im Auge und wartete, bis der Hehler das Gelände verließ. Als die Dunkelheit hereingebrochen war, schlich er hinüber zu dem Gebäude und brach ein.

Es dauerte gar nicht lange, bis er in einer Schreibtischschublade einen Umschlag fand, in dem sich ein gefaltetes Blatt mit einer gezeichneten Karte befand. Im Schein seiner Taschenlampe erkannte Gladberg den Umriss des Bensberger Sees, den die Gladbacher im Volksmund „Saaler Mühlenteich“ nannten.

Die entfernt an ein Herz erinnernde Form war in Nord-Süd-Richtung dargestellt. Einige kastenförmige Eintragungen rechts stellten wohl das Mediterana dar. Die Golfplatzstraße schwang sich in einem Bogen oberhalb vorbei. Kleinere Kreise innerhalb des Umrisses zeigten die drei winzigen Inseln, die in dem See lagen. Die mittlere, die rechts oben gleich gegenüber des Spielplatzes Golfplatzstraße lag, war mit einem Kreuz versehen. Das war also die „Schatzinsel“.

Gladberg fotografierte die Zeichnung mit seinem Handy, steckte die Karte wieder in das Kuvert und verstaute dies wieder im Schreibtisch.

Plötzlich hörte er von draußen Schritte. Im Hof ging Licht an. Benrath war zurückgekommen!

Ein zweiter Ausgang führte in eine Garage. Die war zwar ebenfalls verschlossen, aber hier konnte sich Gladberg verstecken, bis Benrath, der wohl etwas vergessen hatte, wieder ging. Als er im Schein der Lampe zurückgehen wollte, bemerkte er in der Ecke einen unförmigen Haufen Folie, der sich als kleines, nicht aufgepumptes Schlauchboot entpuppte. Daneben lagen zwei Ruder, ein Stück weiter wartete eine Tretluftpumpe.

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Gladberg fuhr zurück in seine Wohnung. Dort erwartete ihn ein Anruf auf dem AB. Sein Verbindungsmann von der Versicherung hatte versucht ihn zu erreichen.

„Die Polizei hat eine Verbindung zu dem Hehler Willy Benrath gefunden“, sagte er. Klar, dachte Gladberg, so weit bin ich auch schon.

„Benraths Wagen wurde bei dem Raub in der Nähe des Juweliers beobachtet“, fuhr der Mann fort. „Es könnte also sein, dass er nicht nur das Diebesgut angekauft hat und weiter veräußern will. Vielleicht war er auch selbst an dem Raub beteiligt. Wenn Sie das nachweisen könnten, würde das Ihre Belohnung erhöhen. Und da wäre noch etwas … Die Polizei sagt, dieser Benrath sei dafür bekannt, sich die abenteuerlichsten Geschichten auszudenken, um ein Alibi zu erfinden.“

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Am nächsten Tag machte Gladberg wieder einen seiner Ausflüge mit dem E-Bike. Da er in Lückerath wohnte, war die Saaler Mühle nicht weit. Nach ein paar Minuten Fahrt legte er eine Pause an dem Spielplatz ein, den man von der Golfplatzstraße aus erreichte.

Nachdenklich blickte er zu den Inseln hinüber. Sie waren von hohen Bäumen und Büschen bedeckt. Wenn Benrath es geschickt anstellte und im Dunkeln hinüberfuhr, konnte er bei der ganzen Sache unbemerkt bleiben und die Beute bergen.

Hatte Benrath selbst den Raub begangen? Und die Geschichte von der Karte war nur ein Versuch, sich ein Alibi zu verschaffen?

Nachdenklich umrundete Gladberg auf dem Fahrrad den See. Er fuhr am Spielplatz weiter, kam dann auf der östlichen Seite an, wo sich so gerne die Kanadagänse aufhielten. Die Karte, die er bei Benrath entdeckt hatte, stand ihm vor dem geistigen Auge. Er erreichte die Seite, auf der das Mediterana lag. Und hier kam Gladberg plötzlich die Erkenntnis.

Die Geschichte, die ihm der Hehler aufgetischt hatte, war gelogen. Weder Benrath noch sonst jemand war auf der Insel gewesen. Und versteckt war dort auch nichts. Was darauf schließen ließ, dass Benrath den Schmuck selbst gestohlen hatte.

Jetzt sind Sie dran

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Zur Person: Oliver Buslau – bitte anklicken
lebt seit 1992 in Bergisch Gladbach. Schon als Schüler und Student schrieb er für Zeitungen und war als Komponist und Musiker tätig. Nach dem Studium in Köln und Wien arbeitete er bei EMI Classics, als Verlagsredakteur und freier Autor von Texten über klassische Musik.

Seit 1999 schreibt Buslau Kriminalromane. Bekannt wurde er mit der Serie um den Wuppertaler Privatdetektiv Remigius Rott. Seit 2015 steuert er Geschichten zur Serie „Cotton Reloaded“ und seit 2017 zur klassischen Jerry-Cotton-Heftromanreihe bei. Auch als Autor vom Kurzkrimis und Kurzgeschichten hat sich Buslau einen Namen gemacht.

Als Musiker ist er Bratschist in Amateurensembles – unter anderem im Sinfonieorchester Bergisch Gladbach und im Bergisch Gladbacher Kammerorchester „Concertino“.

In seinen Krimis und anderen Büchern schlägt er immer wieder die Brücke von der Musik zur Literatur: 2017 veröffentlichte er den populären Musikführer „111 Werke der klassischen Musik, die man kennen muss“.

Foto: Susanne Prothmann

Alle Bücher von Oliver Buslau finden Sie im Online-Shop der Buchhandlung Funk.

Mehr Informationen über Buslau finden Sie auf der Website und in diesen Beiträgen 

Alle Folgen der Gladberg-Serie können Sie hier anhören und nachlesen:

Gero Gladberg und der Deal an der Strunde: Die Lösung

Gero Gladberg und der Deal an der Strunde

Gero Gladberg und seine SchöpferInnen

Gero Gladberg und das Bruch-Rätsel: Die Lösung

Gero Gladberg und das Max-Bruch-Rätsel

„Gero Gladberg und die Fahrerflucht”: Die Lösung

Gero Gladberg … und die Fahrerflucht

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Oliver Buslau

spielt seit 2013 im Sinfonieorchester Bergisch Gladbach Bratsche. Der studierte Musikwissenschaftler arbeitete bei der Schallplattenfirma EMI Classics, und ist unter anderem Autor von zehn Bergischen Kriminalromanen. 2017 veröffentlichte er das Sachbuch „111 Werke der klassischen Musik, die man kennen...

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3 Kommentare

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  1. Immer mit der Ruhe : die Einbruchserie ist so ausserwöhnlich , dass sie vielleicht eine literarische Grundlage für Gero Gladberg wäre . Alles Gute

  2. Er ist Privatdetektiv, nicht Polizist. Sie können Ihn gerne beauftragen, wir vermitteln Ihnen den Kontakt.

  3. Warum kümmert sich Gero Gladberg nicht um die zahlreichen Schuleinbrüche ? Da wäre Literatur und Realität vor Ort gut zu verbinden !