Der Entwurf der Stadtplaner für den „neuen” Emilienbrunnen stößt bei vielen Bensbergern auf Protest. Dabei wird nicht nur auf seine Geschichte und Gestalt, sondern auch auf seinen sehr besonderen Standort hingewiesen. Das haben wir uns genauer angeschaut.

Die Schlossstraße führt eigentlich vom Bensberger Schloss hinunter ins Tal, direkt auf den Kölner Dom zu. An der Ecke zur Nikolausstraße zweigt der Arm ab, der als Einkaufsstraße bekannt ist.

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Und genau an dieser Ecke liegt, zur Zeit häufig von einer Verkehrssperre verdeckt und wenig gepflegt, der geschichtsträchtige Emilienbrunnen mit seinen vier charakteristischen Schalen vor einem Mini-Massiv aus Korallenkalk. In dieser 360-Grad-Aufnahme können Sie den Brunnen genauer anschauen:

Das folgende kurze Video zeigt einen Anflug auf die Straße und erlaubt den Blick zum Schloss, zum Brunnen, hinunter nach Köln und schräg hinauf zur Kirche St. Nikolaus, die von den Bäumen fast verdeckt wird.

In der folgenden 360-Grad-Aufnahme des Überfliegerteam können Sie die Perspektiven selbst nachverfolgen.

Die Stadtverwaltung plant, im Rahmen der kompletten Umgestaltung der Schlossstraße, das Brunnen-Massiv abzutragen und den auf seine Kernelemente reduzierte Brunnen an einer Mauer im Hintergrund zu installieren.

Ziel der Stadtplaner sei es, den öffentlichen Raum zwischen Nikolaus-Kirche, Schloss und Schlosstraße „aufzuweiten und hierdurch ein angemessenes Entrée für die historische Lindenallee zum Schloss hinauf zu schaffen”, bestätigen die Planer in der Beschlussvorlage, die an diesem Dienstag im Ausschuss für Umelt, Klima, Infrastruktur und Verkehr beschlossen werden soll. (Details finden Sie hier.)

Aus der Entwurfsplanung des Club L 94

Dieser Plan wird von Michael Werling, Architekt, Denkmalschützer und Vorsitzender des Bergischen Geschichtsvereins, begrüßt. Der Brunnen sei – auch in Absprache mit dem Landschaftsverband – nicht denkmalwürdig und müsse reduziert sowie zurückversetzt werden, um Platz für ein neues „Emilienplätzchen” zu schaffen. Laut Werling eine „sehr verträgliche Lösung”.

Im Gegensatz dazu laufen viele Kritiker, die sich in den vergangenen Tagen im Bürgerportal und auf Facebook zahlreich zu Wort gemeldet haben, Sturm gegen die Pläne.

Hinweis der Redaktion: Die gesamte Entwurfsplanung für die Schlossstraße wird am Dienstag, 9.6., im AUKIV debattiert. Die voraussichtlich sehr lange Sitzung beginnt um 17 Uhr, hier finden Sie alle Dokumente zur Schlossstraße.

Die Kritiker halten nicht nur den Umgang mit dem Brunnen für respektlos, sondern warnen auch vor einem massiven Eingriff in die Blickbeziehungen an dieser besonderen Kreuzung.

Zudem würden die Windverhältnisse an dieser Stelle das „Emilienplätzchen” zu einem unwirtlichen Ort machen, warnen alte Bensberger.

Eine Auswahl der Stimmen:

Paul Falk: „Nun soll auch noch eines der wenigen Überbleibsel des alten Bensbergs dem Modernisierungswahn geopfert werden. Diese „Neuinterpretierung“ des Emilienbrunnens macht mich fassungslos. Diesen Brunnen kenne ich seit meiner Kindheit und ich bin oft an seinen rauen Steinen herumgeklettert. Jetzt stört der Brunnen nach der Meinung ortsfremder Planer die freie Sicht auf die Kirche St. Nikolaus. Diese Backsteinbasilika steht dort seit fast 150 Jahren. Auch der Emilienbrunnen hat seit dem Ende des 19. Jahrhunderts seinen Platz an der Auffahrt zum Schloss. Mir ist nicht bekannt, dass sich jemals ein Bensberger über die bestehenden Blickverhältnisse auf die Kirche beklagt hat.”

Die untere Schlossstraße, Nikolausstraße, der Blick zum Schloss, obere Schlossstraße und erneut der Blick nach Westen

Ulrich Strasser und Doris Strasser-Lappe: „Für uns liegt die gravierendste Veränderung darin, dass die Symmetrie der Sichtachse am Beginn der Auffahrt zum Barockschloß verlorengeht.Diese Sichtachse erscheint uns in jedem Fall deutlich wichtiger als die Sichtachse in Richtung St. Nikolaus.”

Lothar Eschbach: „Die Planer haben ganz offensichtlich gar nicht wahrgenommen, dass die historische Lindenallee zum Schloss hinauf das angemessene Entrée für das Schloss ist. Es bedarf keiner Ausweitung, es muss im Gegenteil allein schon zur Verhinderung einer Verstümmelung der historischen Lindenallee dieser Eingriff untersagt werden. Völlig abgesehen davon, dass diese Planung nur eine Ausweitung hin zur Schlossstrasse bedeutet, weil Richtung Schloss die Abgrenzung durch den Berg nur höher wird und zur dann nur einseitig verkürzten Auffahrt hin auch nochmals eine Treppe entsteht. Hier ist im Kern die Historie des Ortes betroffen.”

Peter Wagener: „Der Plan ist kalt, unpassend und geschmacklos. Das Andenken an eine engagierte Wohltäterin und edle Gönnerin Bensbergs muss in angemessener Weise liebevoll gestaltet sein und nicht frevelhaft historisch verändert werden! Ich appelliere an den AUKIV alles zu tun, dass dieser geschichtsträchtige Brunnen in seiner heutigen Form erhalten bleibt und nicht ein weiteres Erinnerungsstück in ein hässliches Neutrum umgebaut wird.”

Ulrich Müller-Frank: „Die Versuche der Planer von Club L 94, den Emilienbrunnen „umzuinterpretieren“, kommen in meinen Augen zu Ergebnissen, die nicht an den Reiz des Istzustandes herankommen, seiner Bedeutung nicht gerecht werden und die zudem keineswegs überzeugend begründet sind. Der AUKIV möge eine solche Beschädigung von Bensberg verhindern.”

Gerd Müller: „Der Brunnen vor einer Betonwand wirkt deplaziert wie ein Hängeklo in der Fußgängerzone.”

Die Kommentare im Wortlaut und viele weitere können Sie hier nachlesen. Auch auf Facebook gibt es in der Schlossstadt-Bensberg-Gruppe eine sehr kritische Debatte.

Die 360-Grad-Aufnahmen wurden vom Überfliegerteam produziert.

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Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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8 Kommentare

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  1. Auch im Fall des Emilienbrunnens fragt man sich mal wieder, worum es bei der sogenannten “Stadtplanung” geht. Um die Wünsche und das Wohlbefinden der Bürger geht es jedenfalls offensichtlich nicht. Vielmehr darum, dass sich die Planer des – man fasst es nicht, es nennt sich auch noch “Landschaftsbüro” – selbst verwirklichen wollen und dies auch zugelassen wird, nein, sogar noch teuer bezahlt wird. Das sind Leute, die nicht den geringsten Bezug zur Geschichte des Ortes oder zum Befinden der dort lebenden Menschen haben. Es geht nur um die völlig losgelöste Durchsetzung eines Konzeptes, das auf jeden beliebigen Ort angewandt werden könnte.
    Und um den Erhalt durchaus erhaltenswerter Dinge – seien es Gebäude, Pflanzen oder sonstiges -, die einen historischen Ortsbezug, Schönheit und Individualität vereinen, geht es schon garnicht.
    Der Emilienbrunnen ist – ganz abgesehen von seiner historischen Bedeutung, das Gedenken an Emilie Schmitz – ein Kleinod, und zwar genau in der Form, in der er da steht. Der Hügel aus Korallenkalk, aus dem die Wasserbecken herauswachsen, gehört genauso zum Brunnen wie die Schalen. Und genau das macht das Besondere des Brunnens aus. Die vier Wasserbecken an eine glatte Wand zu klatschen ist ein Obermist, da bleibt nichts Schönes übrig.
    Ah, darum geht es wohl. Alles Schöne und Individuelle platt zu machen und durch sterile Wände, Mauern, Treppen zu ersetzen.
    Michael Werling bekleckert sich da auch nicht gerade mit Ruhm, Stil oder Geschmack.
    Das Gleiche gilt auch für die “große” Idee, die Sichtachse auf St. Nikolaus freizumachen. Hat diese Sichtachse je irgendjemandem gefehlt? Nein! Aber dafür müssen natürlich Bäume abgeholzt werden. Oh ja, es werden Neue gepflanzt. Aber wie lange dauert es, bis die dann wieder Schatten und Kühle spenden – oder gar die Stadtluft reinigen?
    Mich packt der kalte Zorn!

  2. Danke für die Übersicht und die Möglichkeit zur Diskussion!

    Neben der ganzen Kritik auch mal was Positives: Ich finde es gut, wenn der Brunnen nach hinten versetzt wird und ein kleiner ‘Platz’ dort entsteht. Da dort bisher nur ein schmaler Bürgersteig ist, kommt der eigentlich schöne Brunnen überhaupt nicht zur Geltung – ich bin selbst viele Jahre achtlos daran vorbeigelaufen.

    Weniger schön finde ich dagegen die Idee, den Brunnen an eine sterile graue Wand zu ‘klatschen’. Erst das Ensemble mit dem künstlichen bewachsenen ‘Felsen’ macht den Reiz des Emilienbrunnens aus. Die ‘Entwurfsplanung’ erinnert optisch doch sehr an ein öffentliches Freiluft-Klo.

    Also: Versetzt ihn gerne ein paar Meter, aber lasst den Felsen +/- wie er ist!

  3. Liebe Redaktion, eigentlich wollte ich Ihnen nur die Chance einräumen, das Zitat zu korrigieren, weil es so unglaublich anspruchslos und ergeben klingt. Nun bestätigen Sie es tatsächlich, was das Zitat ja jetzt ohne Zweifel nicht besser macht.

  4. Sehr geehrter Herr Eschbach, es ist ein Zitat von Michael Werling, von uns zum Teil in indirekter Rede wiedergegeben. Welchen Grund haben Sie, unserer Berichterstattung in Zweifel zu stellen?

  5. Ein völliger Unsinn, der hier von Herrn Werling zitiert wird, zumindest kann ich mir nicht vorstellen, dass es ein Zitat ist. Weder muss der Brunnen zurückgebaut noch zurückversetzt werden. Das ergibt sich lediglich aus dem planerischen Ansatz der vorgeschlagen wurde, hier einen Platz anlegen zu wollen. Außerdem würde dieser Platz die gleichschenkelige, historische Auffahrt zum Schloss Bensberg zerstören. Der Platz wird auch nicht gefälliger durch die Wortwahl “Emilienplätzchen“. Auch wenn der Brunnen nicht denkmalwürdig sein soll oder tatsächlich auch ist, aufgrund der hinlänglich bekannten Diskussionen mit den Bürgern und der besonderen Bedeutung für diesen Ort sollte er erhalten werden wie er ist.
    Auch den Eindruck, der hier erweckt wird oder entstehen kann, als ob der Geschichtsverein oder gar der LVR dieser Lösung zugestimmt hätten, dem möchte ich hier wiedersprechen. Eine Zustimmung des LVR ist sicher nicht erforderlich, es sei denn, wegen der historischen Auffahrt zum Schloss, die dadurch zerstört würde und es gab zu diesem Thema wie auch zu anderen Themen des Geschichtsvereins bislang keine fachliche Diskussion und auch keinen Meinungsbildungsprozess in den Gremien des Vereins, wo ich langjähriges Mitglied bin. Die Corona Kriese machte die ausstehende Versammlung bislang unmöglich.
    Wenn Herr Werling also von eine „sehr verträgliche Lösung“ gesprochen haben sollte, dann mag das seine persönliche Meinung sein, eine abgestimmte Meinung des Geschichtsvereins ist es jedenfalls nicht.

  6. Sehr geehrter Herr Schulze, nur das Aufmacherfoto zeigt den Brunnen (ein wenig) verzerrt. Sowohl die 360-Grad-Video zeigen den Brunnen wie er ist.

  7. Ich finde es ein schade, dass die Fotos im Beitrag den Brunnen weitgehend häßlich verzerren. Der Brunnen ist bestimmt keine “Schönheit”, aber so schlimm dann doch nicht. Insbesondere im Gesamtbild mit der Treppenanlage aus Naturstein und der Bepflanzung sieht er derzeit doch ganz passabel aus. Im letzen Beitrag (“So soll der neue Emilienbrunnen aussehen”) kam er nicht so schlecht davon.

    Ohnehin empfehle ich die Lektüre dieses letzten Beitrags, insbesondere da hier die Kommentare der Leserschaft ohne Selektion durch die Redaktion vollständig zu finden sind und m.E. einen ganz guten, beispielhaften Überblick geben über die kritischen Meinungen der Bürgerschaft.

    Für mich sieht die geplante Lösung für den Emilienbrunnen ziemlich billig und einfallslos aus. Es fehlen noch Druckspüler und Handwaschbecken …

    Es wäre wirklich sehr schade um das heutige, individuelle und für Bensberg historisch bedeutsame Brunnenensemble, eingebettet in Naturstein und Bepflanzung.

    Es wäre ebenfalls schade um die interessierten Diskussionen und Stellungnahmen in der Bürgerschaft, die bei der Stadtverwaltung bisher so wenig Interesse fanden.

  8. Liebe Leser,

    mit Erschrecken habe ich den Artikel zum neuen Standort und der Verunstaltung eines alten Bensberger Denkmals –Emilienbrunnen—gelesen.
    Wenn dann auch noch die Information erhält, dass der Geschichtsverein solch einem Schwachsinn zustimmt, frag man sich, was die Meinung der Bevölkerung noch wert ist.

    Nur weil ein paar junge Architekten aus Köln, das Bauamt unserer Stadt und die von uns gewählten führenden Politiker dies so wollen, kann man sich nicht über die Wünsche vieler, ja tausender Bensberger einfach hinwegsetzen.

    Wir haben gegen das Versetzen des Brunnens und das unsinnige Abholzen der Bäume ( die dieses Jahr zu größten Teil mit einer traumhaften Blüte die Bürger erfreut haben und jetzt in vollem Saft stehen aber in „Wirklichkeit“ ja „krank“ sind) über 3000 Unterschriften beim Bürgermeister Urbach abgegeben, die dieser mit Widerwillen und respektlos entgegen genommen hat und anscheinend keinen dieser oben genannten Institutionen interessiert hat.

    Und wenn ich dann lese, „ die Bevölkerung ist beteiligt worden“, schwillt mir der Hals.

    Auch wenn der alte Brunnen inkl. Gestaltung dort ja die Architekten in Ihren Plänen für den neuen Eingang Bensberg stört, hat keiner das Recht unsere Wünsche zum Erhalt dieses Denkmales mit Füssen zu treten und statt Dessen eine „sterile“ Steinwand mit den Resten des Brunnens ins Abseits zu stellen.

    Statt wie es der Bürger gerne hätte, den alten Brunnen so wie er ist stehen zu lassen, oder einfach nur nach hinten (genau so) zu verlegen und ihn damit zu erhalten, will man mit aller Macht einen neuen Platz erschaffen, um eine freie Sichtachse auf die Kirche zu erhalten.

    Wer bitte schön wird diesen von Zugwind geprägten Platz denn jemals nutzen um auf die Kirche zu gucken oder sich „ruhig“ hin zu setzen und ein Eis zu essen. Auch wenn hier die Gehfläche größer wird und eine Bank um einen Baum stehen soll, bleibt diese Fläche eine unruhige, zugige Ecke an einer Kreuzung mit Autoverkehr und Wind.

    Sollte diese Planung in die Tat umgesetzt werden, kann man nur hoffen, dass die Bürger bei der kommenden Wahl diese Entscheidung gegen sie, bei ihrer Stimmvergabe berücksichtigen.

    Wolfgang Boden