Abhängen mit Alkohol. (v.l.: Zora, Ed, B12, Pinky)

Das junge Ensemble des Theas Theater begibt sich in seiner 10. Produktion auf die Spuren von Straßenkindern. Auf Basis intensiver Recherchen befasst sich das Stück mit dem Alltag junger Obdachloser, fragt nach den Ursachen für solche Schicksale und ob es Möglichkeiten gibt, sie zu verhindern.

Die Premiere findet am Freitag (10.11.) statt, aber ich durfte bereits bei einer Probe dabei sein.

Das „Junge Ensemble“ besteht aus jungen Schauspielern, von denen einige gerade ihre erste Bühnenerfahrung machen, und anderen, die schon drei bis vier Mal bei früheren Produktionen dabei waren. Diese Gruppe hat die Problematik der Obdachlosigkeit durchdrungen und vermittelt sie auf der Bühne sehr authentisch.

Das Stück handelt vom Leben der Straßenkinder. Es hat mich am Ende sehr betroffen und etwas sprachlos sitzen lassen, obwohl mir das Problem als solches bekannt ist. Und wem ist es nicht bekannt? Jeder weiß davon, aber kaum jemand spricht darüber. Auch in den Medien ist das Thema eher ein Stiefkind.

B12 und Tabasco bei einer sozialen Essensausgabe. Sie beobachten Tobi, wie er mit einem Karton spricht.

Die Hauptpersonen decken eine breite Palette der unterschiedlichen Charaktere ab, die auf die Straße geraten und dort eine Weile oder für immer leben:

B12: Ein Mädchen, das seinen Namen vergessen will und darum einen Neuen bekommt. Sie hat ihr Zuhause verlassen, ist obdachlos, findet Freunde unter den Straßenkindern. Sie verliebt sich in Ed, übernimmt alle Verantwortung für sich und Ed, ist überfordert, gerät an die Nadel, startet einen Entzug und bricht ihn ab. Warum sie obdachlos wurde und wie ihre Geschichte endet erfährt man erst in der Schluss-Szene.

Ed: Der älteste der Gruppe, ein Junkie, kaputtes Elternhaus, ein Elternteil tot, der Bruder, der sich kümmern soll, sitzt im Knast. Als der da rauskommt, verlässt Ed B12 und geht mit dem Bruder nach Spanien.

Zora: die abgebrühteste der Gruppe. Sie bettelt mit skurrilen Geschichten Passanten an, macht Einbrüche, wird von der Polizei aufgegriffen, Jugendhilfeeinrichtung, flieht bei einem Zahnarzttermin wieder auf die Straße.

Tabasco: Er hat es „geschafft“, wohnt bei einem Freund, prostituiert sich für diesen und dessen Freunde, hat reichlich Geld, das er für Drogen ausgibt, um die Prostitution zu vergessen.

Tabasco in der schicken Wohnung seines Freundes, wo er alles hat, was er braucht.

Die „Systemhure“ ist eine gleichaltrige Schülerin, die den Straßenkindern empfiehlt, doch einen Entzug zu machen und arbeiten zu gehen. Gut meinend, aber völlig ahnungslos.

Frankie hilft ehrenamtlich in der „Institution“, die obdachlosen Jugendlichen hilft, wieder Boden unter die Füße zu bekommen, aber nicht immer erfolgreich ist. Bei Frankie dürfen die Jugendlichen hin und wieder übernachten.

Die „Systemhure” im Institut, bei Frankie

Tobi mit Gandalf, der Ratte: Er tut alles für seine Ratte, das einzige Lebewesen, das ihm geblieben ist. Leistet aber B12 einen zweifelhaften Dienst, indem er ihr den Stoff besorgt, mit dem diese dann den Entzug abbricht.

Tobi mit seiner Ratte Gandalf im Karton

Pinky: ist nicht obdachlos, wohnt beim Vater, der aber nie da ist und sie nicht wahrnimmt. Sie hat ein Dach über dem Kopf aber kein Zuhause. Hängt mit den Obdachlosen herum und findet deren vermeintliche Freiheit geil.

Melina: Sie ist zuhause abgehauen, weil sie dort Streit hatte. Sie trifft B12 und merkt schnell, dass sie doch lieber wieder nach Hause will.

Melina hält Kontakt mit B12, nachdem sie wieder zuhause ist.

Die Bühnenbilder wurden von den Schauspielern selbst umgebaut und bestehen aus Regalen, die Requisiten aus Regalböden. Die Örtlichkeiten erkennt man durch Hintergrundgeräusche und Musik.

Die Farbe der Kleidung – schwarz und weiß – differenziert die Menschengruppen in Obdachlose und normal Gesellschaft. Auf diese Weise wird die Distanz zwischen beiden Gesellschaftsgruppen gut zum Ausdruck gebracht, denn Kontakt mit den weiß gekleideten Figuren findet kaum statt.

B12 auf einer Parkbank, zitternd und am Ende.

Die Regisseurin Kristin Trosits berichtet, dass die Handlung zum Teil frei erfunden ist. Zum Teil haben aber auch Straßenkinder über Whatsapp ihre Geschichten erzählt, die ebenfalls in das Stück eingeflossen sind.

Theas bietet „Im Schatten“ auch als Schulvorstellung am Vormittag an. Einige Schulen haben sich bereits angemeldet, aber es gibt noch freie Termine. Das Theater würde sich sehr freuen, wenn noch mehr Schulen diese Möglichkeit nutzen. Das Thema ist wichtig genug. Das Theaterstück wird vom Familienministerium in NRW unterstützt.

Schulvorstellungen: 14.* / 15.* / 20.* und 22.* November, jeweils um 10 Uhr.

Abendvorstellungen:
Premiere am 10. November / weitere am 12. / 17.* / 18.* / 24.* und 25.* jeweils um 20 Uhr.

Alle Termine mit * sind mit Publikumsgespräch nach der Vorstellung.

Eintritt: Erwachsene 14 Euro, Ermäßigt 9 Euro

Kontakt und Reservierungen: 02202 9276 5015, Theas Theater, Jakobstr. 103, Website

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