Wohnraum ist in BGL teuer. Dennoch funktioniert es, Flüchtlinge privat unter zu bringen

Bürgermeister Lutz Urbach und die Fachbereichsleiterin für Soziales, Beate Schlich, betonen es immer wieder: Die Stadt Bergisch Gladbach braucht dringend privaten Wohnraum, damit sie die wachsende Zahl von Flüchtlingen nicht dauerhaft in Turnhallen, Containern und demnächst auch Zelten unterbringen muss.

Allerdings haben sich in den letzten Tagen einige Leser des Bürgerportals mit Berichten gemeldet, die dazu überhaupt nicht passen. Sie wollten eine Wohnung zur Verfügung stellen, seien aber von den zuständigen Stellen der Stadt abgewiesen worden. Mit kaum glaubhaften Begründungen.

Nur Einzelzimmer für Flüchtlingskinder?

Zum Beispiel sei eine 82 Quadratmeter-Wohnung in Refrath für 700 Euro plus 250 Nebenkosten/Garage als zu teuer abgelehnt worden, berichtet ein Leser. Die Frau im Sozialamt habe 611 Euro geboten, mehr sei für drei Personen nicht drin.

Bei einem anderen Angebot habe der Sachbearbeiter eine 85 Quadratmeter große 2,5-Zimmer Wohnung ebenfalls abgeschmettert. Die Begründung: „Flüchtingskindern ist nicht zuzumuten, zu zweit in einem Zimmer zu schlafen”.

Beate Schlich, Fachbereichsleiterin Jugend und Soziales, kämpft um jede Wohnung

Beate Schlich, mit dieser Zurückweisung konfrontiert, reagiert überrascht. Sie räumt sofort ein, dass bei der aktuellen Überlastung in ihrem Amt Fehler passieren können – „aber das kann ich mir einfach nicht vorstellen. Wir bringen in solchen Wohnungen meistens deutlich mehr Menschen unter.”

Die Fachbereichsleiterin und auch der Bürgermeister hatten sofort auf Facebook auf die Kritik reagiert und sich für ein Gespräch zur Verfügung gestellt: „Wir stehen unter Stress in der Verwaltung. Daher hier noch einmal die Bitte: Bitte schicken Sie/schickt mir eine Mail an l.urbach@stadt-gl.de; wir kümmern uns!”

Fragen Sie nach!
Bürgerversammlung Frankenforst: 15.9., 18 Uhr, Otto-Hahn-Schulen
Bürgerversammlung Paffrath, 22.9., 18 Uhr, IGP

Was kann, was will die Stadt zahlen?

Mit Blick auf die Miethöhen erläutert Schlich, dass die Stadtverwaltung natürlich nicht jede geforderte Miete zahle. Sie sei aber in der derzeitigen Notlage zu vielen Kompromissen bereit.

Grundsätzlich gelten die Sätze des Jobcenters (SGB 2/Hartz IV) als Orientierung. Denn nach 18 Monaten ist das Jobcenter für die Finanzierung zuständig – und wenn die tatsächlichen Mieten dann höher sind  müssen die Menschen wieder ausziehen. Diese Sätze sehen so aus:

  • eine Person: 423,50 Euro
  • zwei Personen: 514,80 Euro
  • drei Personen 611,60 Euro
  • vier Personen: 713,90 Euro
  • fünf Personen: 810,70 Euro
  • sechs Personen 907,50 Euro
  • jede weitere Person: 96,80 Euro

Hinzu kommt eine Heizkostenpauschale. Nimmt man also die oben beschriebene Refrather Wohnung mit 82 Quadratmetern und belegt sie mit einer fünfköpfigen Flüchtlingsfamilie, kann eine Miete von 810 Euro plus Heizung nach SGB 2 finanziert werden. Das sind zwar noch nicht ganz die geforderten 950 Euro (inklusive Tiefgarage) – aber eine Einigung scheint erreichbar.

Handlungsspielräume austesten

Im früheren Lübbe-Gebäude wohnen 140 Flüchtlinge, die Turnhalle Sand ist randvoll, jetzt werden Container und Zelte gemietet.

Beate Schlich sieht, dass ihre Mitarbeiter unter Umständen nicht immer die Grenzen ihrer Handlungsspielräume austesten und daher womöglich zu früh ablehnend reagieren. Die  Fachbereichsleiterin, die im Moment Woche für Woche rund 50 Flüchtlinge unterbringen muss, die Container und bald auch Zelte anmietet, entscheidet wahrscheinlich anders. Wobei klar ist, dass auch sie  überhöhte Forderungen zurückweist.

Der richtige Weg zur Verwaltungsspitze 

Aktualisierung 14.9.2015: Für die Suche nach Unterbringungsmöglichkeiten hat die Stadt jetzt eine „Task Force Flüchtlinge” eingerichtet, zu erreichen unter  02202 141 492. E-Mail-Anfragen an info@bergischgladbach.de.

Sollte das einmal nicht zum Ziel führen, melden Sie sich direkt beim Bürgermeister (l.urbach@stadt-gl.de) oder bei der Fachbereichsleiterin (b.schlich@stadt-gl.de).

Einer der beiden wird sich schnell melden. Garantiert.

Lesen Sie mehr, reden Sie mit, helfen Sie:
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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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