Ingeborg Schmidt mit Helfern beim Dienst im Straßenkarneval. DRK, Bergisch Gladbach

Auch wenn man es ihr auf Anhieb nicht direkt ansieht, Ingeborg Schmidt hat auch Schwächen. Einfach ganz gelassen im Sessel sitzen und entspannen, das ist nicht ihr Ding. Zum Glück. Denn das, was die MKH-Krankenschwester im letzten Jahr für die Flüchtlinge in der Region geleistet hat, ist schier unglaublich.

Die Rösratherin, die seit fast 30 Jahren Mitglied im Deutschen Roten Kreuz ist, lebt ihren ganz persönlichen Traum: Not sehen und handeln, ohne Wenn und Aber: „Für mich ist es ein Gewinn, mit dem Herzen sehen zu dürfen.“

Sich sozial zu engagieren, ist gut und schön. Aber Stunde um Stunde, Minute um Minute für andere da zu sein, noch dazu ehrenamtlich, über Monate hinweg, das ist ungewöhnlich. Was treibt Ingeborg Schmidt an, warum tut sie sich das alles an?

Vorsitzende des DRK, Krisen-Managerin, Notfallseelsorgerin – im DRK hat sie wirklich schon jeden Job gemacht. „Getreu unserem Leitsatz ist das Maß der Notleidenden für mich ausschlaggebend, nicht mein eigenes Maß. Kraft tanke ich beim Beten,“ sagt Schmidt.

Pflegedienstleitung unterstützt Engagement großzügig

Im Dienst im Marien-Krankenhaus

Schmidt arbeitet seit sieben Jahren als Krankenschwester auf der urologischen Station des MKH. Ihre Tochter Kristina macht im MKH auf der Station 9 ihre Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin. Sie steht kurz vor dem Examen.

„Ich bin sehr froh, dass meine Kolleginnen immer Mal wieder einspringen, wenn ich in den Camps dringend gebraucht werde. Außerdem erhalte ich volle Unterstützung von der Pflegedienstleitung,“ sagt die DRK-Kreisvorsitzende. Sonst würde es wohl auch nicht gehen. Denn wirklich jederzeit steht Schmidt ihren Schützlingen aus Syrien, Iran, Irak und Afghanistan für die kleinen und großen Sorgen des Alltags zur Verfügung.

„Asyl auf Zeit“ für jungen Syrer

Fünf Stunden pro Tag ist sie im Camp Venauen in Rösrath aktiv. „Das können aber auch zwölf werden“, lacht Schmidt. Das Telefon ist rund um die Uhr eingeschaltet. „Wir sind zwar mittlerweile ganz gut eingespielt, aber längst läuft nicht alles rund.“

Ingeborg Schmidt bei einer Teambesprechung in Rösrath

Als ein junger Mann aus Syrien nach einer Operation in eine andere Stadt verlegt werden sollte, hat Schmidt ihn kurzerhand bei sich zu Hause aufgenommen. In Eigenregie hat sie sich um die ärztliche Versorgung in ihrem Heimatort gekümmert. „Ich bin mit zwei Notärzten befreundet. Das hilft.“

Die Frau macht was sie will. Und das nicht immer zur Freude aller. So wurde ihre spontane Asyl-Aktion im September von ihrem Umfeld durchaus kritisch betrachtet. „Ich hätte vielleicht doch vorher zuhause fragen sollen“, gesteht sie ein. Doch heute, ein halbes Jahr später, ist der 29-Jährige wieder gesund – und immer noch Mitbewohner bei der Familie Schmidt.

Ingeborg Schmidt mit Präsident Joachim Gauck  und DRK-Geschäftsführer Reinhold Feistl

Medienstar im Auftrag der Sache

Ihr außergewöhnliches Engagement für die Flüchtlinge ist auch der Politik und den Medien nicht verborgen geblieben. So ist Ingeborg Schmidt schnell zu einem Star in der Szene der Ehrenämtler geworden, nicht nur in RheinBerg. Denn wer mit Ministern, der Kanzlerin und dem Bundespräsidenten im Beisein der Presse diskutieren darf, der hat was zu sagen.

Als Frontfrau des DRK ist Schmidt gern gesehene Gesprächspartnerin, auf allen Kanälen. Dabei weiß sie ihre (Medien-)Kontakte übrigens durchaus gekonnt für ihre Einrichtung zu nutzen: „Lobbyarbeit gehört sicher auch mit dazu, das ist für mich aber nicht das entscheidende“.

Ingeborg Schmidt  bei der ersten Bürgerversammlung in Sachen Flüchtlinge in Sand

Engagiert, herzhaft und kompromisslos

Als Vorsitzende des DRK-Kreisverbands Rheinisch-Bergisches Kreis hat sie eine Vorbildfunktion. Doch das allein erklärt nicht, warum sie sich Tag und Nacht für die Flüchtlinge engagiert: „Menschlichkeit zählt. Und Respekt. Und Würde.“

Ihre schwarzen Augen funkeln, die Körperspannung steigt, die Stimme wird kräftiger. Schnell spürt man, wie ernst es Schmidt ist, wenn es um die Ideale des Miteinanders geht. Toleranz und Menschenwürde sind aus ihrem Mund keine leeren Worthülsen, Ingeborg Schmidt ist bereit für ihre Maxime einzustehen und zu kämpfen.

„Mir wird gelegentlich nachgesagt einen leicht diktatorischen Führungsstil zu haben“, schmunzelt Schmidt. Aber wer etwas bewegen und Menschen von einer Idee überzeugen will, der dürfe nicht ständig „herumeiern.“

In Kontakt kommen und miteinander reden, das sei das Wichtigste, gerade auch für die Jugend. Und als Mutter von vier Kindern weiß sie nur zu gut, was für die Gesellschaft wichtig ist. Nicht nur im Umgang mit den Flüchtlingen.

Die Menschen müssen offener werden, aufeinander zugehen und viel mehr miteinander reden: „Viele Menschen sind gebacken aus Angst. Ich halte hier aber keine reißenden Tiger.“ So rät sie den Bürgern, sich an eine der Freiwilligenbörsen zu wenden und kleinere Aufgaben mit den Flüchtlingen zu übernehmen: Botengänge zu den Behörden, Deutsch lernen, Sport treiben. Das sei im Moment angesagt.

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Nach Gemeinsamkeiten suchen

Ingeborg Schmidt ist sich ganz sicher, dass die Gesellschaft die Mammutaufgabe schaffen wird und die Menschen die Flüchtlinge auf Dauer gut integrieren. Dabei weiß Schmidt nur zu gut, dass es Zeit braucht Vertrauen aufzubauen. „Mut zu haben, die Situation mit anderen Augen zu sehen, kann sehr bereichernd sein.“ Denn auch wenn die Kulturen zwischen den Deutschen und den Ankömmlingen wohl unterschiedlicher nicht sein können, so verschieden seien die Menschen nicht.

„Grundhaltungen des Miteinanders, wie Fürsorge und Nächstenliebe, sind gleich. Das ist entscheidend. Wir müssen uns nur bemühen und nach Gemeinsamkeiten suchen. Nicht danach, was uns trennt,“ bringt Schmidt ihr Credo auf den Punkt.

PR-Berater (Deutsche Akademie für Public Relations)

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