Bergisch Gladbach könnte so kinderfreundlich sein. Die Lage, die Größe, die Natur in der Umgebung – die Voraussetzungen sind bestens. Wären da nicht die veralteten Spielplätze, die schlechte Rad-Infrastuktur, die maroden Schulgebäude und und und. Was Familien in GL an Problemen, aber auch an Schönem erleben, zeigen die Ergebnisse unserer Umfrage.

Wie geht es Familien in Bergisch Gladbach? Was gefällt ihnen, was stört sie, welche Wünsche haben sie? Um das herauszufinden, waren wir vor einigen Wochen auf dem Spielplatz an der Saaler Mühle. Viele haben sich dort mit uns unterhalten – um zu meckern, aber auch um zu loben. Die Themenpalette war breit, das Redebedürfnis groß. 

Damit sich noch mehr Menschen zu Wort melden können, haben wir anschließend eine kleine Umfrage aufgesetzt. Daran haben sich 86 Leserinnen und Leser beteiligt – herzlichen Dank dafür! Hier sind die Ergebnisse, zunächst die Kritik und weiter unten die positiven Punkte.

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Familienfreundlich? Naja

Auf die Frage, wie familienfreundlich sie Bergisch Gladbach finden, antworteten 48 Prozent „okay“ und 46 Prozent „verbesserungswürdig“. „Super“ kreuzten nur 6 Prozent an. Uneingeschränkte Zufriedenheit ist also die absolute Ausnahme.

Bei den „Okay“-Stimmen fällt die anschließende Problemliste meist länger aus als das Lob. Schauen wir uns die Antworten ausführlicher an:

Die Spielplätze: vermüllt, kaputt, lieblos

Spielplatz ohne Schaukeln. Foto: Redaktion

Bei der Frage, welche Probleme Familien in GL erleben, ist der Spitzenreiter eindeutig: 46 Antworten thematisieren hier die Spielplätze in der Stadt, also mehr als die Hälfte der 86 Teilnehmenden. Sie seien ungepflegt, dreckig, vermüllt. Andere seien kaputt oder gesperrt.

Geräte würden abgebaut und nicht ersetzt, insbesondere Schaukeln. Sanierungen würden sich über Jahre ziehen. Kommuniziert werde darüber wenig bis gar nicht.

Die Spielplätze werden von Kinderlosen geplant.

Insgesamt gebe es zu wenige Spielplätze, die wenigen mit interessanten Geräten seien deshalb überlaufen. Denn, auch darin sind sich viele einig: Die bestehenden Spielplätze seien nicht nur „in die Jahre gekommen“, sondern auch „lieblos“, „einfallslos“ oder „fantasielos“. Eine Leserin hat den Eindruck: „Die Spielplätze werden von Kinderlosen geplant“.

Es fehle an Schatten, Barrierefreiheit und Inklusion, Toiletten und Zäunen. Für ältere Kinder (ab sechs Jahre und aufwärts) gebe es zu wenig Angebot.

Das deckt sich mit den Aussagen an der Saaler Mühle. Warum das alles so ist – und was die Stadt mit einer Spielplatz-Strukturanalyse bewirken möchte, dem ist meine Kollegin Kathy Stolzenbach auf den Grund gegangen.

Radfahren? Lieber nicht

Refrather Weg

Ein weiterer großer Themenblock mit insgesamt 42 Nennungen ist der Verkehr in Bergisch Gladbach. Das mit Abstand größte Unterthema dabei: die Fahrrad-Infrastruktur. Radwege fehlten oder endeten plötzlich, seien zu schmal und/oder es gebe keine bauliche Trennung zur Fahrbahn.

Die Straßen und Radwege seien zudem in einem schlechten Zustand. Ein:e Leser:in schreibt, dass „die Radfahrprüfung in Klasse 4 kaum möglich war, da die Straßen so viele Schlaglöcher haben …“.

Fahrradfahren wird insgesamt als gefährlich wahrgenommen, besonders mit Kindern oder Anhänger. Mehrere Familien schreiben, dass sie gern aufs Auto verzichten würden, die Infrastruktur dafür aber für ungeeignet halten.

Autoverkehr als Unsicherheitsfaktor für Kinder

Schulstraße

Auch Schul- und Kitawege werden häufig thematisiert: Sie seien nicht sicher, unter anderem wegen Elterntaxis vor Schulen und Kitas. Schulstraßen würden während der Sperrzeiten trotzdem befahren, weil Personal zur Kontrolle fehle. Die Stadt unterstütze beim Thema Schulweg-Sicherheit nicht ausreichend.

Allgemein erleben die Teilnehmer:innen der Umfrage den Autoverkehr als Unsicherheitsfaktor für Kinder und Familien, schreiben von „rücksichtloser Fahrerei und Parkerei“ oder von Autos, die Kreuzungen blockierten.

Gehwege fehlten, seien kaputt oder so schmal, dass Kinderwagen und Kinderfahrräder darauf keinen Platz hätten. Fußgängerampeln würden zu kurz schalten. Kurzum: Die Straßen seien auf das Auto ausgelegt und Kinder auf Rad oder Roller schlecht geschützt.

Hinweis der Redaktion: Dies ist eine nicht repräsentative Leserumfrage mit 86 Teilnehmende, vielen Freitext-Antworten und der Möglichkeit zu Mehrfachnennungen. Die Antworten wurden mit Hilfe von KI den Themenschwerpunkten zugeordnet und anschließend von unserer Reporterin ausgewertet.

Kita, Schule und OGS

Unzufriedenheit herrscht auch bei den Themen Kita, Schule und OGS (insgesamt 35 Nennungen). Die Platzvergabe, Betreuungsausfälle und hohe Gebühren werden kritisiert. Der Zustand der Schulgebäude sei „katastrophal“, „haarsträubend“, die Schultoiletten „eine Zumutung!“.

Ein:e Leser:in schreibt: „Unsere Kinder gehen in Leverkusen zur Schule und in Dellbrück zur Kita, da wir weder einen Kita-Platz noch einen Platz in unserer Stadtteilschule bekommen haben.“

Eine andere Person beklagt die hohen Kita-Gebühren insbesondere im Hinblick auf „ständige Ausfälle ohne Ausgleich“.

Jugend, Freizeit und Sauberkeit

Überfüllter Mülleimer. Foto: Thomas Merkenich

Weitere genannte Themen sind:

  • Angebote und Orte für ältere Kinder und Jugendliche
  • Sauberkeit: Hundekot auf den Wegen, Zigarettenkippen, zu wenige und zu selten geleerte Mülleimer, wilder Müll am Stadtrand
  • knappes Freizeit-/Sportangebot: kaum öffentliche Sport- und Bolzplätze, Wartelisten bei vielen Aktivitäten – insbesondere zu wenige Schwimmkurse

Die Stadt und das Land müssen ihre Prioritäten ändern und Kinder und Bildung an erste Stelle setzen.

Die Kosten für Familien seien zu hoch (Wohnen, Kita-Gebühren, aber auch Vereine), besonders für Alleinerziehende. Es gebe zu wenig Angebote für Familien mit wenig Geld.

Busse, Bahnen, Sicherheit

Viele kritisieren den ÖPNV, insbesondere die S11 (sowohl für für Eltern, die beim Pendeln viel Zeit verlieren, als auch für Jugendliche, die in Köln ausgehen möchten), aber auch Busse, die nicht zuverlässig kämen und/oder zu Schulzeiten zu voll seien. Insbesondere in den dörflicheren Gebieten stehe schlicht nicht genug ÖPNV zur Verfügung.

Die Stadtbahnlinie 1 hingegen wird gelobt.

Auch das Thema Sicherheit kommt mehrfach auf, insbesondere im Zusammenhang mit Drogen- oder Alkoholkonsum, etwa in der Fußgängerzone, auf Spielplätzen (abends) und im Gleispark.

Kinder haben keine Priorität

Ein weiteres Motiv zieht sich durch viele Antworten: das Gefühl, dass Kinder für Politik oder Verwaltung keine Priorität haben. Familienthemen würden immer wieder hinter anderen, vermeintlich wichtigeren Themen zurückfallen. Es würde nicht (genug) in Familien und Infrastruktur für Kinder investiert.

Ein:e Leser:in findet: „Die Stadt und das Land müssen ihre Prioritäten ändern und Kinder und Bildung an erste Stelle setzen.“

Immerhin loben zwei Teilnehmer:innen, dass es beim Schulbau und den Kitas Bewegung gebe. Damit kommen wir zu den positiven Stimmen:

Und was macht GL richtig gut?

Die Saaler Mühle ist ein beliebtes Naherholungsgebiet. Foto: Thomas Merkenich

Qualitativ punktet unsere Stadt bei den Teilnehmer:innen der Umfrage in erster Linie durch ihre Gegebenheiten: viel Natur (20 Nennungen), gute Lage und Größe. Ein:e Leser:in schreibt, Bergisch Gladbach hätte ein „Riesenpotential für die kinderfreundlichste Stadt, viel Natur, viel Platz, viele und gute Schulen/Kitas“.

Insgesamt 15 Teilnehmer:innen loben, dass es Kitas und Schulen in der Nähe gibt (gegenüber 35 Negativstimmen zu Platzvergabe, Gebühren und Zustand).

Mehrere Teilnehmer:innen betonen die gute Gemeinschaft und Nachbarschaft in ihren jeweiligen Stadtvierteln und ein „rheinisch-herzliches Miteinander“.

Viele Feste und Angebote

Strundetalfest. Foto: Strundtal e.V.

Die Vereins- und Kulturlandschaft wird gelobt, insbesondere für viele Feste und Veranstaltungen (teils von Händlergemeinschaften organisiert), Freizeit- und Kulturangebote für (kleinere) Kinder, viele Vereine und ein vielfältiges Sportangebot.

Auch das Beratungs- und Hilfsangebot wird positiv erwähnt.

Hier lässt sich ein Gefälle nach dem Alter der Kinder erkennen: Eltern kleinerer Kinder loben mehr (für Feste, Kurse, Spielplätze), Familien mit Jugendlichen sehen dagegen weniger Positives.

Was die Stadt leistet

Blick in den Leseraum in der Stadtbücherei im Forum. Foto: Thomas Merkenich

Was die Stadt aktiv selbst leistet, wird seltener gelobt. Das Lob ist außerdem häufig eingeschränkt.Was konkret positiv hervorgehoben wird:

  • allen voran die Stadtbücherei (10 Nennungen)
  • das Zanders-Areal (6 Nennungen)
  • die Musikschule (3 Nennungen)
  • die Bäder (2 Nennungen)

Interessant ist die Doppelrolle der Spielplätze: Sie sind zugleich das meistkritisierte und eines der meistgelobten Themen (17 Nennungen). Gelobt werden vor allem die neuen Vorzeigeprojekte (Zanders-Gelände, Deutscher Platz, Ballspielplatz Hebborn), aber auch der Abenteuerspielplatz in Gronau (Träger: Katholische Jugendagentur, von der Stadt mitfinanziert).

Deutlich kritisiert wird der vernachlässigte Bestand der vielen Spielplätze in den Stadtteilen.

Fünf von 86 Teilnehmenden fällt gar nichts Positives ein.

Fazit: Riesenpotenzial, falsche Prioritäten

Bergisch Gladbach hat aus Sicht vieler Familien beste Voraussetzungen: viel Grün, eine gute Lage zwischen Stadt und Land, eine lebendige Vereins- und Festkultur. Doch dort, wo die Stadt im Alltag gefragt ist, überwiegt die Kritik deutlich: bei Spielplätzen, Kitas und Schulen, Rad- und Schulwegen.

Neue Vorzeigeprojekte wie der Gleispark werden durchaus wahrgenommen und gelobt – können aber den vernachlässigten Bestand in den Stadtteilen nicht aufwiegen.

Viele Teilnehmende sehen das „Riesenpotenzial“ ihrer Stadt. Damit es genutzt wird, müssten Kinder und Familien, so der Tenor, in Politik und Verwaltung endlich nach oben auf die Prioritätenliste rücken.


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ist freie Reporterin des Bürgerportals. Geboren 1984, aufgewachsen in Odenthal und Schildgen. Studium in Tübingen, Volontariat in Heidelberg. Nach einem Jahr als freie Korrespondentin in Rio de Janeiro glücklich zurück in Schildgen.

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