Roland Hartwig vor der Wahl beim Stammtisch XXL des Bürgerportals. Foto: Thomas Merkenich

Bei der Bundestagswahl war der Bergisch Gladbacher AfD ein Coup gelungen: die rechte Partei gewann im Rheinisch-Bergischen Kreis zwar nur acht Prozent der Stimmen, dennoch schickte der Ortsverband mit Roland Hartwig und Harald Weyel zwei Abgeordnete über die Landesliste nach Berlin. Einen der beiden MdBs hat der Kreis inzwischen wieder verloren; beide haben wichtige Personalentscheidungen getroffen. 

Roland Hartwig, der AfD-Direktkandidat für den Rheinisch-Bergischen Kreis hat seinen Wohnsitz kurz nach der Wahl von Bergisch Gladbach aus privaten Gründen nach Königswinter (Rhein-Sieg-Kreis) verlegt. Mit dem Umzug habe er seine Ämter als Sprecher der AfD in Bergisch Gladbach und sein Vorstandsamt im Kreis niedergelegt, bestätigte Hartwig auf Anfrage des Bürgerportals. 

Bundestagsabgeordnete müssen nicht in ihrem Wahlkreis wohnen, der für die CDU direkt gewählte Hermann-Josef Tebroke hatte noch nie im Rheinisch-Bergischen Kreis seinen Wohnsitz, sondern lebte auch in seiner Zeit als Landrat in Lindlar, Kreis Oberberg. FDP-Direktkandidat Christian Lindner stammt aus Wermelskirchen, wohnt aber in Düsseldorf. 

Ein Wahlkreisbüro in RheinBerg unterhält Hartwig bislang nicht. Da er in Berlin „voll und ganz mit dem Aufbau der Bundestagsfraktion” beschäftigt sei werde ein lokales Büro erst 2018 eingerichtet werden; u.U. werde es auch ein gemeinsames Büro für RheinBerg und Rhein-Sieg geben.

Hartwig, der sich vor der Wahl als Anhänger der Linie von Frauke Petry bezeichnete, ist inzwischen in der AfD-Fraktion in Berlin zum ersten Stellvertreter der Fraktionschefs Alexander Gauland und Alice Weidel und zum NRW-Landesgruppenchef gewählt worden. Petry hatte den internen Machtkampf verloren und die AfD verlassen.

Ratsmitglied Fabian Schütz arbeitet als Angestellter bei der AfD

Fabian Schütz. Archivvoto 2014

Als ersten Mitarbeiter in seinem Berliner Abgeordnetenbüro hat Hartwig den Bergisch Gladbacher Ratsherrn Fabian Schütz angestellt. Schütz hatte 1994 die Kiditiaitive mitgegründet und 20 Jahre für sie im Rat gesessen, wurde 2014 für die Nachfolgeorganisation „Demokrative14″ in den Rat gewählt und hatte sich der AfD-Fraktion im Rat angeschlossen, diese löste sich  2015 nach dem Rechtsruck der Partei auf.

Seither sitzt Schütz als Einzelkämpfer im Stadtrat und auch im Integrationsrat. 2014 bezeichnete er sich selbst als „sozialliberal im Sinne von Helmut Schmidt”. Auch jetzt sei er nicht zur AfD übergelaufen, sondern nur Angestellter, betont er auf Nachfrage. Einen  Beitritt schließt er aber nicht aus – er habe „eine Schwäche für Außenseiter und Underdogs, die sich mit dem Establishment anlegen”.

Harald Weyel macht Höcke-Fan zum Büroleiter

Harald Weyel, Foto: Screenshot

Harald Weyel, der andere Bergisch Gladbacher AfD-Bundestagsabgeordnete, hat Markus Mohr als persönlichen Referenten und Büroleiter angestellt. Mohr gilt selbst in der AfD als Rechtsaußen.

Nachdem Mohr im Stadtrat von Aachen mit einem früheren Pro-NRW-Politiker eine „Allianz für Aachen” geschlossen hatte war er 2016 von der AfD NRW ausgeschlossen worden; eine Entscheidung, die das Bundesschiedsgericht revidierte. Anfang 2017 trat Mohr in Dresden als Vorredner von Björn Höcke auf, den er zuvor als seinen Favoriten für den AfD-Bundesvorsitz genannt hatte. 

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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2 Kommentare

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  1. Ja, ein bißchen Opportunismus schadet nicht. Sei es bei der Mitnahme des Mandates oder beim Wechsel der Partei/Wählergruppe je nach Windrichtung.

  2. Artikel 38, Absatz 1 Grundgesetz
    „Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages…[…]…sind Vertreter
    des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden…[…].

    Bundestagsabgeordnete sind also nicht in ertser Linie Vertreter „ihres“ Wahlkreises, sondern Vertreter des (deutschen) Volkes in seiner Gesamtheit.
    Das gilt auch für die per Direktmandat im Wahlkreis gewählten Volksvertreter.