Die Mobilen Nachbarn sind mit einer Fahrradwerkstatt in Pfaffrath vor Ort. Foto: Archiv

Drei Jahre lang haben Stadtverwaltung, das Deutsche Rote Kreuz und viele Ehrenamtler zusammen gearbeitet, um die Flüchtlinge in Paffrath zu betreuen und zu integrieren. Jetzt ziehen sie Bilanz.

Bürgermeister Lutz Urbach resümiert zur Schließung der ersten großen Unterkunft:

„Wir mussten im Herbst 2015 einen gewaltigen Sprint starten, um die Menschen in würdigen Verhältnissen unterbringen zu können. Ich bin stolz, dass die Stadtverwaltung gemeinsam mit allen Partnern und natürlich den Bergisch Gladbacher Bürgerinnen und Bürgern das gemeistert haben.

Und nicht nur die Unterbringung ist gelungen, auch die Integrationsarbeit hat größtenteils sehr gut funktioniert. Das ist ein Marathon, der damals gestartet ist und noch auf unbestimmte Zeit andauern wird. Die Flüchtlingsunterkunft Paffrath wird immer ein Symbol für das bleiben, was wir für Zuflucht suchende Menschen leisten konnten.“

Das Fazit der Flüchtlingsinitiative Paffrath/Hand lautet:

Viele Mitglieder der Flüchtlingsinitiative Paffrath/Hand haben sich in drei Jahren des Bestehens der Unterkunft engagiert und um die Bewohnerinnen und Bewohner gekümmert. Die Begleitung der Umzüge war in den vergangenen Wochen noch einmal ein besonderer Kraftakt für die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer.

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Insgesamt wurden in kurzer Zeit mehr als zehn Umzüge tatkräftig mit hohem Zeitaufwand unterstützt. Zahlreiche Möbelspenden aus der Bevölkerung haben zu einem guten Übergang beigetragen. Mit jedem neuen Umzug wurden die Prozesse in der Zusammenarbeit mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt und des Jobcenters optimiert.

Auch das Deutsche Rote Kreuz Kreisverband Rheinisch Bergischer Kreis hat Gedanken und einen Rückblick zur endgültigen Auflösung der Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete in Paffrath formuliert:

Für das DRK und die Mitarbeitenden geht mit der Schließung Paffrath eine Ära zu Ende:
„Es war ein guter Ort für Zufluchtsuchende aus 30 Nationen“, betont Sabine Schöngen, die den Fachbereich Soziale Dienste des DRK leitet. So wurden auch Planung, Bau und Rückbau der Unterkunft bis zum jetzigen Rückbau mit Herz und Verstand begleitet.

Insgesamt 278 Männer, Frauen und Kinder lebten auf dem Gelände und wurden von den DRK-Kolleginnen und Kollegen ein Stück begleitet und unterstützt. „Gemeinsam wurde gelebt, gelacht, geliebt, aber auch gestritten und getrauert.“ Zudem gab es Anfänge und Abschiede: Elf Geburten, acht freiwillige Rückkehrer in die Heimat, aber auch 20 Abschiebungen. Im Rückblick zählt Sabine Schöngen die ersten Alltagserlebnisse der Menschen auf: „Erste Schritte in Kindergarten, Schule, Sprachschule, Ausbildung, Studium und Beruf haben wir vermittelt und begleitet.“

In guter Erinnerung sind auch die gemeinsamen Feste mit der Nachbarschaft, mitgestaltet von der Bewohnerschaft und in Zusammenarbeit von Ehrenamt, Sozialverwaltung und DRK. Hinzu kamen die traditionellen Feste an Nikolaus, Karneval und Ostern.

Dramatisch dagegen die Erinnerung an den großen Brand im Sommer 2018. Wobei andererseits auch Positives erlebbar war, denn es hat sich in dem Krisenfall gezeigt, wie unproblematisch und unbürokratisch Soforthilfe besonders aus der direkten Nachbarschaft geleistet wurde.

Mit etwas Stolz schaut Sabine Schöngen auch auf die speziellen Leistungen des DRK zurück. So wurden Standards zu Gewaltschutz und Hygiene in Paffrath entwickelt und anschließend in den anderen Gemeinschaftsunterkünften etabliert. Es gab regelmäßige Angebote an Sozialberatung, medizinischer Beratung, Kinderbetreuung, Sport für Frauen sowie Workshops und Fortbildungen für Ehrenamtliche.

In einer solch großen Unterkunft treffen Bewohnerinnen und Bewohnern mit den unterschiedlichsten Problemlagen aufeinander, die oft intensive und individuelle Beratung benötigen. Typische Themen waren Erziehungsprobleme, Betreuungssuche, Kommunikationsprobleme zu Schulen, Kitas, Behörden; finanzielle Sorgen, Schulden, Nachbarstreitigkeiten, Suchterkrankungen, besonderer Hilfebedarf durch Behinderungen, Schwangerschaft, chronische oder psychische Erkrankungen. Auch die Themen Tod und Trauer um verlorene Angehörige, Gewalterfahrungen und auch Erfahrungen mit Rassismus und Anfeindungen waren Teil des Beratungsalltags.

Schön zu beobachten war, dass die Netzwerkarbeit Früchte trug. So entwickelten sich Zusammenarbeit und Kooperation mit verschiedenen Beratungsstellen und Anbietern in Bergisch Gladbach. Zu nennen sind hier insbesondere die Frauenberatungsstelle, die Kette, Esperanza, das Netzwerk Frühe Hilfen oder auch der Kontakt zur IGP.

Zahlreiche Projekte wurden entwickelt und durchgeführt: Pallettenmöbel-Bau, Gartengestaltung, Schwimmkurse für Babys und Kinder, Informationsveranstaltungen zu wichtigen Themen wie Elternkompetenz-Förderung, Verbraucherschutz (Heizen, Lüften, Handyverträge, Strom- und Gasanbieter) oder Suchtberatung, Fahrradwerkstatt, Fahrradkurse, Deutschkurse/Sprachförderung, Kinderbetreuung, Arbeitsvermittlung, Nähkurse, Wohnungssuche, Umzüge und Einrichtungsbeschaffungen.

Als Fazit betont Sabine Schöngen, dass das DRK stolz ist, im Rahmen des Leitbilds „Im Zeichen der Menschlichkeit“ den Menschen einen Beitrag zur Orientierung gegeben und zum geglückten Start in der neuen Heimat beigetragen zu haben.

DRK-Kreisgeschäftsführer Reinhold Feistl spricht alle Mitwirkenden an den täglichen Aufgaben große Anerkennung aus:

„Viele neue Aufgaben haben uns in der Zeit ereilt und wir haben viel dazu gelernt“, beschreibt er die zurückliegende Zeit. Die Schließung des großen Standorts in Paffrath bezeichnet er als „Meilenstein“, wobei aber viele Aufgaben noch anstehen und auch die Integrationsarbeit für die Menschen durchgeführt werden muss. Also Ärmel hochkrempeln und immer weiter machen im Sinne der Menschlichkeit.

„Wir sind alle sehr dankbar für die wunderbare Zusammenarbeit mit den Freiwilligen, den vielen Begegnungen, Kontakten und Freundschaften, die wir erleben dürfen“, resümieren Reinhold Feistl im Namen aller DRK-Kolleginnen und –Kollegen. „Wir machen weiter im Sinne der Menschlichkeit.“

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