Die Pandemie ist kompliziert: Das Gesundheitssystem unterscheidet bei den Corona-Tests nach Patienten mit Symptomen, nach Erstkontakten oder Reiserückkehrern und Lehrer:innen. Das Bürgerportal hat nachgefragt: Wer testet wen? Und warum gibt es kein Corona Test-Center im Kreis?

Bei Patienten mit Symptomen (laut Robert Koch Institut Fieber, trockener Husten, Halsweh oder Müdigkeit) ist die erste Anlaufstelle der Haus- oder Kinderarzt, erklärt Heribert Wiemer, Praktischer Arzt und Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KV) im Rheinisch-Bergischen Kreis.

Der behandelnde Arzt führe die so genannte Differentialdiagnostik durch, d.h. er untersucht ob ein Verdacht auf Corona vorliegt – oder eben auf eine andere Krankheit. Falls erforderlich werde der Corona-Test durch diesen Arzt vor Ort durchgeführt, sagt Wiemer.

Dennoch gibt es nach Informationen des Bürgerportals Fälle von kranken Kindern, die zum Abstrich in zentrale Teststellen in Köln oder Leverkusen überwiesen wurden. „Wir schicken niemanden weg, wir testen alle bei uns”, macht Wiemer dennoch die Linie für die Kassenärzte im Kreis deutlich.

Das Corona-Banner in der Stadt soll zur Senkung der Infektionszahlen beitragen

Bei Kontaktpersonen von Infizierten ist das Gesundheitsamt im Rahmen des Infektionsschutzes zuständig. Es ermittelt sehr akribisch alle Kontaktpersonen von Corona-Patienten und unterscheidet dabei zwischen zwei Graden.

Kontaktpersonen der Kategorie I standen in intensiverem Austausch zur infizierten Person: 15 Minuten und länger ohne Abstand sowie direkte Gespräche ohne Maske. Daher müssen diese in Quarantäne und werden durch das Amt getestet – unabhängig von Symptomen.

Kontaktpersonen der Kategorie II, die sich kurzzeitig mit dem Infizierten in einem Raum befanden, aber mit Maskenschutz. Hier wird nur bei Symptomen getestet. Ausnahme bilden Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen.

„Dann wird es schwierig, die Kontakte einzustufen. In diesen Fällen können deshalb Menschen ohne Symptome auch dann getestet werden, wenn sie nur geringe oder nicht ermittelbare Kontakte zu Infizierten hatten”, erklärt Sabine Kieth, Leiterin des Gesundheitsamtes.

Sandra Schulz, Mitarbeiterin im Lagezentrum des Rheinisch-Bergischen Kreises. Als ausgebildete Rettungssanitäterin unterstützt sie derzeit die Abstrichnahme, Foto (C) Joachim Rieger

Reiserückkehrer, Erzieher:innen und Angestellte von Schulen werden von niedergelassenen Ärzt:innen getestet, auch wenn dies eigentlich eher in den Bereich des Infektionsschutzes fällt (für den das Gesundheitsamt zuständig ist). Dies sei per Rechtsverordnung so geregelt, heißt es beim Krisenstab des RBK.

„Wer will, der kann das machen”, kommentiert Wiemer das Vorgehen. Vertragsärzte würden in erster Linie jedoch Arbeiten aus dem Leistungskatalog übernehmen. Abstriche von Lehrer:innen oder Reiserückkehrern durchzuführen sei nach seiner Meinung in erster Linie eine Aufgabe des Staates.

Da er dies nicht umfassend leisten könne, würden die niedergelassenen Ärzte unterstützen. Dies müss jedoch „runtergefahren” werden, sollte es zu drastischen Anstiegen bei den Infektionszahlen kommen, macht Wiemer deutlich. „Wir sind zunächst den Erkrankten verpflichtet”, heißt es unmissverständlich bei der KV.

Appell zur Grippeimpfung: Heribert Wiemer rät Patient:innen dringend zur Durchführung der Grippeimpfung. Da im Gegensatz zu Corona für die Grippe ein Impfstoff vorhanden sei, könne man über eine Impfung die Ausbreitung zumindest dieses Virus einschränken. Dies würde das Gesundheitssystem in den kommenden Monaten entlasten. Die Krankenkassen würden die Impfung zumindest für Menschen über 60 Jahre, chronisch Erkrankte sowie Mitarbeiter in Risikoberufen (Gesundheitssystem, Bildung) übernehmen.

Warum gibt es kein Testzentrum im RBK? Derzeit bestehe hierfür keine Notwendigkeit, sagt Wiemer. Man teste in den niedergelassenen Praxen, laut Umfragen würden rund 1.500 bis 2.000 Tests pro Woche durchgeführt, die tatsächliche Zahl liege aber höher, meint Wiemer. Denn nicht alle Praxen hätten sich an der Erfassung beteiligt.

Eine Gesamtzahl, wieviele Tests durch die Ärzte und das Gesundheitsamt in RheinBerg durchgeführt werden, gibt es auch nach Angaben des Gesundheitsamtes nicht.

Nicht geklärt sei, wer den Betrieb solch einer laufenden Teststation bezahle. Gleichwohl könne im Bedarfsfall eine Teststation aus der ersten Pandemiepahse reaktiviert werden. Aber auch hierfür gelte es vor allem die Finanzierung sowie Personalfragen zu klären, so Wiemer.

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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2 Kommentare

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  1. Wo können Personen einen Coronatest durchführen lassen, die keine Hausärztin / keinen Hausarzt haben?

    Soll es für den RBK eine “Fieberambulanz” / “Corona-Ambulanz” (= ein Testzentrum für Coronatests) geben, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bundesweit flächendeckend fordert?