Montage: Klaus Hansen

Die Stadt hat den „Runde Tisch Radverkehr“ endgültig beerdigt. Das ist eine Folge der Politik von CDU und SPD: sie haben, die Verwaltung so mit Anträgen überhäuft, dass für eine Umsetzung der Beschlüsse zum Mobilitätskonzept (MobiK GL 2030) keine Ressourcen bleiben.

In einem Schreiben an die Teilnehmer des Runden Tischs teilte Stadtbaurat Harald Flügge jetzt mit, die bereits vorgemerkten Termine müssten „bis auf weiteres” ausgesetzt werden. Zur Begründung führt er an, dass sich die Verwaltung „intensiv mit der Erarbeitung einer gesamtstädtischen Verkehrsstrategie für alle Verkehrsarten und -träger” beschäftige.

Dabei verweist Flügge auf zwei Anträge der CDU und SPD: auf den 10-Punkte-Plan zum Flächennutzungsplan und zur Integrierten Verkehrsplanung. Aus Sicht der Verwaltung sei es sinnvoll, die „Ergebnisse dieser Arbeitsaufträge mit den politischen Vertretern abzustimmen, und anschließend die Details in künftigen Sitzungen des  Runden Tisches  zu erörtern”.

Der Runde Tisch hatte im Januar 2018 zum ersten und einzigen Mal (hinter verschlossenen Türen) getagt, der April-Termin war bereits abgesagt worden, ebenso wie jetzt die Termine für September und November.

Das Mobilitätskonzept – was war das noch mal? Die Erläuterung steht in der Endfassung des MobiK:

2013 war Bergisch Gladbach zur Modellkommune im Förderprojekt „Kommunales Mobilitätsmanagement” ausgewählt worden. Mit Geld des Verkehrsministeriums wurden die Modellkommunen für zunächst drei Jahre von der Koordinierungsstelle des Verkehrsverbunds Rhein-Sieg (VRS) bei der Implementierung eines Mobilitätsmanagements unterstützt.

Ein wesentliches Kriterium, das zur Auswahl als Modellkommune führte, war die politisch klar definierte Absicht, in Bergisch Gladbach im Rahmen eines integrierten Konzepts eine Verkehrsentwicklungsstrategie zu etablieren, die maßgeblich auf Alternativen zum motorisierten Individualverkehr aufbaut.

Eigentlich sollten die Maßnahmen größtenteils schon in 2017 und in diesem Jahr umgesetzt werden.

Die Fahrradschutzstreifen auf der Kölner Straße

Aber Bergisch Gladbach hat es nur bis zur Kölner Straße geschafft, wo ein paar Fahrradschutzstreifen auf die Straße gepinselt wurden.

Mehr ist nicht passiert und wird wahrscheinlich auch nicht mehr passieren. Und das Dank der großen Kooperation von CDU und SPD, die mit allen Mitteln versuchen, das Dogma der autogerechten Stadt populistisch weiter aufrecht zu erhalten.

Was sagte Bürgermeister Lutz Urbach im Vorwort zum MobiK:

„Um gemeinsam die Mobilität zu optimieren, müssen alle – bildlich gesehen – mit im Bus sitzen. Jeder Einzelne muss seine Wege und Möglichkeiten überdenken, um spannende Ansätze finden zu können. Und genau das ist bei diesem Mobilitätskonzept geschehen.“

Für die Verweigerung, das Mobilitätskonzept in diesem Sinne umzusetzen, wird Bergisch Gladbach bald die Quittung bekommen. Ab dem  1. September (bis 30. November) werden die Bürgerinnen und Bürger im Rahmen des ADFC Fahrrad-Klimatests die Fahrradfreundlichkeit ihrer Stadt bewerten.

Dreimal hintereinander war Bergisch Gladbach bundesweit auf dem vorletzten Platz gelandet – und trotz aller Bemühungen, aus dem tiefen Tal herauszukommen, ist das neuen Ergebnis schon jetzt vorhersehbar: Die Radfahrer vermissen nicht nur sichere Radwege sondern auch den politischen Fortschritt in unserer Stadt.

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Der ADFC ist ein Verband von RadlerInnen, die das Ziel verfolgen, den Verkehr fahrrad- und fußgängerfreundlicher zu gestalten. Neben seinem Engagement für eine umweltbewusste und damit nachhaltige Mobilität berät der ADFC in allen Fragen rund ums Fahrrad. Eine Vielzahl von geführten Radtouren läßt...

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3 Kommentare

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  1. Als ADFC, ProVelo Mitglied und als Bürger der seinen Arbeitsweg kostengünstig per Fahrrad zurücklegt, finde ich diese Entwicklung sehr traurig.

    Vielleicht sollt man die CM anders, extra für diese autogerechte Stadt gestalten. Da alle hier lieber Autos als Räder sehen, bekämpft sie mit den eigenen Mitteln.
    Stellt legal eure Autos dort ab wo es am meisten schmerzt. Solange keine Verbotszeichen, Einfahrten, Kreuzungen etc blockiert werden, weder die Polizei noch das Ordnungsamt etwas machen. Also runter vom Rad und rein ins Auto zum Critical Parking. Es gibt sicherlich viele Stellen innerorts wo dies möglich ist und den Nerv trifft.
    Seit Vorbild und parkt keine Radschutzstreifen/ Radfahrstreifen/ Radwege und Bürgersteige zu, wenn ihr das nächste Mal den Bäcker besucht oder einkaufen geht. Bleibt einfach auf der Straße stehen.. Natürlich nur da wo es erlaubt ist. Achtet auf duchgezogene Linien sowie Halte/Parkverbotsschilder, dort ist das Halten nicht erlaubt. Blockiert auch keine Kreuzungen, Bushaltestellen oder Zebrastreifen. Ihr habt alle in der Fahrschule gelernt wo man innerorts legal halten darf. ;-) Ist ja nur so eine legale Idee, für die es auch keine Verabredung benötigt. Zeigt den autoverliebten Politikern was 23 Stunden legales Parken mit einer Stadt und dessen Verkehrsfluss anrichten kann. Ein weiterer Vorgeschmack auf die Zukunft.

  2. Das ist eine große Entäuschung und ein Komplettversagen unserer Politik die wie so oft die falschen Themen priorisieren. Ohne Rad kann keine Verkehrswende gelingen. Bei bestehender Infrastruktur kann ich keinem dem seine Gesundheit was Wert ist den Umstieg auf das Rad empfehlen. Schade das man nicht wenigsten im Sinne unserer Kinder an dem Runden Tisch festhält.
    Ein frustrierter Bürger

  3. Auch an dieser Stelle wird deutlich, wie, schon fast desaströs, die GroKo für Bergisch Gladbach agieren kann. Alle Welt, und das ist nicht bildlich zu sehen, begibt sich auf den Weg, den motorisierten Individualverkehr auf der Straße zu verringern. Nur Bergisch Gladbach sieht im Gegenteil die Zukunft. Ob Bahndamm, neue Autobahnanschlüsse (Gott sei Dank von Berlin verboten), Fahrradwege (die Malereien auf der Kölner Straße), neue Wohnbau- und Gewerbeflächen ohne Verkehrsanbindungen etc., nichts holt den motorisierten Verkehr von der Straße. Im Gegenteil weisen Fachleute darauf hin, dass neue Straßen zusätzlichen Verkehr bedingen. Man stelle sich vor, die anfangs geplanten Potentialflächen im FNP-E. hätten wenig oder keinen Widerspruch gefunden. Was heute im FNP-E. steht, geht zwar immer noch über den tatsächlichen Bedarf selbst im 20Jahre-Blick weit hinaus, stellt aber dank der Bürgerinitiativen weniger als die Hälfte der ehemaligen Planungen dar. Nun will man die „Ergebnisse (von) Arbeitsaufträge(n) mit den politischen Vertretern abzustimmen, und anschließend die Details in künftigen Sitzungen des Runden Tisches zu erörtern”. M.a.W., in absehbarer Zeit lehnt sich die Stadtverwaltung wieder mal zurück und lässt Zeit verstreichen, die wohl nie mehr aufzuholen ist. Die Worte des Bürgermeisters zum MOBIK erscheinen nur noch als Bla Bla.