Lutz Urbach im Gespräch mit dem Bürgerportal Bergisch Gladbach. Foto: Laura Geyer
Lutz Urbach. Foto: Laura Geyer

Bürgermeister Lutz Urbach im Gespräch mit dem Bürgerportal. Foto: Laura Geyer

Innerhalb von zwölf Monaten verlässt die Hälfte der Fachbereichsleiter der Stadt ihren Posten. Für Bürgermeister Lutz Urbach eine Chance, offen über eine Neuordnung der Stadtspitze nachzudenken. Dabei bleibt ihm nicht viel Muße, auch seine Amtszeit läuft ab.

An der Spitze der Verwaltung von Bergisch Gladbach stehen drei Wahlbeamte, die direkt von den Bürgern (Bürgermeister) oder vom Stadtrat (Beigeordnete) gewählt werden. Auf der Ebene darunter kümmern sich acht leitende Beamte um ihre Fachbereiche – zum Teil schon seit vielen Jahren. Vier von ihnen gehen bis zum Ende des 1. Quartals 2020 in den Ruhestand:

  • Bernd Martmann (FB 8, Immobilienbetrieb),
  • Peter Widdenhöfer (FB 3, Recht, Sicherheit und Ordnung),
  • Elisabeth Sprenger (FB 6, Grundstücksnutzung),
  • Michael Kremer (FB 7, Umwelt und Technik).

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Dabei steht die Spitze für die ganze Verwaltung, die in die Jahre gekommen ist. Etwa 400 der insgesamt 1300 Bediensteten der Stadt, so eine Prognose, erreichen in den nächsten zehn Jahren die Altersgrenze, auf allen Hierarchieebnen.

Bekannt ist bereits, dass auch Willi Carl, der Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebs, Doro Corts (Geschäftsführung Gestaltungsbeirat) und Michaela Fahner (Gleichstellungsbeauftragte) in Kürze in Pension gehen.

Das ist einerseits ein gewaltiger Verlust an Erfahrung, aber auch „eine Chance, sich mit der Aufbauorganisation einmal grundsätzlich auseinander zu setzen”, erläutert Bürgermeister Lutz Urbach im Gespräch mit dem Bürgerportal.

In einem ersten Schritt habe er einen externe Organisationsberater beauftragt, „völlig offen und ohne Vorgaben” die Organisationsstruktur zu analysieren und Vorschläge für Verbesserungen zu machen. Das geschehe derzeit.

Die Ideen des Beraters will Urbach dann mit denen besprechen, die sich am besten auskennen – den Beigeordneten und den Fachbereichsleitern selbst. „Diese Leute verfügen über einen gewaltigen Erfahrungsschatz. Die wissen am besten, was funktioniert und was nicht”, sagt Urbach.

Daraus soll ein Konzept entstehen, das der Bürgermeister dann dem Stadtrat zur Beratung und Entscheidung vorlegen will. Möglichst noch vor der Sommerpause, wahrscheinlich aber erst danach.

Bei aller Offenheit für die Beratungsergebnisse erwartet Urbach keine revolutionären Veränderungen. Die Hierarchie mit den beiden Beigeordneten Harald Flügge (Baurat) und Frank Stein (Kämmerer) ist gesetzt, beide sind noch relativ frisch in ihrem Amt. Eine früher mal diskutierte Abschaffung der Beigeordneten und Stärkung der Fachbereichsleiter steht damit wohl nicht auf der Agenda.

Offen ist, ob es weiterhin einen Ko-Dezernenten geben wird, der den Fachbereichen 4 (Bildung, Kultur, Schulen, Sport) sowie 8 (Immobilien) vorsteht; eine Aufgabe, die derzeit Bernd Martmann in Personalunion ausfüllt.

Das sei einer der Punkte, die geprüft werden müssten, sagt Urbach. Es gebe aber gute Argumente, diese Funktion zu erhalten und beide Bereiche in einer Hand zu belassen – weil damit viele Reibungsverluste im Verhältnis zwischen Schulen und Immobilienbetrieb beseitigt worden seien. In einer Phase, in der viele Schule saniert werden müssen, ein wichtiger Punkt.

Da passt es, dass derzeit auch die „Konzernstruktur” der Stadt auf dem Prüfstand steht: die Eigenbetriebe der Stadt – so die Empfehlung eines Gutachtens – könnten zusammen geführt werden; damit werden einige Leitungsposten überflüssig werden. Eine erste Debatte im Stadtrat über diesen Punkt ist im Stadtrat gerade vertagt worden, das verschafft etwas Zeit für weitere Überlegungen.

Die angestrebte Überprüfung der Personalstrukturen beschränke sich weitgehend auf die Verwaltungsspitze, bestätigt Urbach. Für eine ursprünglich im Stadtrat geforderte Organisationsuntersuchung der gesamten Verwaltung gebe es keine Mehrheit mehr – seitdem die Gemeindeprüfanstalt klar gemacht hatte, dass angesichts einer sehr knappen Personalausstattung kein großes Einsparpotenzial innerhalb der Verwaltung besteht. Tatsächlich ist es – neben Urbach – nur noch FDP-Fraktionschef Jörg Krell, der eine solche Untersuchung fordert.

Ein wichtiger Punkt in der Debatte ist die Tatsache, dass ständig rund 100 Stellen in der Verwaltung nicht besetzt sind. Erstens, weil es unter dem Regime der Haushaltssicherung eine zwölfmonatige Wiederbesetzungssperre gibt (die inzwischen allerdings deutlich gelockert wurde).

Der zweite Grund für die Engpässe ist es, dass Personal fehlt, um neues Personal auszuwählen und einzustellen. Denn auch in der Personalabteilung, berichtet Urbach, müssten eigentlich zwei Mitarbeiter mehr eingesetzt werden. Zwar hatte der Rat mit dem Doppelhaushalt 2019/2020 insgesamt 60 neue Stellen bewilligt, aber die Personalabteilung selbst dabei ausgelassen.

Dafür habe man sich unter dem Druck der „sehr schwierigen Haushaltslage” entschieden, sagt Urbach. Zwei Millionen Euro, die zunächst eingeplant waren, habe man sogar aus dem Personalhaushalt gestrichen, weil man sie aufgrund der Engpässe in der Personalabteilung in der Vergangenheit gar nicht abrufen konnte.

Eine Entscheidung, die „eigentlich nicht richtig war”, sagt Urbach jetzt.

Dabei ist die Stadtverwaltung noch in der glücklichen Lage, nicht allzu hart vom Nachwuchs- und Fachkräftemangel betroffen zu sein. Stellen, die dann tatsächlich auch ausgeschrieben werden, könnten  relativ rasch besetzt werden, berichtet der Bürgermeister. So seien zuletzt für alle offenen Stellen im Hochbaubereich Mitarbeiter gefunden worden.

Schwierig sei die Lage dagegen im Tiefbau und beim Abwasser. Bei den Sozialarbeitern und Rettungsassistenten gebe es eine hohe Fluktuaktion. Die Stadt biete pro Ausbildungsjahr 25 Ausbildungsstellen an und tue viel, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern.

Bei der jetzt anstehenden Neubesetzung und womöglich Neuorganisation der Verwaltungsspitze steht Urbach unter hohem Zeitdruck. Ideal wäre es aus seiner Sicht, wenn die Amtsinhaber die Nachfolger noch einarbeiten könnten. Aber das sei wegen der Wiederbesetzungssperre nicht realistisch, sagt der Bürgermeister im Interview.

Grundsätzlich bevorzuge er interne Besetzungen, um den Mitarbeitern der Verwaltung Aufstiegschancen zu öffnen. Er habe jedoch „eine Ahnung”, dass es bei einigen Stellen externe Ausschreibungen geben werde, bei denen auch Personalberater eingesetzt werden.

Bei der Auswahl der Bewerber, das betont Urbach ausdrücklich, spiele eine Parteizugehörigkeit keine Rolle. Die Auswahl erfolge ausschließlich nach der Befähigung und Leistung; alles andere verstieße gegen das Gesetz und wäre „bescheuert”, sagt der Bürgermeister: „Wir brauchen die besten Leute, da spielt die Partei keine Rolle.”

Anders ist es bei den beiden Beigeordneten: sie sind Wahlbeamte und werden vom Rat gewählt; dabei hat die SPD (als Kooperationspartner der CDU im Stadtrat) traditionellerweise das Vorschlagsrecht für den Kämmerer. Bei den Fachbereichsleitern gebe es jedoch keine Versuche der Fraktionen, sich bei der Auswahl einzumischen, sagt Urbach.

Der dritte Wahlbeamte ist der Bürgermeister selbst. Seine zweite Amtszeit läuft im Herbst 2020 nach insgesamt elf Jahren aus, dann ist er gerade 54 Jahre alt geworden. Ob er für eine dritte Amtszeit zur Verfügung steht, lässt Urbach noch offen: „Darüber rede ich erst einmal mit meiner Frau.”

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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