Bürgermeister Frank Stein (M.), Insolvenzverwalter Marc d'Avoine (r.) und Landrat Stephan Santelmann gaben die Durchfahrt über das Zanders-Gelände frei. Ferdinand Tönnemann hatte das Recht auf die erste Fahrt bei einem Wettbewerb gewonnen.

Der Umbau des Zanders-Areals zum neuen Stadtquartier hat uns das ganze Jahr über beschäftigt, doch im Mail war ein besonderer Meilenstein zu würdigen: Nach drei Jahren hat Insolvenzverwalter Marc d’Avoine die letzte Hallen an die Stadt übergeben und das Gelände endgültig geräumt. Weitere wichtige Themen im Mai waren das Demokratiefestival zur Europawahl und ungewöhnliche Spenden an die CDU.

Hinweis der Redaktion: Wir veröffentlichen den Beitrag vom 27.5.2024 noch einmal im Rahmen unseres Jahresrückblicks, ergänzt durch weitere Themen des Monats.

Marc d’Avoine

Marc d’Avoine ist auf Zanders seit der ersten Insolvenz 2018 tätig und wägt jedes Wort ab. Doch an diesem Samstag, als er Bürgermeister Frank Stein mit einer ganzen Plastikbox voller Schlüssel alle restlichen Flächen des Zanders-Areals an die Stadt Bergisch Gladbach zurückgibt, ist er auskunftsfreudig.

„Diese drei Jahren waren intensiv, impulsiv und anstrengend,“ zieht d’Avoine Bilanz. Es habe „eine Menge Überraschungen und auch einige Enttäuschungen“ gegeben. Er habe schon einige große Insolvenzverfahren geleitet, aber dieser Fall sei einzigartig: „Zanders ist anders.“

Nach dem endgültigen Aus der Papierfabrik Ende April 2021 waren dem Insolvenzverwalter und seinem Team die Aufgabe zugefallen, im Auftrag der Gläubiger die letzten Vermögenswerte zu Geld zu machen und gleichzeitig das Gelände mit all seinen Hallen besenrein zu machen.

Optimistisch waren dafür der Stadt Bergisch Gladbach als Eigentümerin 20 Monate vereinbart worden. Dass es am Ende 36 Monate wurden, darüber redet bei der Übergabe am Samstag niemand, die Freude über den Abschluss überwiegt.

Eindrücke vom Eröffnungstag. Fotos: Thomas Merkenich

Hunderte Gebäude, tausende Maschinen und Anlagen habe das Team bearbeiten müssen, zählt der Insolvenzverwalter auf. Als Beispiel, was an Zanders anders sei, nennt er „das Spinnennetz“: ein aberwitziges Geflecht von Leitungen und Röhren, unter- und oberirdisch, sichtbar oder in Wänden verborgen – für die es keine Pläne gab und die zum großen Teil noch mit Flüssigkeiten befüllt waren. Weil das Werk ja von einem auf den anderen Tag abgeschaltet worden war. Nur mit Hilfe der ehemaligen Beschäftigten, der Zandrianer, sei es gelungen, dieses Netz aufzudröseln.

Insolvenzverwalter Marc d’Avoine (M.) mit seinem Team: links die Juristen Joachim Jünke und Andreas Bauer, rechts die ehemaligen Zandrianer Bernd Schebitz und Bernd Gräfrath.

Ein weiteres Beispiel für die gigantische Aufgabe: Alleine für den Abtransport der Papiermaschine PM3, die in die Türkei verkauft worden war, wurden mehr als 500 Container benötigt.

Diese physischen Aufgaben sind jetzt zwar erledigt, die finanzielle Abrechnung steht aber aus. D’Avoine räumte ein, dass er als Insolvenzverwalter noch erhebliche Schulden gegenüber der Stadt haben; doch das werde jetzt geklärt und bezahlt.

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Zanders auf dem Weg von der Papierfabrik zum Stadtviertel

Fast 200 Jahre Industriegeschichte sind 2021 von einem Tag auf den anderen zu Ende gegangen. Drei weitere Jahre wurden benötigt, um das 36 Hektar große Zanders-Areal von vielen Tonnen an Rohstoffen, gefährlichen Betriebsmitteln und gigantischen Maschinen zu befreien – um es für die Transformation zu einem neuen gemischten Stadtviertel bereit zu machen. Unsere Reporter und unser Fotograf haben den Prozess begleitet und begeben sich in diesem Bilderbuch auf eine Zeitreise.

Wie ein Koloss klein gemacht wird

5500 Tonnen ist die Papiermaschine PM 3 von Zanders schwer, 200 Meter lang, acht Meter hoch. Das heißt, sie war es. Ein Besuch vor Ort zeigt, dass der Koloss in den letzten drei Monaten in seine Einzelteile zerlegt wurde, ein großer Teil ist bereits auf dem Weg in die Türkei. Bis zum 17. Dezember soll das Herzstück der ehemaligen Papierfabrik Zanders ganz aus Bergisch Gladbach verschwinden.

Oliver Brügge wird Chef der neuen Zanders-Gesellschaft

Am 1. Januar tritt eine neu gegründete städtische Gesellschaft an, die das Zanders-Gelände zu einem neuen Stadtteil entwickeln soll. Chef wird der 56 Jahre alte Oliver Brügge, der von Monheim am Rhein an die Strunde wechselt. Er hat langjährige Erfahrung in der Stadtentwicklung und zuletzt ein ganz ähnliches Projekt verantwortet.

Bürgermeister Frank Stein spricht bei der Übergabe von einem „stadthistorischen Ereignis“, blickt auf die dramatischen und hoch-emotionalen Ereignisse vor und nach dem plötzlichen Stopp der Fabrik zurück und bedankt sich bei allen Beteiligten für die gute Kooperation bei den schwierigen Aufgaben.

Als Jurist sei ihm aber auch klar, dass die Schlüsselübergabe auch den Moment des „Gefahrenübergangs“ bedeutet: ab sofort sei die Stadt für alle Risiken auf dem Gelände verantwortlich,

Und auch für die Gefahren, die vom Zanders-Gelände bzw. dem Ende der Papierproduktion ausgehen, Zum Beispiel für den Grundwasserspiegel, der steigt, wenn kein Wasser mehr entnommen wird, erinnert Jonas Geist, der bis vor kurzem für das Liegenschaftsmanagement verantwortlich war. Damit drohten in weiten Teilen der Innenstadt die Keller abzusaufen. Für die Gefahrenabwehr seien eigentlich die Eigentümer verantwortlich – doch habe die Stadt von Anfang an diese Aufgabe an sich gezogen.

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Stricken gegen die Einsamkeit

Zweimal im Monat kommen ungefähr 15 Frauen im Café Himmel un Ääd zum Stricktreff zusammen. Dabei geht es einerseits darum, Kuscheltiere für Bedürftige zu produzieren. Andererseits gibt das Stricken den überwiegend älteren Mitgliedern einen Sinn im Leben – und entzieht sie der Einsamkeit.

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Transformation zu einem klimaneutralen Stadtviertel

Schon vor der zweiten Insolvenz, seit dem Kauf eines Teils des Zanders-Areals 2018, denkt die Stadt über die künftige Nutzung des Geländes nach, auch daran erinnert Bürgermeister Stein. Mit ebenfalls gewaltigen Aufgaben über Jahrzehnte hinweg. Viele Vorarbeiten und Planungen seien bereits erledigt worden, nun gelte es, ein ganz neues und dabei klimaneutrales Stadtviertel im Herzen der Stadt zu realisieren, sagt Stein.

Für den künftigen Gleispark gibt es bereits eine Förderzusage des Landes, der Bescheid für die Zentralwerkstatt werde noch in diesem Jahr erwartet.

Als symbolischen Akt mit hohem praktischen Wert eröffnete Stein gemeinsam mit d’Avoine und Landrat Stephan Santelmann die sogenannte „Mainstreet“: Zu Fuß und mit dem Rad kann man sich ab sofort vom Tor am alten Verwaltungsgebäude quer durch das Gelände bis zum Hinterausgang an der Cederstraße bewegen – was gerade für den Radverkehr eine große Erleichterung bedeutet.

Die Kinder-Rad-Demo Kidical Mass testet die Strecke direkt nach der Öffnung mit 200 Teilnehmenden und kam zu einem positiven Urteil: Weil der Autoverkehr draußen bleibe gebe es hier eine sichere Umgebung für Kinder auf dem Rad – was in weiten Teilen der Stadt nach wie vor fehle.

Schwerpunkt Europawahl

„Es lebe die Demokratie“

Wenn man eine so große Veranstaltung plant und organisiert, dann hofft man natürlich, dass sie glatt läuft und gut besucht wird. Was das Europa- und Demokratiefestival des Bürgerportals angeht, wurden unsere Hoffnungen nicht nur erfüllt – sie wurden, zumindest aus meiner Sicht, übertroffen. Rund 500 Menschen verbrachten einen informativen, kommunikativen und unterhaltsamen Nachmittag auf dem Marktplatz.

Das Festival für Europa und Demokratie in 88 Fotos

500 Besucherinnen und Besucher haben den Marktplatz am Freitag bunt gefüllt: in der SpeakersCorner und im Unterhaus, bei der Wahlmesse, beim Correctiv-Theaterstück, an der Wasserbar und am Buffet kamen die Menschen ins Gespräch und feierten bei strahlendem Wetter ein echtes Festival für Europa und Demokratie.

Entdecken Sie das Zanders-Areal aus der Luft und am Boden

Ein Doppelklick öffnet und schließt die volle Ansicht, mit der besten Wirkung auf einem größeren Bildschirm, auf dem Handy im Querformat. Sie können über die blauen Punkte und die Navigation oben verschiedene Perspektiven ansteuern. Sie können die Ansicht drehen, Details heranzoomen. Hinter den roten Symbolen finden Sie Texte, historische und aktuelle Fotos. Manche Infos sind ein wenig versteckt. Gute Entdeckungsreise!


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Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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