Unglaubliche 50 Tage hält Russlands Angriff auf die Ukraine bereits an. Mehr als sieben Wochen voller Grausamkeit für das ukrainische Volk. In Bergisch Gladbach ist in dieser Zeit viel geschehen, um Flüchtlinge aufzunehmen und wenigstens etwas Hilfe zu leisten. Ein Rückblick.

„Guten Morgen. Russland hat den militärischen Angriff auf die Ukraine begonnen, in der Nacht ließ Putin offenbar Luftwaffenstützpunkte im ganzen Land bombardieren.“

Mit diesen lapidaren Worten begann am 24. Februar 2022 unser Newsletter „Der Tag in GL“. Wenige Stunden zuvor hatte Wladimir Putin, gemacht, was bis zuletzt kaum jemand hatte glauben können.

Eigentlich hätte an diesem Wochenende der Straßenkarneval beginnen sollen, aber der war ohnehin erneut Corona zum Opfer gefallen. Der Bürgermeister hatte noch am Vortag eine Video mit dem Kinderdreigestirn aufgenommen, das nun völlig aus der Zeit gefallen schien. Daher gab Frank Stein zur Veröffentlichung eine Erklärung ab:

„Das Mitgefühl und die Sorge gelten den Menschen in der Ukraine, vor allem der Zivilbevölkerung. Dennoch geht auch das gesellschaftliche Leben in den verschiedenen Facetten in der Region weiter. Vor allem das Engagement des Kinderdreigestirns darf nicht aufgrund des Aggressors Wladimir Putin geschmälert werden.“

Alles Interesse konzentrierte sich an diesen ersten Tagen auf die Nachrichten aus der Ukraine. Doch bald darauf starteten die ersten Mahnwachen, die Vorbereitungen für Hilfslieferungen und die Aufnahme von Flüchtlingen.

GL setzt kölsche Töne gegen Putins Aggression

Mit harten Worten haben Politik und Kirche bei einer Kundgebung auf dem Konrad-Adenauer-Platz Position gegen Putins Krieg in der Ukraine und für den Frieden bezogen. Rund 300 Personen waren dem Aufruf der politischen Jugendorganisationen gefolgt, und setzen kölsche Solidarität gegen die kalte Aggression des russischen Angriffs. Eine Fotoreportage.


Rasch begannen die ersten Solidaritätsaktionen, und auch die Stadtverwaltung stellt sich neu auf, um die Hilfsangebote zu koordinieren und sich auf die Ankunft der ersten Flüchtlinge vorzubereiten. Bürgermeister Stein: „Unser Ziel ist es, beim Eintreffen der ersten größeren Gruppen von Menschen aus der Ukraine praktische Lösungen anbieten zu können.“


Überall ist der Krieg das große Thema, auch in den Schulen und Kindergärten.

In vielen Schulen organisieren die Schülerinnen und Schülerinnen Solidaritätskundgebungen, später starten sie Spendenaktionen und Sponsorenläufe, bei denen riesige Summen an Geld eingenommen werden.

„Gegen Putins Krieg“: Schüler:innen formen riesiges Symbol der Solidarität

Statt Karneval zu feiern haben Schüler:innen der Realschule und des Gymnasiums Herkenrath eine besondere Aktion organisiert: Auf dem Schulhof formten sie ein riesiges Peace-Zeichen und eine Ukraine-Flagge. Gemeinsam gedachten sie in einer Schweigeminute der Opfer des Krieges. Sie wollen damit deutlich machen: „Wir stehen hinter der Ukraine, ihrer Freiheit und Souveränität.“ Eine Spendenaktion soll folgen.


Die Flüchtlinge aus der Ukraine streben zunächst in die großen Städte, die rasch frei geräumten Wohnungen bleiben zunächst leer, doch Anfang März werden auch in Bergisch Gladbach die ersten Menschen aus der Ukraine untergebracht. Da weht vor dem Rathaus schon längst die ukrainische Flagge.

Stadt Bergisch Gladbach bringt die ersten 27 Ukraine-Flüchtlinge unter

Viele der Flüchtlinge aus der Ukraine, die es bis NRW geschafft haben, befinden sich noch in den zentralen Landesunterkünfte, aber auch Bergisch Gladbach hat bereits einige Personen mit provisorischen Unterkünften versorgt. Wieviele Menschen darüber hinaus privat untergekommen sind, ist nicht bekannt. Ebensowenig, wie und wie schnell es nun weitergeht.


Unter den ersten Flüchtlingen in GL ist auch die Familie Pushkarov. Laura Geyer hat sich mit ihnen getroffen – und schildert ihre Erlebnisse. Wir wollen die Familie in ihrer neuen Wohnung in Refrath weiter begleiten, weiter unten finden sie einen weiteren Bericht mit den ersten Erfahrungen im Alltag. Auch der 17-jährige Dmytro aus Dnipronach erzählt eine bewegende Geschichte.

Eine Flucht in fünf Akten

Die Pushkarovs gehören zu den ersten Ukraine-Flüchtlingen, die in Bergisch Gladbach ankamen. Dafür gibt es zwei Gründe: die Entschlossenheit der Mutter Anna – und die Freundschaft zu dem Deutschrussen Oleg Stark. Dies ist ihre Geschichte.


Die Zahl der Flüchtlinge steigt in kurzer Zeit sehr schnell an; die Herausforderung für Stadt und Hilfsorganisationen ist noch größer als 2015. Damit niemand unversorgt bleibt eröffnet die Stadt mit Hilfe der Feuerwehr, des ASB und des DRK drei große Unterkünfte. Welche Menschen dort unterkommen, mit welchen Traumata und Problemen, schildert der ehrenamtliche Übersetzer Paul Kruk.

So sieht die neue Anlaufstelle für Flüchtlinge in GL aus

Innerhalb weniger Tage haben viele Abteilungen der Stadt Bergisch Gladbach, die Otto-Hahn-Schulen und der ASB eine Anlaufstelle und Notunterkunft für die Flüchtlinge aus der Ukraine an der Saaler Mühle organisiert und komplett eingerichtet. Wir haben sie uns angeschaut.

Notunterkunft Saaler Mühle besteht den ersten Test

Rund 40 Menschen sind am Sonntag in der neuen Notunterkunft der Stadt aufgenommen worden. Sie kamen mit einem privat organisierten Bustransport. Die Stadt bereitet sich auf weitere Ankünfte vor – ab Montag auch durch offizielle Zuweisungen von der Bezirksregierung. Frank Stein fordert die Landesregierung auf, rasch Strukturen für die Aufnahme zu schaffen.

Hermann-Löns-Halle: Stadt nimmt neue Notunterkunft in Betrieb

Sehr viele Hände haben ineinander gegriffen, damit Stadtverwaltung, Feuerwehr und DRK einen Hallenkomplex in Hand innerhalb weniger Stunden zu einer voll ausgestatteten Erstaufnahme und Notunterkunft für Flüchtlinge aus der Ukraine verwandeln konnten. Wir haben uns die Arbeiten und das Ergebnis angeschaut.

Ukraine: Stadt nimmt Container in Lückerath wieder in Betrieb

Unter hohem Zeitdruck hat die Stadt Bergisch Gladbach die Wohncontainer auf dem Carpark-Gelände an der Gladbacher Straße saniert und neu angeschlossen; noch in dieser Woche sollen hier die ersten Menschen aus der Ukraine einziehen. Längerfristig – und dennoch vorübergehend, denn spätestens in zwei Jahren soll hier eine Kita gebaut werden.

„Ich bin Musiklehrer, kein Pfarrer oder Psychologe!“

Der Ukrainer Paul Kruk arbeitet ehrenamtlich als Dolmetscher in der ASB-Erstaufnahme-Einrichtung Saaler Mühle in Bergisch Gladbach. Der 64-jährige Pianist hat ein offenes Ohr für die Fragen, Nöte und Ängste der Kriegsvertriebenen aus seiner Heimat – und stößt dabei oft selbst an mentale Grenzen. 


Im BürgerClub des Bürgerportals berichten Bürgermeister Stein und der zuständige Beigeordnete Ragnar Migenda, welche Strategie die Stadt verfolgt, und vor welchen Herausforderungen sie steht.

„Wir wollen keinen einzigen Menschen wegschicken“

Wie gewaltig die Herausforderungen des Ukraine-Kriegs für Bergisch Gladbach sind wurde im BürgerClub mehr als deutlich. Die neue Notunterkunft ist bereits voll, nun will die Stadt eine weitere Unterkunft für bis zu 600 Personen einrichten. Und das ist erst der Anfang, darin waren sich die Vertreter:innen von Politik aus Bund, Land und Stadt sowie der…


Viele der Flüchtlinge sind Kinder und Jugendliche. Einige Schulen handeln schnell, um einige von ihnen unbürokratisch aufzunehmen.

OHG legt mit Integrationsklasse für Ukraine-Kinder los

14 Kindern aus der Ukraine kann das Otto-Hahn-Gymnasium ganz unbürokratisch einen Schulalltag bieten. Das Kollegium der Schule wollte nicht länger auf Vorgaben „von oben“ warten. Sondern hat schon vor rund einer Woche die Ärmel hochgekrempelt und eine Integrationsklasse gegründet. Was fehlt sind Mittel, um Lehrer:innen für Deutsch als Fremdsprache einzustellen, berichtet Schulleiter Karl-Josef Sulski.

Struktur, Schutz, Ruhe: So nimmt das AMG Kinder aus der Ukraine auf

Die Integrationsklasse am Albertus-Magnus-Gymnasium wächst: Zehn Kinder aus der Ukraine erhalten dort bereits Stabilität, Struktur und Sprachunterricht, berichtet Schulleiter Rolf Faymonville. Weitere könnten trotz knapper Räumlichkeiten in einer zweiten Klasse aufgenommen werden – wenn ein Container rasch hergerichtet werden kann. Großen Wert legt das AMG auch darauf, die eigenen Schüler:innen im Blick zu behalten.


Der allergrößte Teil der Flüchtlinge, zunächst zwei Drittel, inzwischen sogar drei Viertel, wird jedoch privat untergebracht. In Wohnungen, die zur Verfügung gestellt werden, oder in der eigenen Familie.

Die Flüchtlinge in meinem Haus

Sigrid Quest hat eine ukrainische Familie aufgenommen. Seither hat sich in ihrem Alltag einiges verändert. Über eine Refrather Wohngemeinschaft der besonderen Art.


Nicht alles läuft reibungslos. So schafft es die Stadtverwaltung zunächst nicht, die große Zahl von Flüchtlingen rasch zu erfassen und erste finanzielle Hilfen auszuzahlen. Doch die Stadtgesellschaft steht bereit: Auf einen Aufruf des Bürgerportals hin werden innerhalb weniger Stunden Einkaufsgutscheine im Wert von 13.000 Euro gespendet und blitzschnell verteilt.

So können Sie Flüchtlingen und Gastfamilien in GL in 3 Minuten helfen

Einige der gut 750 Flüchtlinge in Bergisch Gladbach und ihrer Gastgeber:innen sind in einen Engpass geraten: Ihr Geld können sie nicht umtauschen, die regulären staatlichen Hilfen können noch nicht fließen, einigen Gastfamilien geht das Geld für Lebensmittel aus. Daher starten wir mit der Aktion Neue Nachbarn eine kurzfristige Aktion – und bitten um Ihre Hilfe.


Die Strukturen der Flüchtlingshilfe, die 2015 und 2016 aufgebaut worden waren, bewähren sich: viele Helfer:innen stehen bereit, die Institutionen fahren ihre Arbeit wieder hoch. Zum Beispiel das Himmel un Ääd in Schildgen; die Aktion Neue Nachbarn des Erzbistums koordiniert die Initiativen über die Stadtteile hinweg und im ganzen Kreis. Das Bürgerportal richtet eine Facebook-Gruppe ein, in der Sachspende vermittelt und Informationen ausgetauscht werden.

Bethe-Stiftung verdoppelt Spenden für Flüchtlinghilfe

Bei der Betreuung der Flüchtlinge aus der Ukraine spielen die Ehrenamts-Netzwerke eine extrem wichtige Rolle. Um diese bürgerschaftliche Arbeit zu stärken und den aus dem Krieg geflüchteten Menschen zu helfen verdoppelt die Bethe-Stiftung alle Spenden bis zu 20.000 Euro. Partner sind die Aktion Neue Nachbarn und das Begegnungscafé Himmel un Ääd. Sie sorgen dafür, dass…


Parallel zu den Bemühungen um die Flüchtlinge in Bergisch Gladbach laufen in großem Maßstab Hilfsaktionen für die Menschen an, die in der Ukraine ausharren müssen. Vereine wie „Hilfe Litauen Belarus“ stehen stellvertretend für viele, die aktiv werden.


Ausgerechnet mit der Stadt Butscha, die wenig später zum Symbol für die Verbrecher der russischen Besatzer an der Zivilbevölkerung wird, nimmt Bürgermeister Frank Stein indirekt über die polnische Partnerstadt Kontakt auf. Wenig später geht aus Butscha eine Liste mit dringend benötigten Hilfsgütern ein – die von der Feuerwehr in einer Blitzaktion auf die Reise geschickt werden.

Feuerwehr liefert Rettungswagen und Hilfsgüter im Blitztempo

In der Nacht auf Mittwoch war in Bergisch Gladbach eine Liste mit Hilfsgütern eingetroffen, die in Butscha dringend benötigt werden. 72 Stunden später liefert ein Team der Feuerwehr einen voll ausgerüsteten Rettungswagen, Medikamente, Medizingeräte und Feuerwehrausrüstung in der polnischen Partnerstadt Pszcyna ab. Und einen persönlichen Brief von Bürgermeister Frank Stein an seinen Amtskollegen in Butscha.…


Heute, kurz vor Ostern, leben 944 Flüchtlinge aus der Ukraine in Bergisch Gladbach. Immer noch kommen neue hinzu, ein Ende ist lange nicht abzusehen. 135 Kinder sind bereits in den Schulen aufgenommen worden, und für einige der Neuankömmlinge beginnt so etwas wie ein neuer Alltag. Der Krieg ist aber nur wenige Gedanken entfernt.

Mit Autismus auf der Flucht

Die Heimat verlassen zu müssen, weil dort ein Krieg ausbricht, ist für alle Menschen entsetzlich. Ganz besonders schwierig ist es für Kinder mit Autismus-Spektrum-Störungen. Gerade die Unterbringung in Sammelunterkünften bedeutet für sie enormen Stress. Das gilt auch für David.

Nach der Flucht: Wie haben sich die Pushkarovs eingelebt?

Vor fünf Wochen haben wir von der Flucht der Familie Pushkarov aus der Ukraine nach Bergisch Gladbach erzählt. Seither ist viel passiert. Wir haben sie in ihrem Haus in Refrath besucht und uns berichten lassen, wie sich ihr Leben hier entwickelt.

Nur wenige Flüchtlinge wohnen in GL in Notunterkünften

Die Zahl der Menschen, die aus der Ukraine in Bergisch Gladbach Zuflucht gesucht haben, steigt zwar weiter an. Inzwischen sind davon aber fast drei Viertel in privaten Wohnungen untergebracht worden. Nur noch sehr wenige leben in den großen Hallen – und die Vermittlung läuft weiter. Wer „nur“ ein Zimmer angeboten hatte, könnte jedoch unberücksichtigt bleiben.


Damit endet diese Chronik von 50 Tagen Ukraine-Krieg, aber die Berichterstattung geht weiter. Alle Ereignisse der vergangenen sieben Wochen finden Sie in unserem Ukraine-Liveblog. Und hier noch einmal alle Beiträge in umgekehrt chronologischer Reihenfolge.

Alle Beiträge zum Thema

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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